Buchverlag Suhrkamp: Auch Verlagstöchtern droht Insolvenz

Exklusiv

Nach der Insolvenz des Suhrkamp-Verlages sind auch die Verlagstöchter von Insolvenzverfahren bedroht.

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„Ich kann mir vorstellen, dass wir noch das ein oder andere zusätzliche Insolvenzverfahren einleiten müssen“, sagt Frank Kebekus, der als Suhrkamp-Generalbevollmächtigter die Sanierung steuert, der WirtschaftsWoche. Zur Verlagsgruppe gehören neben dem Flaggschiff Suhrkamp der Insel-Verlag, der Deutsche Klassiker Verlag, der Jüdische Verlag und der von der Suhrkamp-Gesellschafterin Ulla Unseld-Berkéwicz gegründete Verlag der Weltreligionen.

Zwischen den Unternehmen gebe es enge wirtschaftliche Verflechtungen. Daher würden entsprechende Insolvenzanträge „ebenso geprüft, wie die Frage, ob für die Gesellschaften Schutzschirmverfahren die richtigen Instrumente“ seien, so Kebekus. „Aber die Suhrkamp-Beiboote werden sicherlich nicht untergehen.“

Das sind die heiß erwarteten Wirtschaftsbücher
Welche Wirtschaftsbücher erweitern 2013 unseren Horizont? Es folgt ein erster Überblick ohne Anspruch auf Vollständigkeit. Denn die Titel kommen in zwei Schwüngen auf den Markt, von Mitte Februar bis Mitte April und im Herbst rund um Frankfurter Buchmesse im Oktober. Was in der zweiten Jahreshälfte passiert, ist nur bedingt absehbar, zudem gibt es Jahr für Jahr Überraschungen ... Quelle: dpa
... so gewann den Deutschen Wirtschafsbuchpreis 2012 ein bis dahin hierzulande weitgehend unbekannter Autor. Tomás Sedlácek überzeugte die Jury mit seinem Werk „Die Ökonomie von Gut und Böse“ (Hanser Verlag)  noch ein wenig mehr als die starke Konkurrenz. 2013 wird Tomás Sedlácek gleich zwei Bücher veröffentlichen … Quelle: Presse
Im Februar erscheint „Bescheidenheit für eine neue Ökonomie“ (Hanser Verlag). In der Tat ganz bescheiden beschränkt sich der Autor hier auf 128 Seiten. Man möchte es beinahe ein „Zwischenbuch“ nennen. Denn im Herbst erscheint dann „Fetisch der Ökonomie“. Im Interview mit dem „Spiegel“ beschreibt Sedlácek den Fetisch als etwas, das einen „einfachen Weg verspricht, unser Verlangen zu befriedigen“, bis das zu groß wird und die Menschen zum Sklaven des Fetisch würden. Das Wirtschaftswachstum sei einer der größten Fetische und Sedlácek geht der Frage nach, warum dieses Wachstum eigentlich sein muss. Quelle: Presse
Die wohl interessanteste Autobiografie erscheint am 12. April im Econ Verlag. Sheryl Sandberg, Jahrgang 1969, hat ihren bisherigen Lebensweg aufgeschrieben. Und da war ja auch schon einiges los:  Nach dem Studium in Harvard arbeitete sie bei der Weltbank und als Stabchefin von Finanzminister Larry Summers unter Bill Clinton. Danach machte sie das Anzeigengeschäft für Google rentabel. Auf einer Party lernte Sandberg 2007 Mark Zuckerberg kennen. Sie hat aus der coolen Klitsche Facebook ein profitables Unternehmen gemacht und ist auch Mitglied des Verwaltungsrates. In ihrer Autobiografie „Lean in“ betont sie, wie Frauen den Weg an die Spitze schaffen können. Quelle: REUTERS
Ein echtes Highlight der ersten Jahreshälfte ist das Buch „Makers“ von Chris Anderson (Hanser Verlag), das Ende Januar erscheint. Der Chefredakteur der renommierten Zeitschrift „Wired“ gilt als einer der Zukunftskenner schlechthin. Anderson geht davon aus, dass das Internet nicht nur die Welt der Kommunikation dramatisch verändert hat, sondern auch die Welt der Dinge. Wir stehen an der Schwelle zu einer neuen industriellen Revolution. Jeder kann selbst Produkte (Foto: Objekte aus einem 3D-Drucker) designen und fertigen – mit vergleichsweise geringem Aufwand zum Beispiel dank neuartiger 3D-Drucker. Quelle: dpa
Bücher über Innovationen sind ohnehin ein Trend im ersten Halbjahr. Gunter Dueck ist ein wahrer Querdenker, was der Titel seines schon im Januar erscheinenden Buches entspricht: „Das Neue und seine Feinde“ (Campus Verlag). Die Feinde von Innovationen seien ausgerechnet die, die mit Forschungsmilliarden um sich werfen: In Unternehmen herrsche Blockadehaltung, die Wissenschaft sei im „Elfenbeinturm“. Ein wertvoller Ratgeber, der sich und dem Leser das Leben nicht zu einfach macht. Quelle: dpa
Einen weiteren Zukunftstrend beschreiben die drei Autoren Hanno Charisius, Richard Friebe und Sascha Karberg. Sie kümmern sich um „Biohacking. Gentechnik aus der Garage“ (Hanser Verlag). Genforschung ist nämlich nicht mehr nur den Großkonzernen vorbehalten.  Sie gehen der Frage nach, wer hinter dem Hacking der Lebens-Codes steckt und wie die Politik auf sie reagieren sollte. Quelle: dpa

Mit dem bisherigen Verlauf des Insolvenzverfahrens unter einem gesetzlichen Schutzschirm zeigte sich Kebekus zufrieden: „Bisher lief das Verfahren sehr positiv an. Die Druckereien und der Buchhandel sind uns treu geblieben. Bei vielen Autoren hat sich fast schon eine gewisse Aufbruchsstimmung eingestellt.“ Aus dem Verlagsumfeld erfuhr die WirtschaftsWoche, dass derzeit ein Gläubigerausschuss installiert wird, der die Interessen der Beteiligten wahrnehmen soll. Dem Vernehmen nach werden dem Gremium neben einem Vertreter des Betriebsrats und eines Dienstleisters auch der bekannte Lyriker Durs Grünbein angehören. Zudem wird der Verlag Insolvenzausfallgeld in Höhe von rund 200.000 Euro pro Monat in Anspruch nehmen.

Kebekus äußerte im Gespräch mit der WirtschaftsWoche die Hoffnung, dass sich der Verlag vom Marktkampf der Anteilseigner unabhängig machen kann. Ziel sei „ein finanziell restrukturierter Verlag, der durch die Auseinandersetzung auf Gesellschafterebene nicht mehr paralysiert wird“. Kebekus muss den Gläubigern bis Ende August einen Insolvenzplan präsentieren. „Ich bin aber zuversichtlich, dass wir unser Sanierungskonzept schneller vorlegen können“, sagt Kebekus. Er hofft, dass sich die verfeindeten Parteien zusammenraufen. Für kommende Woche sind Gespräche mit den Anwälten des Minderheitsgesellschafters Hans Barlach geplant. Auch der Einstieg eines neuen Gesellschafters sei „absolut denkbar“. Namen, die in der Öffentlichkeit kolportiert werden, weist Kebekus als Spekulation zurück. „Jeder, der nicht bei drei auf dem Baum ist, wird jetzt als möglicher Investor genannt“, sagt Kebekus, „aber es gibt noch gar keine Gespräche.“

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