Daniel Kretinsky: Eine Sphinx geht auf Einkaufstour
Der tschechische Milliardär und Fußballfan Daniel Kretinsky ist an Metro beteiligt, will Steag übernehmen, interessiert sich für den Stahl von Thyssenkrupp und für eine Tochter des IT-Dienstleisters Atos.
Foto: imago imagesDas Reich des Daniel Kretinsky wächst und wächst. Sein neuester Coup: Der tschechische Milliardär verhandelt mit dem IT-Diestleisters Atos exklusiv über den Kauf einer defizitären Sparte der kriselnden französischen Firma. Atos soll für den Tech Foundations genannten Geschäftsbereich 100 Millionen Euro in bar erhalten. Außerdem will Kretinsky Verbindlichkeiten in Höhe von 1,9 Milliarden Euro übernehmen. Kommt die Übernahme zustande, wären davon auch Geschäfte der früheren Siemens IT Solutions und Services betroffen, die einst an Atos verkauft wurde.
Es ist nicht der einzige Deal, bei dem Kretinsky derzeit mitmischt – und nicht die einzige Branche, in der er aktiv ist. Unlängst hatte er sich mit einer Kapitalspritze von mehr als einer Milliarde Euro die Kontrolle über den strauchelnden französischen Einzelhändler Casino gesichert.
Kretinsky unterhält quer durch Europa ein weit verzweigtes Firmenimperium und ist in Deutschland vor allem als Betreiber von Kohlekraftwerken und -gruben in Erscheinung getreten. Einst hatte seine Gruppe in der Lausitz das Braunkohle-Geschäft von Vattenfall übernommen. Inzwischen gilt sein Unternehmen EPH neben dem spanischen Infrastruktur-Investor Asterion Industrial Partners auch als aussichtsreichster Kandidat für den Kauf des Energiekonzerns Steag. „EPH hat meines Wissens nach ein schlüssiges Konzept vorgelegt. Das haben andere aber auch“, sagte vor einiger Zeit Michael Vassiliadis, Chef der Gewerkschaft IG BCE. In den nächsten Wochen soll die Entscheidung fallen.
Jäger und Sammler
Etwas länger dürfte es beim Poker um die Stahlsparte von Thyssenkrupp dauern. Der Industriekonzern lotet verschiedene Optionen für den Bereich aus, darunter auch einen Verkauf – und wiederum gilt Kretinskys Holding EPH als Interessentin.
Dass es der Investor durchaus versteht, sich langfristig durchzusetzen, hat er bei der Düsseldorfer Großhandelsgruppe Metro unter Beweis gestellt, wo er seit 2015 der größte Aktionär ist. Daneben ist er am Fernsehkonzern ProSieben.Sat1 beteiligt und an der Wiesbadener Aareal Bank. International ist Kretinsky unter anderem bei der französischen Elektronikhandelskette Fnac Darty und dem britischen Supermarkt Sainsbury's engagiert, er hält Anteile an den Fußballklubs Sparta Prag und West Ham United und spielt mit seiner Sparte seines Imperiums auch im französischen Mediensektor eine zentrale Rolle.
Trotz der geschäftlichen Interessen im Mediengeschäft tritt Kretinsky selbst selten in der Öffentlichkeit auf, Interviews gibt er kaum. Die britische „Times“ nannte ihn daher „die tschechische Sphinx“ - eine Sphinx auf großer Einkaufstour.
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