Bürgerentscheid Duisburgs Signal gegen Outlet-Center

Duisburg bekommt nach dem Bürgerentscheid kein Outlet-Center. Bei den meist erbittert geführten Diskussionen geht es auch um die Zukunft des Einzelhandels. Andernorts setzt man hingegen weiter auf Outlet-Center.

Das Gelände des ehemaligen Güterbahnhofs in Duisburg. Mit einem Bürgerentscheid haben die Duisburger ein hier geplantes riesiges Designer Outlet Center gestoppt Quelle: dpa

Blühende Landschaften statt Abbruch-Tristesse und 1500 versprochene neue Arbeitsplätze für die vom Strukturwandel besonders heftig gebeutelte Stadt Duisburg. In einem Werbefilm hatte der spanische Investor Neinver der klammen Ruhrgebietskommune und ihren Bürgern eine glanzvolle Zukunft mit einer bunten neuen Einkaufswelt versprochen. Nach Jahren des Leerstands sollte der Schauplatz der Loveparade-Katastrophe, bei der vor rund sieben Jahren 21 Menschen starben, zum Standort des mit 30.000 Quadratmetern Verkaufsfläche größten deutschen Designer-Outlets werden.

Doch mit dem nun verkündeten Stopp des Projekts ist nicht nur die Zukunft des riesigen Brachgeländes am Rande der Duisburger Innenstadt wieder völlig ungewiss. Geht es nach dem Willen der in einem Bürgerentscheid am vergangenen Wochenende erfolgreichen Initiative, sollen dort nun Wohnungen oder Büros entstehen - oder vielleicht auch ein großer Park. „Jetzt muss etwas passieren“, fordert Frank Oberpichler, Sprecher der Outlet-Gegner. Mit seiner Initiative war es ihm in einem erbittert geführten Wahlkampf gelungen, eine knappe Mehrheit der Duisburger auf seine Seite zu ziehen.

Mehrere zehntausend Quadratmeter Verkaufsfläche stehen nach Angaben des Einzelhandelsverbands Niederrhein bereits heute rund um das Duisburger Rathaus leer. Nun müsse es gelingen, mögliche Investoren aus ihrer „Lethargie“ aufzuwecken, fordert Einzelhandelsverbands-Sprecher Wilhelm Bommann.

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Doch während man in Duisburg nun dringend auf neue Investoren für die Innenstadt hofft, laufen die Outlet-Planungen bei der Konkurrenz erst recht auf Hochtouren, berichtet Joachim Will von der Handelsberatung Ecostra. Will hatte die Planungen für das Duisburger Projekt begutachtet. „Das hätte funktioniert“, ist er sich sicher. Nun sei davon auszugehen, dass die Entwicklung eines Designer-Outlets an anderen Standorten umso intensiver vorangetrieben werde, teilte auch der Outlet-Investor Neinver nach dem Stopp des Projekts umgehend mit.

Mit den derzeit bereits laufenden Planungen etwa für Outlets in den nahe gelegenen Kommunen Remscheid und Wuppertal habe in der Region ohnehin ein Überangebot an Outlets gedroht, meint Marco Atzberger, Experte für Handelsimmobilien beim Forschungsinstitut EHI. Auch in anderen Kommunen werde jedoch angesichts des anhaltenden Online-Booms heftig über die Zukunft der Innenstädte gerungen. „Das ist ein immerwährender Konflikt“, sagt Atzberger.

Doch während die Haltung gegenüber Outlets in der Vergangenheit vielfach negativ gewesen sei, habe sich die Einstellung mittlerweile gewandelt. „Wenn wir nichts machen, gehen unsere Strukturen ohnehin kaputt“, sei nun vielfach die Devise.

Innenstädte im Umbruch
Menschen gehen in Köln (Nordrhein-Westfalen) durch die Fußgängerzone (Hohe Straße). Quelle: dpa
Der Leopoldsplatz in Baden-Baden (Baden-Württemberg) Quelle: dpa
Das Kaufhaus des Westens (KadeWe) in Berlin. Quelle: dpa
Blick in ein neu gestaltetes Ladenlokal von Aldi Nord am 20.09.2016 in Gladbeck (Nordrhein-Westfalen). Quelle: dpa
Ein Schild weist am Mittwochabend in Düssseldorf auf die Öffnungszeiten eines Supermarktes hin. Quelle: dpa
Ein junger Mann hält eine gefüllte Einkaufstüte des Textildiscounters Primark. Quelle: dpa
 Ein Schild mit dem Schriftzug

Erlebniseinkauf mit „nahezu touristischem Charakter“, so lautet nach Ansicht von Joachim Stumpf von der Handelsberatung BBE das aktuelle Erfolgsrezept der Outlet-Center. Statt vorm Computer per Mausclick die Ware zu ordern, nutzen viele Kunden den Besuch im Outlet nach Ansicht von Experten als eine Art Ausflug mit Familie oder Freunden.

Dabei ist Deutschland mit einer Outlet-Dichte von 2,2 Quadratmetern-Verkaufsfläche pro 1000 Einwohner nach Angaben von Stumpf noch nahezu ein Entwicklungsland in Sachen Fabrikverkauf. Mit Werten von bis zu 9,6 Quadratmetern pro 1000 Einwohner sei das Outlet-Angebot nicht nur in der Schweiz, sondern auch in anderen Ländern wir Österreich, Großbritannien oder Italien bereits um ein Vielfaches größer.

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