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Brauereiverkauf stockt Diebels und Hasseröder fehlt ein Konzept

Schlechte Tage für Diebels und Hasseröder Quelle: Getty Images

Seit über einem Jahr stehen die beiden traditionsreichen Brauereien Diebels und Hasseröder zum Verkauf. Seitdem herrscht Stillstand, die Marken dümpeln vor sich hin, die Belegschaften sind beunruhigt. Hoffnungen ruhen nun auf dem neuen Deutschland-Chef des Mutterkonzerns AB InBev.

Irgendwann wurde dann am Samstagvormittag auf dem Parkplatz vor der Diebels-Brauerei auch die bekannte Werbehymne angestimmt: „Ein schöner Tag, die Welt steht still, ein schöner Tag, komm Welt lass dich umarmen, welch ein Tag.“ Rund 400 Menschen mit Flaggen, Schals, Bierfässchen und grünen Diebels-Westen waren am 1. Dezember auf dem Brauereigelände in Issum am Niederrhein erschienen. „Dies ist kein Streik, dies ist keine Demo“, erklärte der Betriebsratsvorsitzende Thomas Engelsiepen. „Wir sind hier versammelt, um Flagge zu zeigen für die Marke. Wir sind nicht gegen etwas, sondern für Diebels.“  In seiner Ansprache erinnerte Engelsiepen daran, dass die Brauerei seit einem Jahr zum Verkauf stehe, der Kauf aber leider ins Wasser fiel.

Seitdem steht die Welt in der Tat still. Für Diebels und für deren Schwestermarke Hasseröder, beides Biermarken des belgischen Brauereiriesen Anheuser-Busch InBev (AB InBev), zu dem in Deutschland auch Becks, Franziskaner und Löwenbräu gehören. Engelsiepen betonte, dass der Mutterkonzern „uns nicht mehr unterstützt, und wir leiden darunter. Wenn man ein paar Kilometer weiter fährt, dann sieht man von Diebels nicht mehr viel“, so Engelsiepen. Er erinnerte an die goldene Zeit der Neunzigerjahre, in der die Mitarbeiter viele Überstunden machen mussten, aber die Marke auch durch Werbung bekannt war.

Heute stelle die Brauerei gerade einmal ein Sechstel so viel Bier her wie damals.

Ähnlich vertrackt und aussichtslos ist die Situation auch im 400 Kilometer östlich gelegenen Wernigerode bei Hasseröder-Kollegen. Dort hatte die Gewerkschaft NGG am Samstag vor drei Wochen mit einer „Pro-Hasseröder-Aktion“ mobil gegen den Eigentümer der Brauerei gemacht. Der Vorwurf: Seit dem Ende 2017 eingeläuteten Verkauf der Brauerei sei diese in ein „Dümpelstadium“ verfallen. Es fehle an Investitionen und klaren Managemententscheidungen. Betriebsratschef Thorsten Schuster sagte gegenüber der Leipziger Volksstimme. „Wir wollen zeigen, dass es uns noch gibt.“  Hasseröder sei keine ostdeutsche Pleitebrauerei. „Wer uns kauft, kauft einen Rohdiamanten.“

Das hatte sich auch Daniel Deistler gedacht. Der nahezu unbekannte Finanzinvestor aus dem Taunus hatte sich zum Jahresbeginn sogar schon als neuer Eigentümer der beiden Brauereien in Issum und Wernigerode vorgestellt und dabei das Blaue vom Himmel versprochen. In einer Belegschaftsversammlung bei Hasseröder gab Deistler einen ersten Ausblick auf dass, was die Mitarbeiter in der Brauerei, im Vertrieb und Eventbereich erwartet: Übernahme aller Beschäftigten und deren Verträge, Investitionen in die Standorte Wernigerode und Issum. Bei Hasseröder sind etwa 260 Mitarbeiter, bei Diebels 200 Menschen beschäftigt. Schaffen wollte Deistler zwischen 50 und 70 neue Arbeitsplätze. Kräftig investiert werden sollte in erster Linie in neue, moderne Strukturen. Ins Detail ging Deistler nicht. „Es ist absolutes Stillschweigen vereinbart, so lange der Transfer mit AB InBev nicht abgeschlossen ist“, zitierte ihn die Lokalpresse. Dieser „sehr umfangreiche und komplexe Prozess“, den die Deutsche Bank in London führt, soll im ersten Halbjahr beendet sein. Fakt sei, so Deistler damals weiter, „Doppelstrukturen wird es nicht geben“. Zwischen dem Premium-Pils Hasseröder und der Altbiermarke Diebels sollten Synergien entstehen.

Es waren Seifenblasen, die ein halbes Jahr später platzten. AB InBev berichtete kurz nach Ablauf der Halbjahresfrist, dass für Hasseröder sowie die Biermarke Diebels aus Issum am Niederhein erneut Gespräche „mit ausgewählten Interessenten“ geführt würden. Deistler habe bislang nicht alle Bedingungen erfüllt, um die Transaktion wie vorgesehen zur Jahresmitte abzuschließen. „Im Rahmen unserer Fokussierung streben wir weiterhin den Verkauf von Hasseröder und Diebels sowie der dazugehörigen Brauereistandorte an,“ betonte Harm van Esterik, Deutschlandchef von AB InBev.

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