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Burger King, McDonald's & Co. Protest der Burger-Brater

Aus Protesten gegen die Fast-Food-Riesen ist eine globale Bewegung geworden. In mehr als 30 Ländern wird gegen Lohndumping bei McDonald's und Co. protestiert. Für die Burger-Riesen ein ungünstiger Zeitpunkt.

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„Faire Löhne für alle McDonald's-Mitarbeiter weltweit“: Auch in Nicaragua demonstrierten Mitarbeiter für bessere Arbeitsbedingungen in der Fast-Food-Branche. Quelle: Reuters

San Francisco Erst waren es nur ein paar versprengte Aktivisten vor einer McDonald's Filiale in New York, dann demonstrierten sie im ganzen Land. Nach 18 Monaten ist der Protest gegen Fast-Food-Ketten zu einer globalen Bewegung geworden. Die Webseite der Organisatoren FastFoodGlobal.org dokumentiert Bilder von Protestaktionenaus den USA, Japan, Indonesien, Großbritannien und Deutschland. Das Ziel der Demonstranten: mehr Lohn, bessere Arbeitsbedingungen.

Für Burger-Ketten und Fast-Food-Restaurants sind harte Zeiten angebrochen. Die Tage, in denen die Umsätze von McDonald’s, Burger King, Wendy’s oder Taco Bell unaufhaltsam von einem Rekord zum nächsten eilten, sind vorbei. Die Ketten suchen verzweifelt nach neuen Wachstumsmärkten, unter anderem am Frühstückstisch. Gleichzeitig kämpft die Branche gegen Mindestlöhne und soziale Abgaben. Lange hielten die Mitarbeiter still, doch nun drängen sie mit ihrem Begehren an die Oberfläche – zum Beispiel durch öffentliche Skandale wie vor kurzem in Deutschland.

Auslöser für die Wut der Verbraucher war hierzulande eine Reportage von Günther Wallraff. Der Enthüllungsjournalist hatte sich mit einem Team in eine Burger-King-Filiale eingeschlichen und dort nicht nur starke Hygienemängel, sondern auch unfaire Arbeitsbedingungen aufgedeckt. Der Protest war groß, der Geschäftsführer einer Burger-King-Tochter musste gehen.

Doch schlechte Arbeitsbedingungen, unbezahlte Überstunden und willkürliche Zuweisung von Arbeitsstunden sind nicht nur ein Problem in Deutschland – und nicht nur ein Problem von Burger King. Inzwischen steht längst die ganze Branche unter Beschuss – weltweit.

Die Wut der unterbezahlten Burger-Brater entlädt sich auf den Straßen. Allein in den USA, dem Heimatmarkt von Burger King, McDonald’s und Co., fanden am Donnerstag Demonstrationen gegen die Fast-Food-Riesen in rund 150 Städten statt. Mitarbeiter und Gewerkschaften fordern eine Anhebung der Stundenlöhne von derzeit rund neun Dollar auf 15 Dollar.

Weltweit kam es zu Protestaktionen in mehr als 80 Städte in rund 30 Ländern. Allein in Japan wurde in 30 Städten demonstriert. Aus dem wirtschaftlich angeschlagenen Großbritannien werden Demonstrationen in 20 Städten gemeldet. Auch in Deutschland protestierten am Donnerstag Mitarbeiter der Fast-Food-Ketten.

Die Internationalisierung des Streiks kommt ungelegen für eine Branche, die in den USA an der Sättigungsgrenze angekommen ist und international wachsen will.  Dabei ist die Konkurrenz im Weltmarkt so unerbittlich wie im Heimatmarkt. Nun fürchten die Unternehmen, dass die internationalen Proteste für Lohnerhöhungen auch dort Wirkung zeigen könnten, wo das Vordringen von Gewerkschaften in die Restaurants bisher noch mit allen Mitteln unterbunden wurde.

Die Wut ist auch ein Folge des hohen Lohngefälles in der Branche: Nach einer Studie der liberalen Organisation Demos.org verdient der durchschnittliche Vorstandschef einer der großen US-Ketten 1200 Mal so viel wie seine Angestellten.


Traum von Dänemark

Und die Burgerketten bemühen sich nicht, diesen Unterschied zu minimieren. Beispiel McDonald’s: Statt höherer Löhne bekamen die Mitarbeiter auf einer internen Webseite Tipps, wie sie mit wenig Geld über die Runden kommen könnten. Zu den Ratschlägen zählte zum Beispiel, dass die Mitarbeiter Überflüssiges auf eBay verkaufen sollten, um Geld in die Haushaltskasse zu bekommen; dass sie kleine Bissen langsam essen sollten, damit sich das Sättigungsgefühl schneller einstelle; und dass sie sich bei staatlichen Hilfsprogrammen wie Lebensmittelmarken einschreiben. Die Botschaft ging nach hinten los. Nach massiven Protesten nahm McDonald‘s die Seite mittlerweile vom Netz. Beruhigt hat sich die Lage jedoch nicht – im Gegenteil.

Massimo Frattini ist der internationale Koordinator der Gewerkschaft International Union of Food. Er sieht in der Ausweitung der Proteste eine große Chance. In Europa, Asien und Lateinamerika seien die Arbeiter begierig darauf, den Kampf in den USA zu unterstützen. Zum einen, um den Kollegen zu helfen, zum anderen, weil die Chancen gut stehen, dass es ihnen danach im Gegenzug auch besser gehen wird. Die Gewerkschaft hatte erst vergangene Woche in New York ein weltweites Meeting abgehalten, um die globalen Proteste zu koordinieren.

Vorbild der Arbeiter an den Grillstationen ist das gewerkschaftlich starke Dänemark, wo McDonald’s-Mitarbeiter mehr als 20 Euro pro Stunde beziehen und übliche Sozialleistung erhalten. In den USA lebt die Masse der Angestellten in der Branche ohne Krankenversicherung, mehr als die Hälfte bezieht mindestens eine staatliche Hilfe wie Lebensmittelmarken oder Mietzuschüsse.

Trotzdem: Beobachter und Wirtschaftswissenschaftler sind sich einig, dass ohne einen Einzug der Gewerkschaften die Chancen auf Lohnanhebungen gering sind. Die Hoffnungen ruhen jetzt auf US-Präsident Barack Obama. Er propagiert eine landesweite Anhebung des Mindestlohns auf 10,10 Dollar pro Stunde. Für Arbeiter und Angestellte von Unternehmen, die Staatsaufträge haben wollen, ist dieser Satz schon Realität.

Zu den Gegnern gehören der Branchenorganisation National Restaurant Association die republikanische Mehrheitsfraktion im US-Kongress. Die Branchenlobbyisten des NRA warnen offen vor negativen Auswirkungen auf die Arbeitsplatzsituation, sprich weniger Neueinstellungen, wenn sie gezwungen würden die Löhne anzuheben.

Mit Spannung wird jetzt erwartet, wie sich der Handelsriese Walmart verhalten wird. Der größte private Arbeitgeber in den USA hatte jüngst angedeutet, man „überlege“, ob man dem Vorschlag des US-Präsidenten folgen werde und vielleicht schon freiwillig die Mindestlöhne auf 10,10 Dollar pro Stunde  anheben werde. Wenn Walmart vorprescht, wird es eng für die Burger-Brater: Eine Abwanderung von Mitarbeitern zum Handelsriesen könnte die Folge sein.

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