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Corona-Pandemie Gastgewerbe fordert Staatshilfen: „Zigtausende Betriebe überleben den Juni nicht“

Die Umsätze im Gastgewerbe sind im März wegen der Betriebsschließungen um fast 50 Prozent eingebrochen. Das gab es zuletzt vor 26 Jahren.

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Auch wenn Restaurants und Cafés unter strengen Auflagen seit einigen Tagen wieder Gäste bewirten und Hotels nach und nach wieder Touristen beherbergen dürften, sei die wirtschaftliche Situation der Betriebe weiter katastrophal. Quelle: dpa

Die Betriebsschließungen wegen der Corona-Pandemie sorgen bei Restaurants und Hotels in Deutschland für einen drastischen Umsatzrückgang. Die Erlöse des Gastgewerbes fielen im März binnen Jahresfrist um rund 45 Prozent und damit so stark wie seit mindestens 26 Jahren nicht mehr, wie das Statistische Bundesamt am Mittwoch mitteilte.

Der Branchenverband Dehoga rief erneut nach staatlichen Hilfen. „Der Rettungsfonds muss jetzt kommen. Sonst werden Zigtausende Betriebe den Juni nicht überleben“, warnte Dehoga-Präsident Guido Zöllick. Wegen der coronabedingten Einschränkungen rechne er für den Monat April mit noch dramatischeren Umsatzeinbußen von über 90 Prozent.

Ab dem 18. März waren Übernachtungen touristischer Gäste in Hotels und anderen Beherbergungsbetrieben verboten und ab dem 22. März alle Gaststätten mit Ausnahme von Abhol- und Lieferservices ganz geschlossen. „Alle Branchen des Gastgewerbes wiesen infolge dieser Maßnahmen die größten Umsatzeinbußen seit dem Beginn der Zeitreihen im Jahr 1994 auf“, erklärten die Statistiker zu den März-Daten.

„Das Gastgewerbe kämpft ums Überleben“, betonte Zöllick. Auch wenn Restaurants und Cafes unter strengen Auflagen seit einigen Tagen wieder Gäste bewirten und Hotels nach und nach wieder Touristen beherbergen dürften, sei die wirtschaftliche Situation der Betriebe weiter katastrophal: „Aufgrund der Abstandsgebote liegen die Umsätze 50 bis 70 Prozent unter den Vorjahreswerten“, erklärte der Dehoga-Präsident und warnte vor einer Pleitewelle. „Hunderttausende Arbeitsplätze sind in Gefahr.“

Die Politik müsse jetzt handeln. „Der Rettungsfonds mit direkten Finanzhilfen ist überfällig und muss jetzt kommen“, sagte der oberste Lobbyist der Branche. Für kleine wie für große Betriebe. „Es geht um die Zukunft der öffentlichen Wohnzimmer des Landes und den Erhalt der touristischen Infrastruktur.“

Die Unternehmen könnten im Gegensatz zu anderen Branchen bei Wiedereröffnungen keinen Umsatz nachholen. „Das Essen oder das Hotelzimmer, das heute nicht verkauft wird, kann nicht später verkauft werden“, sagte Zöllick. Die Branche hat laut Dehoga 223.000 Unternehmen und 2,4 Millionen Erwerbstätige samt Inhabern und mitarbeitenden Familienmitgliedern.

Die große Koalition hat bereits beschlossen, den Mehrwertsteuersatz für Restaurantspeisen vom 1. Juli 2020 bis zum 30. Juni 2021 von 19 auf sieben Prozent zu senken, um der Branche zu helfen. Der Dehoga fordert zusammen mit der gesamten Tourismuswirtschaft einen Krisengipfel mit Bundeskanzlerin Angela Merkel.

Die Zahl der Übernachtungen war im März um 53 Prozent gefallen und damit so kräftig wie noch nie seit Beginn der Datenerhebung 1992. Dies bedeutet ein jähes Ende für den lange boomenden Tourismus in Deutschland: 2019 gab es das zehnte Jahr in Folge noch einen Übernachtungsrekord.

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