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Daniel Kretinsky Wer ist der tschechische Milliardär, der nach Metro greift?

Der tschechische Unternehmer Daniel Kretinsky will Metro schlucken. Quelle: imago images

Der Tscheche Daniel Kretinsky strebt über sein Unternehmen EP Global Commerce die Kontrolle des deutschen Handelskonzerns Metro an. Woher er kommt und was ihn auszeichnet.

Ein tschechischer Kohlebaron will den Handelsriesen Metro schlucken: Der Milliardär Daniel Kretinsky hat eine Übernahmeofferte unterbreitet. Nach Angaben seiner Holding-Gesellschaft EP Global Commerce bewertet die Offerte das Düsseldorfer Unternehmen mit insgesamt rund 5,8 Milliarden Euro. „Wir sind fest davon überzeugt, dass Metro alle Voraussetzungen erfüllt, um ein langfristig erfolgreiches Unternehmen zu sein“, betonte der Investor. Er wolle Metro „eine erfolgreiche zukünftige Wachstumsstrategie ermöglichen“.

Es dürften in Deutschland vor allem die Fußballfans von Energie Cottbus (FCE) sein, die etwas mit dem Namen Daniel Kretinsky anfangen können. Der Fußballclub Sparta Prag hatte Anfang 2018 mit dem FCE eine Kooperation begonnen. FCE-Präsident Michael Wahlich erhoffte sich dadurch größere Impulse, zumal der Eigner von Sparta Prag vermögend sei: „Möglicherweise kann diese zukunftsträchtige Partnerschaft noch zu weitaus mehr dienlich sein, denn der Eigentümer des Klubs ist ja bekanntlich nicht ganz arm. Insoweit kann man hoffen, dass sich da noch was anbahnt“, zitierte die „Lausitzer Rundschau“ Wahlich im vergangenen Jahr.

Woher kommt Kretinsky?

Der Sohn eines Informatik-Professors und einer Verfassungsrichterin studierte Politologie und machte einen juristischen Abschluss. 1999 stieg er bei der Investmentfirma J&T ein, bevor er 2009 Vorsitzender der von J&T gegründeten Energeticky Plumsmyslovy Holding (EPH) wurde, die ihm mittlerweile zu 94 Prozent gehört.

Womit verdient Kretinsky sein Geld?

Das amerikanische Magazin „Forbes“ stuft Kretinsky auf Platz 924 der Weltrangliste der reichsten Menschen der Welt ein und schätzt sein Vermögen auf 2,6 Milliarden Dollar. Er ist Mehrheitseigner der Energeticky Plumsmyslovy Holding (EPH) in Prag und deren Vorstandsvorsitzender.

Die Holding vereint mehr als fünfzig Unternehmen mit 25.000 Mitarbeitern aus dem Energiesektor unter einem Dach. Dazu zählen in Deutschland unter anderem das Kohlekraftwerk Mehrum bei Hannover, Saale Energie mit seinem Kraftwerk in Schkopau oder Helmstedter Revier mit dem Kraftwerk in Buschhaus und den Tagebau in Schöningen. Aber auch in alternativen Energien ist die EPH engagiert und hält Anteile an Mibrag Neue Energie. Im September 2016 war der Verkauf von Braunkohle-Tagebauwerken von Vattenfall an EPH vollzogen. EPH ist zudem in der Tschechischen Republik, der Slowakei, Italien, Großbritannien, Ungarn und Polen aktiv.

Kretinsky besitzt Anteile an dem Medienunternehmen Czech News Center, das unter anderem das meistgelesene Boulevardblatt Tschechiens herausgibt. Unter all seinen geschäftlichen Aktivitäten befinden sich auch Beteiligungen an einem tschechischen Onlinekaufhaus.

Was zeichnet Kretinsky aus?

Der medienscheue Unternehmer aus Brünn begann seine berufliche Laufbahn als Jurist. Trotz eines Anfangsgehalts von 800 Euro im Monat besaß er dank eines gewonnen Falls schon bald seine erste Million – so erzählte er es laut der „Prager Zeitung“ Studenten der Wirtschaftsuniversität VSE. Bei seinem Arbeitgeber J&T beschäftigte er sich früh mit größeren Transaktionen, sodass er 2003 zum Partner gemacht wurde. Er gilt als Stratege – so ist wohl auch sein Engagement beim Fußballverein Sparta Prag zu verstehen. Denn eigentlich interessierte er sich gar nicht für Sport, erkannte aber laut eines Geschäftspartners, dass das eine gute Marketing-Investition sei. So übernahm er den Verein von der Passauer Verlegerfamilie Diekmann, die auch in Tschechien Zeitungen verlegte.

Fleiß und Flexibilität im Auftreten attestieren ihm Geschäftspartner. So könne er sich zum Beispiel binnen kurzer Zeit sowohl im Fußballumfeld anpassen wie auch Menschen, die lieber über Kunst sprechen. Mut und Zuversicht können als gesetzt gelten für einen Unternehmer, der bereit ist, hohe finanzielle Risiken einzugehen, wie bei der Übernahme der Aktiva von Vattenfall in Deutschland, ein Milliardengeschäft. Bei all seinen Geschäften gilt Kretinsky als jemand, der wie ein Schachspieler mehrere Züge im voraus denkt und seine Mitarbeiter bereits frühzeitig an Stellen platziert, wo sie wenig später aktiv werden können.

Wie stehen Kretinskys Chancen bei Metro?

Der Metro-Vorstand zeigt dem tschechischen Milliardär Daniel Kretinsky bislang die kalte Schulter. Die Übernahmeofferte falle viel zu niedrig aus, kritisierte das Gremium um Metro-Chef Olaf Koch am Sonntag in einer ersten Reaktion. Es rät den Aktionären daher, bis auf Weiteres still zu halten und Kretinsky keine Aktien zu verkaufen. Der tschechische Geschäftsmann war im vergangenen Jahr mit seinem Partner Patrik Tkac bei Metro eingestiegen und hatte damit Übernahme-Spekulationen ausgelöst. EP Global Commerce hat bereits Zugriff auf einen großen Anteil der Aktien.

Mit Material von Reuters

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