Bourbon so populär wie nie Mini-Hersteller greifen die Whiskey-Größen an

Bourbon-Whiskey erlebt weltweit einen Boom – doch nicht nur Größen wie Jack Daniel's profitieren davon. Die Branche steht vor einem Umbruch, der schon den Biermarkt fundamental umgekrempelt hat.

Whiskey Quelle: AP

Der Widerspruch schreit einem in Lynchburg, Tennessee, förmlich entgegen. Die 6000-Einwohner-Stadt im Süden der USA liegt in einem der vielen „dry counties“. Landkreise, in denen auch 80 Jahre nach dem Ende der Prohibition ein strenges Alkoholverbot gilt. Die holzvertäfelten Restaurants im schmucken Stadtkern dürfen zu ihren deftigen Menüs – Spare Ribs, Pulled Pork, frittiertes Hühnchen – zwar Bier ausschenken, aber nichts Hochprozentiges. Keinen Wodka, keinen Rum, keinen Whiskey.

Letzteres ist besonders bemerkenswert, hat doch ausgerechnet in diesem Provinznest, das nur eine einzige Ampel zählt, der größte Whiskey-Exporteur der Welt seinen Hauptsitz. Jack Daniel's produziert und lagert seit 1866 in Lynchburg und Umgebung seinen bekannten „Tennessee Whiskey“. In diesem Herbst feiert der Konzern seinen 150. Geburtstag.

Der Absatz von US-Bourbon steigt

Und Jack Daniel's hat allen Grund zum Feiern. Der US-Bourbon erlebt seit mehreren Jahren ein Revival; die Absatzzahlen steigen. In den USA sind die Umsätze von Bourbon und Tennessee Whiskey um 7,8 Prozent auf 2,9 Milliarden US-Dollar gestiegen. Und auch im Ausland erfreut sich der Alkohol aus den USA allergrößter Beliebtheit. Haben die US-Hersteller 2002 noch Whiskey im Wert von 376 Millionen US-Dollar verkauft, waren es 2013 schon mehr als eine Milliarde US-Dollar – und im vergangenen Jahr 1,56 Milliarden US-Dollar.

Deutschlands beliebteste Spirituosen

Insbesondere Platzhirsch Jack Daniel's profitiert von dieser Entwicklung. Doch der Erfolg ruft nun immer mehr Nachahmer auf den Plan. Kleine Destillerien wollen den Marktführer angreifen. In den USA. Und in Übersee, etwa in Großbritannien, Australien und auch Deutschland, die größten ausländischen Abnehmer. Die Whiskey-Branche steht vor einem Wandel, wie ihn die Bier-Konzerne seit knapp 15 Jahren erleben: Mikrobrauereien sprießen förmlich aus der Erde. Gab es vor zehn Jahren US-weit keine 300 Whiskey-Destillerien, sind es heute schon um die 700. Tendenz steigend. Können die Kleinen die Branchen so verändern, wie es das „craft beer“ geschafft hat?

Amir Peay ist davon überzeugt. Der großgewachsene, kahlköpfige Mann schnappt sich eine Flasche, zieht den Korken heraus und schenkt einen Fingerbreit der bräunlichen Flüssigkeit in ein Schnapsglas. Zwei Drehungen, ein kurzes Schnuppern, ein zufriedenes Nicken. Peay führt das Glas zum Mund, nimmt einen Schluck und lässt den Whiskey durch seinen Hals gleiten. Erwartungsgemäß schaut er den Journalisten an, der zum Testen aufgefordert ist. „Sehr sanft, weniger wuchtig als die bekannten Bourbon-Sorten“, sagt der Whiskey-Distiller, noch bevor sich der Gast ein Urteil erlaubt hat. Und ergänzt: „Die leichte Vanille-Note dennoch deutlich zu erkennen.“

Qualität und Geschmack sind gefragt

„1776“ heißt der Whiskey, mit dem Peay die USA und Deutschland erobern will. „Die Bedürfnisse der Bürger haben sich verändert“, ist er überzeugt. Ausgewählte, hoch qualitative Zutaten, Nachhaltigkeit, ein unverwechselbarer Geschmack und eine eigenen Identität seien heute gefragt. Keine Frage, dass Peay genau diese Eigenschaften dem „1776“ zuschreibt.



Zu Zeiten der US-amerikanischen Revolution gestartet, verkaufte die James E. Pepper Familie bis 1958 ihren ruhmreichen Whiskey. Die Prohibition und sich verändernde Trinkgewohnheiten zwangen den „1776“ schließlich in die Knie. Ab 2008 erweckten Peay und die Georgetown Trading Co. den Whiskey inklusive seiner traditionellen Produktionsstätte wieder zum Leben. Inzwischen ist der „1776“ in den Metropolen der USA – San Francisco, Chicago, New York – gefragt. Nun drängt Peay mit seinem Herzensprodukt auch in Deutschland auf den Markt.

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