BrandIndex

Filter oder Kapsel? Welchen Kaffee die Deutschen am liebsten trinken

Holger Geißler
Holger Geißler Psychologe, Werbepsychologe

Ein normaler Filter-Kaffee aus der Kanne oder lieber Pad- und Kapsel-Marken? Wie die Deutschen ihren Kaffee mögen.

Quelle: dpa

Wer im Supermarkt vor dem Kaffeeregal steht, hat die Qual der Wahl. Neben Kriterien wie Bohnenart, Röstgrad, Fairtrade oder nicht, Bio oder herkömmlich, gemahlen oder ganze Bohne, lose, im Pad oder in der Kapsel, muss sich der Kunde auch aus diversen Marken eine heraussuchen.

Beim Tee gilt Ähnliches und so war es kein Problem, unseren BrandIndex-Sektor „Kaffee & Tee“ mit 30 Marken zu füllen, zu denen wir Verbraucher befragen, wie sie zum Beispiel die angebotene Qualität einschätzen oder ob sie kürzlich Werbung einer Marke wahrgenommen haben.

Tchibo ist bei den Kaffeemarken die bekannteste Marke in Deutschland. Neun von zehn Verbrauchern kennen sie. In dieser Kolumne lassen wir sie allerdings außen vor, weil sie nicht nur als Kaffeeanbieter, sondern bei vielen Menschen auch als Händler von zum Beispiel Kleidung und Haushaltswaren bekannt ist.

Was Ihr Kaffee-Geschmack über Sie aussagt
Wie trinken Sie Ihren Kaffee? Quelle: dpa
Schwarztrinker Quelle: dpa
Milchtrinker (Personen, die ihrem Kaffee Milch, Sahne und Zucker hinzufügen) Quelle: dpa
Frozen-Coffee-Trinker Quelle: dpa
Frozen-Coffee-Trinker Quelle: AP
Sojamilch und sonstige Extras Quelle: dpa
Journalisten warten auf den Beginn einer Pressekonferenz Quelle: AP
Lehrer und pädagogische Berater Quelle: Fotolia
Marketing und PR-Spezialisten. Quelle: Fotolia
Wissenschaftler und Laborassistenten. Quelle: dpa

Reine Kaffeemarken wie Jacobs, Melitta, Dallmayr und Nescafé kommen aber auf ähnliche Bekanntheitswerte. Und auch vergleichsweise jüngere Marken, wie Senseo, Nespresso und Tassimo, sind mit mehr als 77 Prozent Bekanntheitsgrad den meisten Deutschen ein Begriff.

Pads und Kapsel-Anbieter mit schlechtem Preis-Leistungs-Verhältnis

Doch betrachten wir die Beliebtheitswerte der Marken, werden schnell Unterschiede deutlich. Die deutschen Verbraucher scheinen die klassischen Kaffee-Marken, die gemahlenen Kaffee oder auch als ganze Bohne in der Pfund-Packung anbieten, mehr zu mögen. Im Index, der mehrere Kategorien wie Qualität und Kundenzufriedenheit zusammenfasst, ist Dallmayr mit sehr guten +38 Punkten die beliebteste reine Kaffeemarke (auf einer Skala von -100 bis +100 Punkten) unter denjenigen, die angeben, die jeweilige Marke zu kennen. Mit +34 Punkten folgen Jacobs, Lavazza und Melitta.

Die bekannteste Pad-Marke Senseo kommt dagegen nur auf +15 Punkte. Die geringere Beliebtheit könnte an der Verkaufseinheit „Pad“ liegen – Marken, die ebenfalls Pads oder Kapseln verkaufen, können nämlich ebenfalls nicht mit Dallmayr und Co. mithalten. Nespresso und Cafissimo erreichen im Index bescheidene +10, Tassimo +9 Punkte.

