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Brauereien Kölsch für echte Fründe

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Das Bundeskartellamt prüft Klüngel-Vorwürfe

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Dies verhindert, dass neue Konkurrenzmarken ortsfremder Konzerne aus den Zapfhähnen der Altstadt laufen. Ganz draußen halten ließen sich die Brauriesen jedoch nicht: Radeberger, Tochter der Oetker-Gruppe und größter deutscher Getränkekonzern, übernahm 2004 die Kölner Verbund Brauereien und hat mit Gilden, Sion, Küppers, Peters und Sester fünf der elf größeren Brauereien der Stadt im Portfolio.

Kölner kaufen teures Bier

Angst vor dem Bierriesen hat das Kölsch-Dreigestirn dennoch nicht, im Gegenteil: „Unser Zuwachs an Marktanteilen geht auch zulasten von Radeberger“, sagt Gaffel-Chef Becker. Der Konzern versucht mit auffälligen Flaschenformen oder günstigeren Preise dagegenzuhalten. Die drei Marktführer verkaufen ihr Bier mit fast 14 Euro pro Kasten deutlich teurer als der Wettbewerber, der zum Teil gerade mal rund zehn Euro verlangt. Dennoch greifen die meisten Kölner zum teureren Kasten: Reissdorf, Gaffel und Früh machen rund 60 Prozent des Kölsch-Marktes unter sich aus – Tendenz steigend, so die Brauereien.

Hohe Strafen für Brauereien

Früh-Marketingchef Dirk Heisterkamp erklärt das Phänomen so: „Die Konzerne haben größere finanzielle Möglichkeiten als wir regionalen Brauer, aber die Kölner haben eine besondere Verbindung zu ihrem Bier.“ Kölner seien sehr loyal, bestätigt Becker. Soll heißen: Wer etwas auf sich hält, trinkt eine der angesehenen Marken wie Früh, Reissdorf, Gaffel oder Zunft und Päffgen – auch wenn die mehr kosten.

Ob einige Brauer ihre Popularität gesetzwidrig ausnutzen, untersuchen derzeit die Beamten des Bundeskartellamts. Ein Kronzeuge hatte sich Ende 2011 bei den Bonnern gemeldet. Er wirft fünf Kölsch-Brauereien, darunter Früh und Gaffel, vor, ihre Preise jahrelang abgesprochen zu haben. Anfang Dezember fanden „Durchsuchungen wegen des Verdachts auf Preisabsprachen für Kölsch (...), sowie auf den gegenseitigen Austausch sensibler Unternehmensdaten“ statt, so das Amt. Seitdem laufen Ermittlungen. Die Verdächtigten weisen die Vorwürfe zurück – sie seien schlicht „abstrus und in der Sache wenig bedacht“, sagt Früh-Manager Heisterkamp. Selbst wenn Früh von Preisplänen anderer wüsste, würde man seine Strategie nicht ändern. Ist an den Klüngel-Vorwürfen dennoch etwas dran, drohen Strafen bis zu zehn Prozent des Jahresumsatzes. Bei Früh wären das rund fünf Millionen Euro.

Gaffel-Kölsch: das beste Sommerbier

Bis die Wettbewerbshüter ihre Ermittlungen abschließen, werden Monate vergehen. Derweil feiern die Kölsch-Brauer erst einmal närrische und feuchtfröhliche Tage. „Karneval ist kostenloses Marketing für Kölsch“, sagt Gaffel-Brauer Becker. Feierfreudige Touristen kämen reichlich in Kontakt mit dem Bier. „Bisher verkaufen wir noch 95 Prozent im Regierungsbezirk Köln“, sagt er. Aber das „außerkölsche“ Interesse steige merklich.

2011 wählte Eric Asimov, Gastro-Kritiker der „New York Times“, Gaffel-Kölsch zum besten Sommerbier.

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Aber auch in anderen Regionen Deutschlands werde Kölsch immer populärer, sagt Marketing-Mann Heisterkamp: Früh wirbt etwa in Frankfurt und München sowie mit besonders liebevollem Gruß in der Altbierstadt Düsseldorf: „Früh-Kölsch – bevor es Alt wird.“

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