Coca-Cola-Projekt Spark Europas neuer Getränkeriese

Coca-Cola verschmilzt drei Abfüller, auch die deutsche Tochter. Die spanische Unternehmerfamilie Daurella hat das Sagen. In Deutschland könnte sie wiederholen, was sie in Spanien und Portugal durchzog: harte Kürzungen.

Ein Coca-Cola-Truck. Quelle: AP

Das Projekt lief seit einem Jahr unter dem Namen „Spark“ oder Funke. Jetzt einigten sich die drei größten europäischen Abfüller von Coca-Cola. Es entsteht der neue Getränkeriese Coca-Cola European Partners mit Sitz in England. Es vereinigen sich Coca-Cola Enterprises, Coca-Cola Iberian Partners und der deutsche Anbieter Coca-Cola Erfrischungsgetränke mit einem Jahresumsatz von zusammen 12,6 Milliarden Dollar.
Die Abfüller arbeiten mehr oder weniger eigenständig von Coca-Cola. Einzige Ausnahme war Coca-Cola Erfrischungsgetränke, das dem Mutterkonzern gehörte. Die Amerikaner besitzen daher künftig 18 Prozent an dem neuen Getränkeriesen. Der Deal im Wert von 31 Milliarden Dollar ist der zweitgrößte in der Geschichte der europäischen Konsumbranche.

Coca-Cola beschränkt sich im Geschäft auf zwei Dinge: Das Konzentrat für seine Brauselimonaden produzieren und die Welt mit Werbeslogans wie „It`s the real thing“ von seinen Getränken zu überzeugen. Den Rest übernehmen vom US-Konzern unabhängige Abfüller, von denen es in Welt hunderte gibt. Das Geschäftsmodell funktionierte über Jahrzehnte bestens. Coca-Cola in Atlanta erzielte hohe Gewinnmargen, es musste kein Kapital in Maschinen oder Lastwagen binden. Die Abfüller besaßen ein Monopol in ihrem Heimatmarkt und erfreuten sich an stabilen und kontinuierlichen Gewinnen.
Aber die Zeiten ändern sich. Kohlesäurehaltige Getränke haben es in Amerika oder Europa nicht einfach, die Menschen achten mehr auf ihre Gesundheit und wollen weniger Zucker zu sich nehmen. Der Absatz stagniert oder geht zurück.
Also müssen Kosten durch Fusionen gespart werden. Coca-Cola European Partners will bis 2019 bis zu 375 Millionen Dollar im Jahr durch Synergien und Kostensenkungen einsparen. Experten halten die Vorgabe für niedrig. „Wir sehen große Möglichkeiten für Kostenkürzungen und Umsatzwachstum“, sagt Ali Dibadj von Sanford C. Bernstein.

Das sind die liebsten Getränke der Deutschen
Heiß- und Hausgetränke insgesamt: 327,6 Liter pro KopfHeißer Glühwein ist vor allem in der Weihnachtszeit beliebt. Der Großteil der Heißgetränke ist aber Kaffee, auch der Pro-Kopf-Verbrauch von Tee in Deutschland ist hoch. Quelle: dpa-dpaweb
Alkoholfreie Getränke insgesamt: 303,6 Liter pro KopfErfrischung mit einem Schluck Mineralwasser: Wasser ist das beliebteste alkoholfreie Getränk der Deutschen. Aber auch Erfrischungsgetränke wie Limonaden und Fruchtsäfte stehen hoch im Kurs. Quelle: dpa
Alkoholische Getränke insgesamt: 137,2 Liter pro KopfAnstoßen mit einem Glas Bier: Der Gerstensaft ist bei Deutschen das beliebteste alkoholische Getränk. Auch der Pro-Kopf-Verbrauch von Wein ist noch relativ hoch, Spirituosen und Schaumweine folgen auf den hinteren Plätzen. Quelle: dpa
Platz 10 – SchaumweinChampagner oder Sekt sind offenbar nur bei besonderen Anlässen beliebt. Die Deutschen trinken 4,0 Liter pro Kopf. Quelle: BrauBeviale 2014 Quelle: dpa
Platz 9 – SpirituosenSpirituosen werden natürlich auch nicht in rauen Mengen konsumiert. Dennoch waren es 2013 immer noch 5,5 Liter pro Kopf. Quelle: dpa
Platz 8 – WeinZum Essen gibt es in Deutschland auch gerne mal ein Glas Wein: 21,2 Liter pro Kopf tranken die Deutschen im Jahr 2013. Quelle: dpa
Platz 7 – FruchsäfteDer Vitamin-Kick für zwischendurch: Fruchtsäfte wie Apfel- oder Orangensaft trinken Deutsche gern – und konsumierten im vergangenen Jahr 33,0 Liter pro Kopf. Quelle: obs

Schon seit einiger Zeit versucht Coca-Cola seine Abfüller zusammen zu bringen. So entstand Coca-Cola Iberian Partners erst vor zwei Jahren durch die Fusion von sieben spanischen und einem portugiesischen Abfüller. Unter Führung der Daurella-Familie wurden Kosten stark gekürzt und der Vertrieb entscheidend verbessert.

Die Ergebnisse waren so gut, das es laut Akeel Sachak, Chef für die Konsumbranche bei Rothschild, ein „Rollenvorbild“ für die Europafusion war, „sowohl als Beleg für den Nutzen einer Fusion in Westeuropa als auch ein Beispiel für Erfolgsmethoden im Geschäft“. Sachak muss es wissen: Seine Bank beriet die Spanier beim Merger wie auch zuvor bei dem Zusammenschluss auf der iberischen Halbinsel.

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