Mythen rund um Kaffee
Kaffee Quelle: dpa
Kaffee-Filter Quelle: dpa
Kaffee Quelle: dpa
Kaffeetasse und Kaffeebohnen Quelle: dpa
Gerücht: Kaffee schadet dem HerzenDieses Gerücht scheint falsch zu sein, denn viele Studien ergaben sogar das Gegenteil: So fanden Forscher der Universität Utrecht heraus, dass täglich zwei bis vier Tassen Kaffee das Risiko eines Herzinfarkts um bis zu 20 Prozent senken können. Südkoreanische Wissenschaftler erklärten zudem, dass wenige Tassen am Tag verstopfte Arterien verhindern können. Auch ihre Forschungsergebnisse zeigten, dass Testpersonen, die drei bis fünf Tassen Kaffee pro Tag tranken, deutlich seltener unter Vorzeichen von Herzkrankheiten litten. Quelle: dpa
Gerücht: Kaffee schützt vor DiabetesZumindest senkt Kaffeekonsum das Diabetes-Risiko. Dies hat eine aktuelle Studie des Deutschen Instituts für Ernährungsforschung ergeben. Bei täglich über vier Tassen Kaffee lässt sich das Diabetes-Risiko um ein Viertel senken. Quelle: dpa
Gerücht: Kaffee ist das beliebteste Getränk beim ersten DateTatsächlich geht mit 73,3 Prozent die Mehrheit der Deutschen beim ersten Date einen Kaffee trinken. Dies hat eine Umfrage der Online-Partnervermittlung ElitePartner ergeben. Essen gehen liegt mit 72,1 Prozent knapp dahinter. Nur 5,4 Prozent treffen sich beim ersten Date direkt zu Hause. Quelle: Fotolia
Gerücht: Kaffee macht impotentSollte dieses Gerücht stimmen, dann wäre Kaffee wohl das falsche Getränk beim ersten Date. Brasilianische Forscher können jedoch alle männlichen Kaffeekonsumenten beruhigen: Ihren Untersuchungen zufolge haben Kaffeetrinker sogar beweglicherer Spermien, als Männer, die auf Kaffee verzichten. Wissenschaftler der Universität  Michigan haben außerdem herausgefunden, dass Kaffeetrinker häufiger Sex haben als Nicht-Trinker. Quelle: dpa
Gerücht: Kaffee macht munterMehrere Studien zeigen, dass Kaffee konzentrierter macht. Eine Untersuchung prüfte etwa die Wirkung von Kaffeekonsum bei Autofahrern, die nachts unterwegs sind. 125 Milliliter machten die Probanden dabei genauso fit, wie ein kurzes Nickerchen. Quelle: dpa
Gerücht: Kaffee fördert die AusdauerKaffee macht tatsächlich nicht nur geistig, sondern auch körperlich fit. Geradebei Ausdauersport, wie Laufen, Radfahren und Schwimmen steigert er die körperliche Leistung. Quelle: dpa
Gerücht: Kaffee bringt Menschen um den SchlafWenn Kaffeekonsum fit und munter macht, liegt es nahe, dass er Menschen beim Einschlafen hindert. Dies belegen Studien zwar, allerdings schwankt die Wirkung je nach dem, wie häufig Menschen zum Kaffee greifen. Bei Vieltrinkern hat sich der Körper an das Koffein gewöhnt, wodurch die Wirkung bei ihnen weniger stark ist. Sie haben auch nach einer späten Tasse Kaffee weniger Probleme mit dem Einschlafen. Quelle: obs
Gerücht: Kaffee macht nervösEs gibt den Verdacht, dass Kaffee gerade bei gestressten Menschen die Ängstlichkeit fördert. Dies gilt laut wissenschaftlichen Untersuchungen zumindest nicht langfristig. Eine Studie von 2011 mag beispielsweise einen positiven Zusammenhang von Koffein und Angsterscheinungen zeigen.  Ein Versuch ein Jahr später mit Ratten, die ständig unvorhersehbarem Stress ausgesetzt wurden, zeigte jedoch, dass ihre Ängstlichkeit und ihr depressives Verhalten nach einem langfristigen Koffeinkonsum sank. Quelle: dpa
Gerücht: Kaffee schadet in der SchwangerschaftDies gilt laut der Deutschen Gesellschaft für Ernährung nur dann, wenn Schwangere zu viel Kaffee trinken. Bis zu drei Tassen täglich sind jedoch unbedenklich für Schwangere und stillende Mütter, sowie für deren Kinder. Quelle: dpa
Gerücht: Kaffee entzieht dem Körper WasserDas stimmt, aber laut Deutschem Grünen Kreuz handelt es sich nur um kleine Mengen an Wasser, die Kaffee dem Körper entzieht. Kaffeetrinker scheiden täglich nur drei Prozent mehr Wasser aus als Nicht-trinker. Quelle: dpa

Ein Grund dafür ist schnell gefunden: Die Markenkenner bescheinigen den Pad- und Kapselherstellern ein negatives Preis-Leistungs-Verhältnis. Das allerdings ist auch eine Frage des Alters: Für Jüngere ist es anscheinend ein kleineres Thema für den Komfort zu bezahlen, sich schnell eine einzelne Tasse Kaffee zubereiten zu können. So bewerten die unter 30-Jährigen das Preis-Leistungs-Verhältnis von etwa Cafissimo und Senseo deutlich besser als die über 50-Jährigen.

Gelegenheit schafft ebenfalls Kaffeekäufer

Bemerkenswert ist Nespresso. Obwohl jeder vierte Markenkenner kürzlich Werbung der Marke registriert hat – damit erreicht Nespresso nach Tchibo die zweithöchste Werbewahrnehmung unter allen Kaffee- und Teemarken –, geben nur 14 Prozent der Markenkenner an, Nespresso bei der Auswahl eines Kaffees auf dem Zettel zu haben. Für die Verbraucher bleibt Nespresso zu teuer, das zeigt die Einschätzung des Preis-Leistungs-Verhältnisses. Da spielt es auch keine Rolle, wie hoch das monatlich verfügbare Netto-Einkommen ist.

In die engere Auswahl ziehen die Kenner der jeweiligen Marken beim Kauf eines Kaffees vor allem Dallmayr, Jacobs, Melitta und Amaroy. Amaroy, die Eigenmarke von Aldi Süd, ist in gewisser Weise ein Kuriosum: Von den Kennern der Marke wird ihr die im gesamten Sektor Kaffee & Tee schlechteste Qualität bescheinigt, sie wird nicht sonderlich gerne weiterempfohlen und auch die Verbraucher haben einen unterdurchschnittlichen allgemeinen Eindruck von der Marke. Trotzdem schafft Amaroy es, dass die Kenner die Marke auf dem Schirm haben und sich gut vorstellen können, ein Paket zu kaufen. Eine Gelegenheit (Einkauf bei Aldi) und ein niedriger Preis sind wohl auch gute Gründe ein Kaffee-Produkt zu kaufen. Funktioniert sogar ganz ohne George-Clooney-Werbung.

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