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Buchhandel E-Book-Verlag bricht mit Konventionen

E-Books statt Taschenbücher – in München startet mit dem Start-up Dotbooks einer der ersten reinen Digitalverlage in Deutschland. Ein Lockmittel: Bei den Preisen orientiert sich der Neuling an der Musikindustrie.

dotbooks Screenshot Quelle: Pressebild

37 eigene Bücher zum Start sind schon mal ein Wort – gerade ist der kleine unabhängige Verlag Dotbooks in München an den Start gegangen. Der Name ist Programm: Dotbooks ist einer der ersten reinen Online-Verlage in Deutschland. Statt das E-Book, das elektronische Buch, das auf Lesegeräten wie dem Kindle gelesen werden kann, nur als eine von mehreren Stufen der Verwertungskette im Buchgeschäft zu begreifen, hat Beate Kuckertz ihren Verlag genau am anderen Ende angesiedelt. Bei ihr erscheinen neue Sachbücher und Krimis, Romane und Kindergeschichten erst einmal ausschließlich elektronisch.

Auf die Idee für Dotbooks kam Dotbooks-Gründerin und Chefin Kuckertz während eines Sabbaticals. Zuvor mehr als 20 Jahre lang in der Verlagsbranche aktiv, davon zwölf Jahre als Verlagsleiterin beim renommierten Verlag Droemer Knaur, reizte die 49-Jährige die Idee, innerhalb der altehrwürdigen Branche etwas neues auf die Beine zu stellen.

eBücher ohne Blättern
Kindle Fire Quelle: Presse
Amazon Kindle Quelle: Presse
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Sony Reader WiFi Quelle: Presse

Vom E-Book-Boom getroffen

„Für mich stand vor allem eins fest“, sagt Kuckertz, „ich wollte nicht mehr konzernabhängig arbeiten.“ Stattdessen schaute sie sich den Buchmarkt in den USA sehr genau an. „Das brachte mich fast zwangsläufig darauf, mit einem eigenen Verlag auf E-Books zu setzen." Tatsächlich habe in den Vereinigten Staaten vor allem der Taschenbuchmarktes massiv unter dem Erfolg des wachsenden E-Book-Marktes gelitten: „Die Taschenbuch-Umsätze sind in den USA in den vergangenen Jahren um fast 60 Prozent eingebrochen“, sagt Kuckertz; „für mich ist es nur eine Frage der Zeit, bis diese Entwicklung auch den deutschen Markt erreicht." Allerdings stelle das E-Book keine Bedrohung für das Buch an sich dar, sondern biete vielmehr eine Alternative zum Taschenbuch.

Angesiedelt im vierten Stock eines unscheinbaren Rückgebäudes unweit von Münchens trubeligem Goetheplatz zieht Kuckertz daraus die Konsequenz, es mit ihrem eigenen Verlag vor allem mit einem Konkurrenzangebot zu Taschenbüchern zu versuchen. Das beginnt bereits bei den Preisen für die im ersten Wurf 37 Titel, die Dotbooks im Programm hat. Die reichen von 99 Cents bis 9,99 Euro. „Wir haben uns an den erfolgreichen Vorbildern aus der Musikindustrie orientiert“, sagt Kuckertz. Sie ist überzeugt davon, dass sich der Lesermarkt auch in Deutschland aufspalten wird – in Angebote zum Nebenbei-Lesen auf der einen Seite, ein Segment, das gut von E-Büchern abgedeckt werden könne. Auf der anderen Seite stünde weiterhin das bibliophile, wertige Hardcover, das, so die Prognose, nicht vom E-Book-Boom betroffen ist. Der Leser, so die Überzeugung von Beate Kuckertz, wählt sich seine Lektüre und das Medium je nach Situation aus: in die U-Bahn passt nun einmal besser ein Lesegerät wie der Kindle, auf dem Sofa dagegen und anschließend im Bücherregal darf es gern ein Hardcover sein.

Ein guter Publikumsverlag

Kuckertz Quelle: Pressebild

Für Dotbooks bricht Kuckertz mit einigen der üblichen Geschäftspraktiken der Verlagsbranche. So zahlt Dotbooks etwa keine Vorschüsse an seine Autoren, die stattdessen mit einem höheren Prozentsatz als üblich am Verkaufserlös ihrer Titel beteiligt werden. Einige Agenten, die gegen eine Beteiligung im Auftrag von Autoren nach Verlagen fahnden, hätten abgewunken, als sie von den Dotbooks-Konditionen hörten. Doch Kuckertz bleibt hart: „Über diesen Grundsatz verhandeln wir nicht“.

Doch Sorgen um Literatur-Nachschub hat Kuckertz dennoch nicht: Jeden Monat sollen im Schnitt gut zwölf neue Titel hinzukommen. Insgesamt habe sie bereits gut 150 Verträge über neue Bücher abgeschlossen, die sowohl über die Homepage des Verlags als auch über alle gängigen Verkaufsplattformen wie Amazon, Libri oder dem iBook-Store verkauft werden. Damit sich der Verlag rentiert, der zum Start maßgeblich von einem nicht genannten privaten Investor finanziert wird, sollte sich jeder Titel möglichst fünfstellig verkaufen, sagt die Verlegerin.

Mehr als Self-publishing

Neben der höheren Erfolgsbeteiligung bietet Kuckertz ihren Autoren die Leistungen eines klassischen Publikumsverlages wie Arbeit am Programm und ein professionelles Lektorat. An Land gezogen hat sie sich dafür mit dem früheren Droemer Knaur-Lektor und Programmleiter Timothy Sonderhüsken einen weiteren erfahrenen Profi. Der 41-Jährige ist bei Dotbooks für das Programm verantwortlich, das von allgemeiner Belletristik bis Kinderbuch, von Krimi bis Erotik reicht. Hinzu kommt ein Sachbuchprogramm mit Ratgebern und auch Spaßbüchern: „Das Angebot wird dem eines guten Publikumverlages entsprechen“, sagt Kuckertz, die die Möglichkeiten des E-Books etwa auch dafür nutzen will, auch kurze Texte von 30, 40 Seiten zu veröffentlichen, bei entsprechenden Preisen. Möglich sind bei Dotbooks dagegen neben herkömmlichen Romanen auch Fortsetzungsgeschichten, von denen dann Häppchenweise neue Kapitel erscheinen sollen.

In Arbeit
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Nicht im Programm stehen dagegen Titel mit Multimedia-Elementen wie eingebauten Videos oder Sound-Schnipseln: „Dotbooks verlegt keine enhanced E-Books.“ Allzu modern mag es die erfahrene Verlagsfrau dann doch nicht. Die Manuskriptbearbeitung ist old school, einzig der Vertrieb digital und papierlos. Hier setzt sie sich ab von Self-publishing-Verlagen, die wie Ableger von Amazon oder deutschen Verlagshäusern eingereichte Manuskripte nicht von Profis bearbeiten lassen.

Ganz schwört die Bücherfrau dem bedruckten Papier indes nicht ab. Leser, die gern weiterhin Gedrucktes bevorzugen, haben die Möglichkeit, Titel auch per Print-on-Demand zu bestellen.

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