Butter-, Fleisch- und Wurstpreise Wie Verbraucher auf den Preisanstieg bei Lebensmitteln reagieren

Ein Stück Butter liegt auf einer Scheibe Brot. Quelle: dpa

Nicht nur an der Tankstelle ist der Blick auf die Preise ein Schock. Auch Lebensmittel werden immer teurer. Eine neue Studie zeigt, wie Konsumenten jetzt ihre Einkaufsbudgets umschichten.

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Bei Aldi werden ab diesem Montag Fleisch, Wurst und Butter deutlich teurer. Auch der Handelskonzern Rewe mit seiner Discounttochter Penny hat für einzelne Warengruppen und Artikel höhere Preise angekündigt. Von Deutschlands größtem Lebensmittelhändler Edeka hieß es, aufgrund der aktuellen Situation auf den Weltmärkten ließen sich steigende Verkaufspreise in der gesamten Branche nicht immer vermeiden.

So geht es seit Wochen – die Preise in den Supermärkten kennen nur eine Richtung: aufwärts. Doch wie reagieren die Verbraucher auf die Entwicklung? Kaufen sie nun weniger ein, oder greifen sie gezielt nach billigeren Produkten? Wechseln sie von als teuer wahrgenommenen Supermärkten zu den Discountern? Eine neue Untersuchung der Nürnberger Marktforschungsinstituts GfK gibt jetzt erste Hinweise auf Entwicklungen in dem mit Abstand umsatzstärksten Einzelhandelssegment. 

Zwar beziehen sich die Daten auf den Monat Februar – also auf einen Zeitraum vor den jüngsten Preiserhöhungen und bevor das ganze Ausmaß des Kriegs in der Ukraine offensichtlich wurde – dennoch lassen sich auf Basis der Zahlen wichtige Trends zum Konsumentenverhalten ableiten.

So hatten sich laut GfK schon Ende Januar 77 Prozent der Menschen Sorgen über einen Preisanstieg von Nahrungsmitteln und Getränken gemacht. Hinsichtlich der Körperpflege und Kosmetik sorgten sich 55 Prozent und bei Wasch-, Putz- und Reinigungsmitteln waren es 54 Prozent. Von denen, die sich Sorgen machten, gaben je nach Warenbereich zwischen 42 und 50 Prozent an, dass Preiserhöhungen ihr Einkaufsverhalten beeinflussen werden.

Dies war jedoch vor Ausbruch des Krieges in der Ukraine. „Jetzt, einen Monat nach Kriegsbeginn, werden die Anteile sicher höher liegen“, vermuten die Konsumforscher. Zumal die sprunghaft gestiegenen Energiepreise, ohnehin „Konsumeinschränkungen zur Folge haben“ werden, schreiben die Experten der GfK. Schließlich seien „die Reallöhne damit deutlich gesunken“. Die ersten Konsumeinschränkungen sind nach den GfK-Daten bereits im Februar sichtbar: So würden die vom Lebensmittelhandel verkauften Mengen derzeit deutlich zurück gehen. 

Supermarkt ade, Markenprodukte passé

Dafür sind allerdings nicht nur die steigenden Preise verantwortlich, sondern auch Effekte wie der Wegfall der Corona-Beschränkungen, der dazu führt, dass nun wieder häufiger auswärts gegessen wird, dass Reisen gebucht und neue Kleider für die Rückkehr aus dem Homeoffice gekauft werden. „Dies muss bei abnehmenden Reallöhnen ‚querfinanziert‘ werden“, heißt es in der GfK-Untersuchung.

Verzicht ist dabei eine Variante – ein „trading down“ die andere. Demnach wichen die Menschen im Februar häufig auf günstigere Produkte aus, griffen von Markenartikeln beispielsweise zu billigeren Eigenmarken. Während der gesamten Zeit der Pandemie war es genau andersherum. Die Verbraucher konnten nicht reisen und nicht ausgehen. Das gesparte Geld haben sie unter anderem für teurere Lebensmittel ausgegeben. Und das nicht zu knapp. „Wir konnten in den Jahren 2020 und 2021 deutliche Marktanteilsgewinne der Herstellermarken beobachten“, schreiben die Konsumforscher. „Seit November 2021 scheint sich das Bild allerdings zu verändern, denn seither gewinnen die Handelsmarken Marktanteile zurück.“

Ein ähnliches Bild zeigt sich auch bei der Wahl der Einkaufsstätte für den Monat Februar 2022: Zum ersten Mal seit Monaten und Jahren liegen die Discounter beim Ausgabentrend vor den Supermärkten, geht aus der Analyse hervor. „Ist das nach der politischen nun auch die ‚Zeitenwende‘ beim Einkauf von Gütern des täglichen Bedarfs?“, fragen die Experten – und geben selbst einige Anhaltspunkte für eine Antwort. 

So hat der Ukraine-Krieg die Konsumstimmung einbrechen lassen. Der Indikator für die Konjunkturerwartung im GfK Konsumklimaindex stürzt im März 2022 um 33 Punkte ab; das ist der stärkste Einbruch seit Beginn der Pandemie vor zwei Jahren. Die Einkommenserwartung verliert 26 Punkte und fällt auf einen Stand wie in der Finanzkrise. „Die Verbraucher sind in ihrem Grundvertrauen tief erschüttert, dass es ihnen in Europa eigentlich nur gut oder besser gehen kann“, heißt es in der Analyse. „Jetzt halten sie sich zurück“. 

Gleichzeitig steigt die Inflation, vor allem die Energieausgaben belasten. „Dies schmälert das verfügbare Haushaltsbudget in bisher nicht gekannter Weise.“ Hinzu kämen die Kostensteigerungen bei der Produktion von Gütern des täglichen Bedarfs mit entsprechenden Preiserhöhungen im Handel. „Die steigenden Preise sind eine weitere Kaufschwelle, gerade bei den höherpreisigen Artikeln“. Dass Handelsmarken und wohl auch die Discounter von dieser Entwicklung profitieren werden, sei zu erwarten. Fragt sich nur, wie hoch Käuferwanderung und Umsatzverschiebung letzten ausfallen werden.

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