BSH erlebt China-Boom Chinesen stürzen sich auf Bosch-Hausgeräte

Die Bosch-Tochter BSH feiert ein Rekordjahr. Auch 2018 soll es weiter aufwärts gehen. Das große Thema ist die vernetzte Küche.

Über Apps können die Nutzer zum Beispiel den Ofen vorheizen und werden informiert, wenn die Waschmaschine fertig ist. Quelle: BSH

MünchenDas China-Geschäft treibt den Umsatz der Bosch-Tochter BSH. Allein am sogenannten Singles-Day, dem großen Online-Shopping-Tag in China am 11. November jedes Jahres, konnte der Konzern 2017 den Umsatz um 40 Prozent steigern.

Binnen 24 Stunden machte der Hausgeräte-Spezialist so laut Branchenschätzungen in China mehr Umsatz als zum Beispiel in Kanada im ganzen Jahr. Insgesamt konnte die BSH die Umsätze in China als um mehr als 14 Prozent steigern und macht dort mittlerweile mehr Umsatz als in Deutschland.

Nach Haier und Midea ist die Bosch-Tochter in China die Nummer drei auf dem Markt für Hausgeräte. Vor allem mit der Marke des Ex-Miteigentümers Siemens macht sie gute Geschäfte. „Wir gewinnen in China weiter Marktanteile“, sagte BSH-Finanzvorstand Johannes Närger. Gefragt sind neuerdings vor allem Geschirrspüler, die früher wenig verbreitet waren.

Da es mit Ausnahme von Amerika, wo die Umsätze stagnierten, auch anderswo gut lief, konnte Närger zufrieden bilanzieren: „Es war in jeder Hinsicht ein Rekordjahr.“ Die BSH-Umsätze stiegen auf Euro-Basis um 5,8 Prozent auf erstmals 13,8 Milliarden Euro. Damit ist die Bosch-Tochter dem mittelfristigen Ziel von mehr als 20 Milliarden Euro Umsatz im vergangenen Jahr einen Schritt näher gekommen.

Der weltweite Hausgerätemarkt wuchs laut Unternehmensangaben auf Euro-Basis um zwei Prozent und auch BSH hat erneut Marktanteile hinzugewonnen. In Europa liegen sie bei gut 25 Prozent. Gewinnzahlen nennt BSH seit der Komplettübernahme durch Bosch jedoch keine mehr.

Zur Vorlage der Bilanz präsentierte BSH eine neue Waschmaschine, bei der ein Hand-Scanner Stoff, Farbe und Flecken der Wäsche untersuchen kann. Noch ist der Vorgang etwas kompliziert, doch das Modell zeigt, wo für die Hausgerätehersteller die Zukunft liegt: im vernetzten Haushalt.

Lange war in der Branche die Rede vom Kühlschrank, der seine Milch selbst bestellt. Doch einen Bedarf gab es dafür nicht. Nun sieht es aber so aus, als ob die Vernetzung von Geräten nach einer langen Anlaufzeit wirtschaftliche Relevanz gewinnt. Und damit spielt das Thema eine Schlüsselrolle beim Plan von Konzernchef Karsten Ottenberg, den Umsatz bis 2025 auf 20 Milliarden Euro zu steigern.

Der Münchener Konzern hatte bereits vor gut vier Jahren die Plattform Home Connect entwickelt, an die Geräte angeschlossen werden können. Über Apps können die Nutzer zum Beispiel den Ofen vorheizen und werden informiert, wenn die Waschmaschine fertig ist.

Nach Einschätzung von BSH ist es die bislang einzige Lösung für Hausgeräte, mit der unterschiedliche Geräte unterschiedlicher Marken in mehr als 30 Ländern weltweit gesteuert werden können.


Eigene Einheit für digitale Geschäftsmodelle

So langsam zeigen auch die Kunden Interesse für die technischen Entwicklungen. Laut Daten von Statista interessieren sich 60 Prozent der Deutschen zwischen 18 und 39 Jahren für Heimvernetzung. Gut ein Drittel der Bevölkerung kann sich einer gfu-Studie zufolge vorstellen, die Waschmaschine per App zu bedienen.

Deshalb hat die Bosch-Tochter im vergangenen Jahr das Berliner Start-up Kitchen Stories gekauft. Die Rezepte-App hilft mit Bildern und Videos beim Kochen und soll nun in Home Connect eingebunden werden.

Eine Vision: Der Kühlschrank meldet, dass eine Aubergine bald verwertet werden sollte. Die App schlägt das passende Rezept vor. Der intelligente Kühlschrank könnte so über Umwege doch noch Wirklichkeit werden. „Die Art, wie Menschen leben, kochen und ihre Hausarbeit erledigen, verändert sich“, sagte Ottenberg.

Einen zweistelligen Millionenbetrag dürfte sich BSH nach Schätzung in Branchenkreisen den Zukauf kosten lassen haben. Es dürfte nicht die letzte Investition in diesem Bereich bleiben. Ottenberg hat eine eigene Geschäftseinheit geschaffen, die digitale Geschäftsmodelle entwickelt.

So will BSH einen digitalen Küchenassistenten namens „Mykie“ nach einer Testphase auf den Markt bringen. Frühestens 2019 könnte das Gerät, das Gesten und Sprache versteht, in die Läden kommen.

Mykie könnte man laut Ottenberg beispielsweise sagen, dass man gerne eine Quiche machen würde, aber ohne Speck, lieber mit Lamm. Der Helfer würde dann das angepasste Rezept zusammenstellen – künftig auch unter Berücksichtigung der Speisekammer-Bestände – und zum Beispiel den Ofen auf die richtige Temperatur einstellen.

Doch Digitalisierung ist in vielen Regionen der Welt nicht alles. Und so präsentierte BSH am Dienstag auch eine neu entwickelte „FreshBox“ für Schwellenländer. Die Kiste für frische Nahrungsmittel nutzt Verdunstungskälte und kommt ohne Strom aus. 50.000 Boxen will BSH zunächst in Afrika auf den Markt bringen. Ottenberg nannte es ein Projekt, das „mehr Sinn als Umsatz“ bringe.

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