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Bundesliga im TV Kneipenwirte wettern gegen Sky

Zum Bundesliga-Auftakt drohen in den Kneipen schwarze Bildschirme: Die Abogebühren für den Bezahlsender Sky steigen kurz für manche Wirte auf mehr als das Doppelte. Die Wirte suchen Alternativen – in Griechenland.

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Sky-Kameramann: Die Gebühren für Fernsehkneipen schnellen in die Höhe. Quelle: dpa

Düsseldorf Das Eröffnungs-Match gibt es gratis bei der ARD, danach gilt: Live-Bilder der Fußball-Bundesliga zeigt nur der Bezahlsender Sky. Das Sky-Abo wird für viele Gastwirte mit der neuen Saison allerdings deutlich teurer. Richtete sich der Preis früher nur nach der Größe der Kneipe, fließen jetzt auch Faktoren wie die lokale Kaufkraft und die „Sportaffinität der Bevölkerung“ in die Berechnung des Abo-Preises ein. Auf Facebook und in Lokalzeitungen klagen Gastronomen über Preissteigerungen im zweistelligen Prozentbereich.

Bernd Rodewald etwa hat sein Sky-Abo gekündigt: Der Kneipier aus Hannover soll ab August 463 Euro im Monat zahlen. Bislang schlug das Sky-Abo mit 223 Euro zu Buche. der Preis hat sich also mehr als verdoppelt und sei damit für Rodewald „nicht zu wuppen“, wie er sagt. Er berichtet von 40 anderen Betreibern, die allein in Hannover ihr Sky-Abo gekündigt haben. „Völlig link“, sei das Geschäftsgebahren des Münchener Pay-TV-Anbieters, so Rodewald. Die Nachricht zur Preiserhöhung sei im bunten Werbeumschlag gekommen. Warum sein Abo auf einmal doppelt so viel kosten sollte wie vorher, war ihm nicht klar. „Die machen das nach dem Motto: Friss oder stirb“, sagt Rodewald.

Die Vorgehensweise von Sky sei nicht „nicht akzeptabel“, findet man auch beim Gaststättenverband Dehoga. „Da spielt ein Monopolist seine Marktmacht aus“, urteilt Dehoga-Geschäftsführer Stephan Büttner. Sein Verband prüfe rechtliche Schritte gegen Sky: „Da wird in ein laufendes Vertragsverhältnis eingegriffen“, Preiserhöhungen von bis zu 150 Prozent seien nicht vertretbar.

Noch vor dem Bundesliga-Start will Gastro-Vertreter Büttner sich mit der Sky-Geschäftsführung zum Krisengipfel treffen. Er fordert vom Pay-TV-Anbieter vor allem Transparenz: Die Wirte müssten erkennen, wie der neue Preis berechnet würde. Denn der Abopreis wird mit Hilfe eines neuen Rechenmodells aus dem Hause Sky für jede Gaststätte einzeln berechnet: Richtete sich die Abo-Rechnung bislang nur nach der Fläche, fließen nun auch Faktoren wie Kaufkraft, Besiedlungsdichte und „Sportaffinität“ der Kneipen-Nachbarschaft ein. Der Gaststättenverband hat einen Musterrechner eingerichtet: „Lohnt sich Sky noch?


Bilder aus Griechenland, Ton aus dem Radio

Das neue Preismodell sei sehr komplex, so eine Sky-Sprecherin. Es sei aber auch „differenzierter und fairer als das alte“. Wer in einer sportbegeisterten Großstadt wie Hamburg Sky zeigt, soll in Zukunft mehr dafür bezahlen als die Sportsbar in einem Kaff im Hunsrück.

Exorbitante Preissteigerungen wie bei Gastronom Rodewald seien die Ausnahme, so die Sky-Sprecherin: In solchen Fällen sei bislang wohl noch ein alter Tarif gezahlt worden, die neuen Konditionen hätten als nur teilweise mit dem neuen Abrechnungsmodus zu tun.

Tatsächlich sei das Abo bei kleinen Gaststätten bis 35 Quadratmeter im Durchschnitt sogar fünf Prozent billiger geworden. Einen deutlichen Aufschlag gebe es vor allem bei großen Bars mit mehr als 200 Quadratmetern, die im Durchschnitt 19 Prozent mehr zahlen als letzte Saison. Gerade Gaststätten außerhalb der Stadt, so eine Sky-Sprecherin, zahlten mit dem neuen Modell weniger als zuvor: Das Ziel von Sky sei es, dort neue Abonnenten zu gewinnen. Kündigungs- oder Beschwerdewellen gebe es bei Sky nicht. Am neuen Tarifsystem werde nichts geändert.

Nach der Sky-Kündigung schaut sich Gastronom Rodewald daher nach Alternativen um: Pay-TV-Sender aus Dubai oder Griechenland zeigten die Bundesliga für einen Bruchteil des Sky-Preises, berichtet er. Für den Ton würde er dann die gute alte Radio-Übertragung zuschalten.

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