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Coronakrise „Wieso sollte es nicht auch für Corona eine Impfpflicht geben?“

Der Chef des Textildiscounters Kik, Patrick Zahn Quelle: dpa

Trotz rekordhoher Coronazahlen warnt Kik-Chef Patrick Zahn vor 2G- und 3G-Regeln im Einzelhandel. Zutrittsbeschränkungen wie in der Gastronomie seien kontraproduktiv – und könnten Übergriffe auf Mitarbeiter provozieren.

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Die Debatte um die Einführung einer Coronaimpfpflicht erreicht den deutschen Einzelhandel. „Für mich steht fest: Wir werden diese Pandemie nur besiegen und zur Normalität zurückkehren können, wenn sich genügend Menschen impfen lassen“, sagte Patrick Zahn, Chef des Textildiscounters Kik, der WirtschaftsWoche. Bei Masern gebe es bereits eine Impfpflicht für Kinder, die eine Kita oder öffentliche Schule besuchen und auch für das Lehrpersonal sowie für Mitarbeiter in medizinischen Einrichtungen. „Wieso sollte es also nicht auch für Corona eine Impfpflicht geben? Die Impfstoffe sind sicher, es gibt kein Argument mehr gegen die Impfung“, sagte Zahn unserer Redaktion.

Das Unternehmen hatte angesichts der pandemiebedingten Ladenschließungen deutliche Geschäftseinbußen verzeichnet. Im Geschäftsjahr 2020 war der Umsatz der Handelskette um mehr als zehn Prozent auf 1,9 Milliarden Euro gesunken. Trotz rekordhoher Coronazahlen spricht sich Zahn gegen Beschränkungen im Einzelhandel aus. „Jetzt im beginnenden Weihnachtsgeschäft würden dadurch auch die Frequenzen in den Läden sinken“, sagt der Manager. „Für viele Händler entscheiden jedoch die Umsätze der nächsten Wochen über ihre Existenz.“ Insbesondere der Einzelhandel im Non-Food-Bereich habe in den letzten Monaten bereits harte Einschränkungen in Kauf nehmen müssen.

Übergriffe auf Kik-Mitarbeiter befürchtet

Unabhängig davon seien Zutrittsbeschränkungen wie in der Gastronomie kaum praktikabel. „Einschränkungen wie 3G- oder 2G-Regelungen sind bei den täglichen millionenfachen Kundenkontakten im Einzelhandel kaum zu bewerkstelligen“, sagt Zahn. Durch die Kontrollen dieser Maßnahmen würden lange Warteschlangen vor den Geschäften entstehen. „Das kann in der aktuellen Situation nicht gewollt sein und muss vermieden werden“, meint Zahn. „Darüber hinaus gab es in den vergangenen Lockdowns leider immer wieder Übergriffe auf unsere Mitarbeiter, die das Einhalten der Coronaregeln kontrollieren.“

Aus Sicht des Kik-Chefs ist die Situation heute „eine völlig andere als noch vor einem Jahr, wo das öffentliche Leben zum Schutz der Bevölkerung heruntergefahren“ worden sei. „Wir haben dank der Impfstoffe einen zuverlässigen Weg aus der Pandemie gefunden.“ Er erhoffe sich, dass nun „schnell eine ganzheitliche Lösung in der Coronapolitik gefunden wird, die nicht aus Bequemlichkeit wieder einseitig den Handel und seine hunderttausenden Mitarbeiter in Deutschland belastet.“

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    Zuletzt hatte bereits der Handelsverband Deutschland vor neuen Einschränkungen für die Branche bis hin zu Schließungen von Geschäften gewarnt. „Das kann sich keiner mehr erlauben“, sagte HDE-Hauptgeschäftsführer Stefan Genth. „Die Auswirkungen wären gravierend.“ Sicheres Einkaufen in der Pandemie sei möglich. Die Läden seien keine Coronahotspots. Der Handel werde seine erprobten Hygienekonzepte anwenden, die Maskenpflicht beibehalten und versuchen, mehr Menschen von einer Coronaimpfung zu überzeugen.

    Mehr zum Thema: Während vielen Branchen in der Coronakrise das Geschäft wegbrach, verbuchten Supermärkte Rekordeinnahmen. Doch nun lässt das Wachstumstempo nach, zeigt eine neue Studie des Marktforschers GfK.

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