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Blick in die Bilanzen Amazon schreibt massive Verluste im europäischen Handelsgeschäft

Der amerikanische Onlinegigant Amazon ist im Coronajahr 2020 zwar sprunghaft gewachsen Quelle: REUTERS

Als ein Gewinner der Coronakrise wurde Amazon schon vor einem Jahr betitelt. Tatsächlich ist der Umsatz stark gestiegen. Der Blick in die Bilanzen der drei größten europäischen Töchter zeigt aber ein geteiltes Bild.

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Der amerikanische Onlinegigant Amazon ist im Coronajahr 2020 zwar sprunghaft gewachsen, schreibt im europäischen Geschäft aber hohe Verluste. Das zeigen die im Luxemburger Handelsregister hinterlegten Bilanzen der drei wichtigsten Konzerngesellschaften, berichtet die WirtschaftsWoche. Demnach stieg der Nettoumsatz der Amazon EU S.à r.l., in der das klassische Handelsgeschäft des Unternehmens in Europa gebündelt ist, um 36 Prozent auf 43,84 Milliarden Euro.

Trotz des Umsatzschubs wies die Gesellschaft einen Verlust von rund 1,2 Milliarden Euro aus. Deutlich profitabler entwickelte sich das Geschäft mit externen Anbietern, die den Onlinemarktplatz des Unternehmens nutzen, um ihre Waren auf eigene Rechnung zu verkaufen und dafür Gebühren an „Amazon Services Europe“ zahlen. Bei einem Umsatz von 17,7 Milliarden Euro (plus 47 Prozent) verbuchte der Service-Ableger einen Gewinn von 267 Millionen Euro. Die Cloud-Sparte AWS spielte rund 133 Millionen Euro Gewinn ein und steigerte ihren Umsatz von 4,8 auf mehr als sechs Milliarden Euro.

„Unsere Gewinne sind angesichts unserer großen Investitionen und der Tatsache, dass der Einzelhandel ein hart umkämpftes Geschäft mit niedrigen Margen ist, gering ausgefallen“, kommentierte ein Unternehmenssprecher die Zahlen gegenüber der WirtschaftsWoche.

Die Diskussion um eine Mindeststeuer für internationale Konzerne nimmt Fahrt auf. Die Bilanzen von Amazons wichtigsten europäischen Töchtern liefern den Befürwortern härterer Steuerregeln jetzt neue Argumente.
von Henryk Hielscher

Der Konzern, der wegen seiner Steuerpraktiken seit Jahren in der Kritik steht, zahlte mit seinen europäischen Töchtern höchst unterschiedliche Beträge an die Finanzämter. Während Amazon im eigenen Handelsgeschäft eine millionenschwere Steuergutschrift erhielt, überwiesen die beiden anderen Gesellschaften zwei- und dreistellige Millionenbeträge. „Die Körperschaftsteuer basiert auf Gewinnen und nicht auf Umsätzen“, teilte das Unternehmen dazu mit. „Amazon zahlt alle anwendbaren Steuern in allen Ländern, in denen wir agieren.“

Seit 2010 hat der Konzern nach eigenen Angaben europaweit mehr als 78 Milliarden Euro investiert. Dadurch seien unter anderem „erhebliche lokale Steuereinnahmen generiert“ und „viele tausend neue Arbeitsplätze“ geschaffen worden. Insgesamt arbeiten für das Unternehmen 135.000 Vollzeitbeschäftigte in ganz Europa.

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