Ceconomy: Das Russland-Problem von Media Markt und Saturn
In der Coronapandemie litten die Elektronikhandelsketten Saturn und Media Markt unter der zeitweisen Schließung der Filialen. Nun könnten die hohe Inflation und die Folgen des Ukraine-Krieges das Geschäft belasten.
Foto: imago imagesSeit 2018 kennt der Aktienkurs von Ceconomy nur eine Richtung: abwärts. Der Börsenwert von Europas größtem Elektronikhändler mit den Töchtern Media Markt und Saturn hat sich seither nahezu geviertelt. Selbst in einer Übersicht der „größten Kapitalvernichter“, die die Aktionärsvereinigung DSW Ende März präsentierte, fand sich der Name Ceconomy unter jenen 50 Unternehmen, die in den vergangenen Jahren das Geld ihrer Anteilseigner verbrannt haben.
Auch Karsten Wildberger, der seit Sommer 2021 amtierende neue Unternehmenschef, hat den Kursverfall bisher nicht stoppen können. Zu stark belasteten Corona-Restriktionen, Cyber-Attacken und Lieferengpässe das Geschäft. Und nun auch noch der Krieg in der Ukraine.
Trotz der bislang bescheidenen Kursperformance kann der Top-Manager auf Unterstützung im Aufsichtsrat zählen. Mit Wildberger stehe ein CEO an der Spitze, der die Dinge „unwahrscheinlich konsequent und nachhaltig aufarbeitet und in Ordnung bringt“, lobt Christoph Vilanek, Ceconomy-Aufsichtsrat und Chef des Mobilfunkanbieters Freenet im Podcast „Chefgespräch“ mit WiWo-Chefredakteur Beat Balzli.
Bei Ceconomy sei bereits „viel passiert“, aber es sei auch ein langwieriger Prozess, der durch die Coronakrise noch erschwert werde. Von Anfang an sei klar gewesen, dass es sich bei Ceconomy um einen „Transformations-Case“ handeln würde, so Vilanek. Unter seiner Führung hatte Freenet 2018 rund 9,1 Prozent der Anteile an dem Elektronikhändler übernommen. Freenet zahlte dafür rund 277 Millionen Euro oder 8,50 Euro je Ceconomy-Aktie. Inzwischen notiert die Aktie bei rund 3,30 Euro.
Dennoch sieht Vilanek die Beteiligung nicht als Fehler. „Ein Fehler ist es erst dann, wenn man die Aktien verkauft“, sagt er. „Mit ein bisschen Geduld werden wir da einen guten Return schaffen.“ Dem Ceconomy-Team sei es beispielsweise bereits gelungen, den Streit mit der Gründerfamilie Kellerhals beizulegen. „Das ist schon mal ein Riesenschritt“, so Vilanek.
Tatsächlich hat die Auseinandersetzung zwischen den Gesellschaftern den Konzern fast zehn Jahre lang gelähmt. Mit einer außerordentlichen Hauptversammlung am kommenden Dienstag soll der Streit endgültig zu den Akten gelegt werden. Geplant ist, dass Convergenta, die Vermögensverwaltungsgesellschaft der Familie Kellerhals, ihre Beteiligung an der Media-Saturn-Holding in eine direkte Beteiligung an der Obergesellschaft Ceconomy tauscht.
Ceconomy hält 15 Prozent an M.video
Der Vollzug der Transaktion ist nach Einschätzung von Konzernchef Wildberger „nichts Geringeres als ein struktureller Befreiungsschlag für Ceconomy und MediaMarktSaturn“. Das geht aus seinem Redemanuskript für das Aktionärstreffen hervor. Laut Wildberger reduziert der Deal die Komplexität im Konzern. Doppelte Führungsstrukturen könnten beseitigt und Entscheidungen beschleunigt werden. Zudem ließen sich durch die vereinfachte Gesellschafterstruktur hohe steuerliche Verlustvorträge nutzen. Diese betragen nach Unternehmensangaben rund 1,1 Milliarden Euro Körperschafts- und 1,5 Milliarden Euro Gewerbesteuer.
