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Coronakrise Möbelindustrie rechnet mit zehn Prozent weniger Umsatz 2020

Wie andere Branchen bekommen auch Möbelhersteller die Flaute durch die Coronakrise zu spüren – allerdings weniger drastisch als zunächst befürchtet.

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Nach Ende des Lockdowns ist die Nachfrage der Kunden erfreulich hoch gewesen. Quelle: Imago

Aufgrund der Corona-Pandemie erwarten die deutschen Möbel- und Küchenhersteller in diesem Jahr rund ein Zehntel weniger Umsatz als 2019. „In normalen Zeiten wäre das eine Vollkatastrophe“, sagte der Geschäftsführer des Verbands der Deutschen Möbelindustrie (VDM), Jan Kurth, am Montag in Bad Honnef. Im Vergleich zu früheren Prognosen sei man jedoch bislang „mit einem blauen Auge“ davongekommen.

Im vergangenen Jahr hatte die Branche knapp 18 Milliarden Euro erwirtschaftet. „Die Umsatzeinbußen sind bislang beherrschbarer und geringer als zu Beginn der Krise befürchtet“, so Kurth. Noch im April hätten viele Hersteller damit gerechnet, dass um die 20 Prozent ihrer normalen Umsätze in diesem Jahr ausfallen könnten.

Im Moment sehe es so aus, als könne eine große Welle an Entlassungen und Insolvenzen vermieden werden, sagte Kurth. Im April hätten rund 80 Prozent der Hersteller in Deutschland Kurzarbeit angemeldet, im Mai und Juni sei das wieder abgeflacht. Aber: „Das ist eine Momentaufnahme.“ Je nach Verlauf der Pandemie könne es keine Garantie geben, dass diese Aussagen noch zum Jahresende Gültigkeit hätten.

Nach Ende des Lockdowns sei die Nachfrage der Kunden erfreulich hoch gewesen. Nordrhein-Westfalen hatte als erstes Bundesland relativ früh die Möbelhäuser wieder öffnen lassen – nach Angaben des Verbandes eine Blaupause für andere Länder. „Die schnelle Öffnung im wichtigsten Bundesland hat uns wieder etwas Wind unter den Flügeln gegeben“, sagte Kurth. Man habe dort zeigen können, dass Einkaufen in großen Häusern auch in Zeiten der Pandemie möglich sei.

Für viele Menschen haben die Themen Wohnen und Einrichtung an Bedeutung gewonnen – so das Ergebnis einer VDM-Umfrage unter 1000 Verbrauchern. „Die Menschen haben viel mehr Zeit zuhause verbracht und viel mehr zuhause gekocht“, sagte Küchen-Experte Volker Irle. So sei bei vielen der Wunsch entstanden, ihre Einrichtung zu optimieren – oder Corona sei der Auslöser gewesen, ohnehin geplante Änderungen nun endlich anzugehen.

„Das Positive ist auch, dass andere Sachen eingeschränkt sind“, so Irle. Wenn etwa die Urlaubsreise ausfalle oder kleiner geplant werde, hätten etliche Menschen mehr Geld übrig, um sich zuhause Wünsche zu erfüllen. Auch die Senkung der Mehrwertsteuer im zweiten Halbjahr könne einen positiven Effekt haben.

Obwohl die Region Ostwestfalen, zu der auch der Kreis Gütersloh gehört, für die Möbelbranche ein wichtiger Standort ist, sieht VDM-Geschäftsführer Kurth den dortigen, erneuten Lockdown nach dem Corona-Massenausbruch in der Fleischbranche recht gelassen. Die Betriebe seien zwar beunruhigt, hätten sich aber mit Hygienekonzepten und teilweise auch mit Corona-Tests auf die Situation eingestellt. Die Produktion habe nicht gestoppt werden müssen.

Mehr: Küchenikonen-Chef Eckert sieht auch Chancen in der Krise.

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