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BrandIndex

C&A zahlt mit Imageverlust für Brand bei Zulieferer

Holger Geißler
Holger Geißler Psychologe, Werbepsychologe

Ein schöner Schal, ein warmer Mantel, neue Socken: Kleidung ist ein beliebte Gabe zu Weihnachten. Doch vielen Verbrauchern vergeht die besinnliche Stimmung angesichts der jüngsten Brandkatastrophe in einer Textilfabrik in Bangladesch.

In dieser Ruine in Karachi (Pakistan) sind 259 Menschen ums Leben gekommen. Verrammelte Notausgänge und Mängel beim Brandschutz machten die Fabrik zur Todesfalle. Quelle: dpa

Die großen Filialketten bekommen dies zu spüren – ihre Imagewerte fallen. „Unser Mitgefühl gilt den Opfern dieses furchtbaren Unglücks sowie deren Familien und Angehörigen“ - so heißt es in einer Pressemitteilung von C&A. Der Textilkonzern nimmt damit Stellung zu Berichten, er habe in jener Textilfabrik in Bangladeschs Hauptstadt Dhaka fertigen lassen, in der am 24. November ein Feuer ausbrach. 112 Menschen kamen dabei ums Leben. Mutmaßlich mangelhafter Brandschutz und fehlende Sicherheitsvorkehrungen wurden ihnen zum Verhängnis. Tatsächlich hat C&A dort 220.000 Sweatshirts für den brasilianischen Markt fertigen lassen. C&A will sich an der Untersuchung der Unglücksursache beteiligen.

Produktionsbedingungen in der Textilfabrik
Das brennende Gebäude Quelle: dapd
Bangladeschs Hauptstadt Dhaka Quelle: Probal Rashid für WirtschaftsWoche
Slum von Bangladeschs Hauptstadt Dhaka Quelle: Probal Rashid für WirtschaftsWoche
Frauen in Bangladesch Quelle: Probal Rashid für WirtschaftsWoche
Männer verladen Altpapier Quelle: Probal Rashid für WirtschaftsWoche
Näherinnen in einer Fabrik Quelle: Probal Rashid für WirtschaftsWoche
Frauen in einer Fabrik mit vergitterten Fenstern Quelle: Probal Rashid für WirtschaftsWoche

Innerhalb der vergangenen drei Monate gab es bereits zwei ähnliche Vorfälle in Textilfabriken in Indien und Pakistan. Jedes Mal gehörten auch deutsche Unternehmen zu den Auftraggebern, etwa KiK. Sendungen wie „Günther Jauch“ und „Panorama“ griffen das Thema auf. Für Verbraucher ist nachhaltige Kleidung ein wichtiger werdendes Thema.

C&A bemüht sich um Schadensbegrenzung

Das öffentliche Interesse am Schicksal der meist weiblichen Textilarbeiter in Indien, China oder Bangladesch ist enorm. Und Marken, die in den Medien im Zusammenhang mit den Bränden und schlechten Arbeitsbedingungen bei Zulieferern genannt werden, verlieren Ansehen. Dies zeigt ein Blick auf einen Bestandteil des YouGov-Markenmonitors BrandIndex, den sogenannten Buzz. Während der BrandIndex das Image der Marke in seiner Gesamtheit wiedergibt, drückt der Buzz als Teilaspekt aus, ob und in welchem Ausmaß eine Marke positiv oder negativ im öffentlichen Gespräch ist. Direkt nach dem Feuer fiel der Buzz von C&A von Plus 69 Punkten um 58 Punkte auf Plus 11 Punkte ab. Die Tendenz ist weiter fallend – damit droht auch das Gesamtimage der Marke beschädigt zu werden. Im Image-Index hat die Marke in der Gesamtbetrachtung bereits vier Punkte eingebüßt.

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Doch C&A ist nicht allein. Auf einem ohnehin schon niedrigeren Image-Niveau müssen auch H&M und Zara nicht nur im Buzz, sondern auch im Index Verluste hinnehmen: Zara verliert seit dem Tag des Feuers in Bangladesch drei Punkte, H&M ebenfalls. Beide Modekonzerne liegen in der Verbraucherwahrnehmung fast gleich auf. Der Abstand zu C&A beträgt seit den vergangenen Wochen recht konstant 19 Punkte. Die großen Textil-Discounter müssen also auf unterschiedlichem Imageniveau ähnliche Imageverluste hinnehmen. Dies zeigt: Nicht nur die einzelnen Marken, die ganze Branche hat aktuell ein massives Imageproblem. Auf den Websites der meisten Textil-Konzerne finden sich zwar mittlerweile Hinweise auf „Bio-Baumwolle“, „soziale Verantwortung“ und „Nachhaltigkeit“. Ob die Konsumenten diesen Aussagen Glauben schenken, scheint angesichts der immer neuen Skandale und den Imagebewertungen fraglich.

In den kommenden Wochen werden die Verbraucher mit ihrem Portemonnaie abstimmen. Das Weihnachtsgeschäft könnte für die Branche auch in der Nachhaltigkeitsfrage zum Gradmesser werden.

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