„Die Formel ist einfach“, so Wildberger. „Weniger Gremien – schnellere Entscheidungen – höheres Tempo im Unternehmen – voller Fokus der Managementkapazitäten auf das operative Geschäft.“ Letzteres scheint auch dringend geboten.
Im ersten Quartal des Geschäftsjahres 2021/22 (Oktober bis Dezember) lagen Umsatz und Ergebnis deutlich unter dem Vorjahresniveau. Der Umsatz des Handelsriesen sank im Vergleich zum Vorjahr um 8,2 Prozent auf 6,9 Milliarden Euro. Unter dem Strich fiel der Gewinn mit 122 Millionen Euro um 20 Prozent niedriger aus als im Vorjahr. Wildberger sprach bei Veröffentlichung der Zahlen dennoch von einer robusten Entwicklung. Denn im Vorjahr habe das Unternehmen im Weihnachtsgeschäft noch von der Sonderkonjunktur nach dem Ende des langen Lockdowns profitiert.
Inzwischen bereiten dem Ceconomy-Management aber vor allem die Folgen des Krieges in der Ukraine Sorgen. Ceconomy ist zwar nicht mehr mit eigenen Media-Märkten in Russland präsent, sei aber „noch mit 15 % an M.video beteiligt, dem führenden Consumer Electronics-Händler in Russland“, wird Wildberger im Redemanuskript zur Hauptversammlung zitiert. „Der Zugang zu den Anteilen und die Ausübung unserer Rechte daraus ist erheblich eingeschränkt“. Man prüfe gerade „verschiedene Optionen, um eine Lösung für diese Finanzbeteiligung zu finden.“ Details zu möglichen Verkaufsplänen wollte ein Unternehmenssprecher auf Nachfrage nicht nennen.
Aufgrund der Schließung beziehungsweise des eingeschränkten Handels an der Moskauer Börse könne zum gegenwärtigen Zeitpunkt kein verlässlicher Börsenpreis für die M.video-Aktien ermittelt werden. In den Planungsrechnungen werde man die Finanzbeteiligung daher für die Geschäftsjahre 2021/22 bis 2023/24 lediglich als Sonderwert erfassen.
Ceconomy hatte sich 2018 für 258 Millionen Euro an M.video beteiligt. Parallel dazu waren damals auch die 57 russischen Märkte von Media Markt übertragen worden. Der russische Elektronikhandelsmarktführer M.Video gehört mehrheitlich zur Safmar-Gruppe des Oligarchen Michail Gutseriev. Seit Juni 2021 steht Gutseriev wegen seiner Unterstützung für den belarussischen Machthaber Alexander Lukaschenko auf der EU-Sanktionsliste.
Neben der Beteiligung an M.video führt der Krieg auch zu indirekten Belastungen für Ceconomy. „Die Energiepreise sind stark gestiegen, wir müssen – womöglich für eine längere Phase – mit einer Inflation rechnen, die wir so lange nicht mehr kannten“, so Wildberger. Zudem „sorgt die Krise in Osteuropa für Verunsicherung bei den Verbrauchern, sie trägt nicht gerade zu einem positiven Konsumklima bei. Wir spüren das auch hier bei uns“, wird Wildberger im Redemanuskript zitiert. Und auch die Corona-Pandemie sei noch nicht vorbei. „Wir haben uns jedenfalls darauf eingestellt, dass die Rahmenbedingungen auf Sicht ruppig bleiben werden“, so Wildberger.
Nach Rückenwind für eine großangelegte Kurserholung klingt das nicht. Es gebe noch „sehr, sehr viel zu tun“, räumt auch Ceconomy-Aufsichtsrat und Freenet-Chef Vilanek im WiWo-Podcast Chefgespräch ein. Er gibt sich aber trotzdem optimistisch. Ceconomy bleibe „der größte Retailer für Elektronikwaren auf dem Kontinent“, deshalb „bin ich der festen Überzeugung, dass das wieder in Ordnung kommt.“
Jetzt reinhören: Im Podcast „Chefgespräch“ erzählt Christoph Vilanek, warum er Dieter Bohlen bewundert, ein Anhänger der Präsenzkultur ist, das lineare Fernsehen noch immer eine große Rolle spielt und seine Herkunft ihn „genetisch“ zum Verkäufer macht.