Decathlon startet Offensive Markt hart umkämpft

Vor allem kleine Einzelkämpfer unter den Sportartikelläden haben es schwer, wenn ihnen ein Branchenschwergewicht wie Decathlon Konkurrenz macht. Und das könnte künftig an deutlich mehr Orten so sein.

Die zehn wertvollsten Sportmarken der Welt
Platz 10: UFCMarkenwert 2014: 440 Millionen US-Dollar Das Wirtschaftsmagazin Forbes hat die jährlich erscheinenden „The Forbes Fab 40“-Ranglisten veröffentlicht. In vier Kategorien – Unternehmen, Events, Teams und Athleten – werden jeweils die zehn aktuell wertvollsten Marken aufgelistet. In diesem Jahr neu dabei: Die Ultimate Fighting Championship, die in der Kategorie „Unternehmen“ auf dem zehnten Platz ist. UFC ist der weltweit größte Veranstalter von verschiedenen Kampfsportarten und der derzeitige Marktführer. Im Jahr 2001 kauften Lorenzo und Frank Fertitta die am Boden liegende UFC für knapp zwei Millionen US-Dollar und bauten die Organisation zusammen mit Dana White zu einem Milliarden-Unternehmen auf. Laut White schreibt die UFC erst seit 2007 wieder schwarze Zahlen. Quelle: Forbes.com Quelle: AP
Platz 9: MLBAMMarktwert 2014: 520 Millionen US-Dollar (2013: 480 Millionen US-Dollar)MLBAM, der Mediendienst der US-amerikanischen Baseball-Liga, ist auf den neunten Platz in der Kategorie „Unternehmen“ gelandet. Ein schnelles Wachstum, ein bestes Kundenportfolio und satte Gewinne haben MLBAM zu einer großen und wertvollen Marke im amerikanischen Sport gemacht. Quelle: AP
Platz 8: NESNMarktwert 2014: 525 Millionen US-Dollar (2013: 510 Millionen US-Dollar)Nachdem die Boston Red Sox unter dem neuen Manager John Farrell die World Series erreichte, erhöhte sich schlagartig die monatliche Abo-Gebühr des regionalen Sportkanals des Teams von 3,91 US-Dollar auf 4,22 US-Dollar. Der Wert von NESN wird auf stolze 525 Millionen US-Dollar geschätzt. Quelle: AP
Platz 7: YESMarktwert 680 Millionen US-Dollar (2013: 625 Millionen US-Dollar)Der New Yorker Regional-Sportsender Yes gilt als gut etablierter Sender, nachdem Goldman Sachs und Providience dem Sportsender bei seiner Entstehung im Jahr 2011 finanziell geholfen haben. Die New York Yankees spielen in Amerikas größtem Medienmarkt, wobei die Spiele der Yankees in der Regel höher bewertet werden als die Spiele anderer lokaler Teams in den USA. Das wirkt sich auch positiv auf den Sender aus. Quelle: AP
Platz 6: ReebokMarktwert 2014: 880 Millionen US-Dollar (2013: 1,1 Milliarden US-Dollar)Seit 2006 gehört Reebok zur Adidas AG und ist im Bereich Hockeyausrüstungen Weltmarktführer. Allerdings ist der Umsatz durch Sportartikel wie Schuhe und Bekleidung in den vergangenen zwei Jahren um 15 Prozent eingebrochen, von 3,36 Milliarden US-Dollar auf 2,85 Milliarden US-Dollar. Quelle: dpa
Platz 5: Under ArmourMarktwert 2014: 4,1 Milliarden US-Dollar (2013: 3,7 Milliarden US-Dollar)Under Armour hat bereits Adidas umsatzseitig in den USA überholt. Der US-amerikanische Sportartikel-Hersteller hat sich in nur wenigen Jahren im Vollsprint zur Nummer zwei hinter US-Marktführer Nike Nike geschoben. Auch in Deutschland ist die Marke sehr erfolgreich: Under Armour war unter anderem von der Saison 2008/09 bis 2011 offizieller Ausrüster von Hannover 96. Quelle: Screenshot
Platz 4: Sky SportsMarktwert 2014: 4,5 Milliarden US-Dollar (2013: 4,1 Milliarden US-Dollar)Sky Sports gehört zu den Top-Sportkanälen in Großbritannien und Irland. Mittlerweile hat der Sender die Übertragungsrechte auf europäische Fußballligen und -Wettbewerbe sowie andere Sportarten wie die Formel 1 und ist mit einem Marktwert von 4,5 Milliarden US-Dollar Marktführer unter den Sport-Fernsehsendern. Quelle: REUTERS

Bereits heute ist das Geschäft mit Sportartikeln unter Druck - nun drängt auch der französische Branchenriese Decathlon verstärkt nach Deutschland. „Generell ist der deutsche Markt aktuell der interessanteste Markt in ganz Europa, in welchem wir daher auch viel Potenzial sehen“, kündigte der Sprecher der Unternehmensentwicklung von Decathlon Deutschland, Ludger Niemann, an. Vom Campinghocker für 5,99 Euro bis zum Windsurfboard für 698,99 Euro ist das weitgehend auf zumeist günstige Eigenmarken spezialisierte Unternehmen bereits an 34 deutschen Standorten aktiv.

Mit einem weltweiten Umsatz von 9,1 Milliarden Euro im vergangenen Jahr und rund 1000 Filialen zählt der Hersteller und Händler von Sportartikeln bereits heute zu den Schwergewichten der Branche. Genaue Zahlen für das deutsche Geschäft nennt Decathlon nicht - auch nicht für die Zahl der geplanten Neueröffnungen. In Dortmund entsteht derzeit ein neues Logistik-Center, von dem aus die Läden und der Onlineshop künftig mit Ware versorgt werden sollen.

Das französische Unternehmen agiere „ziemlich brutal“ im unteren Preissegment, beklagt etwa Werner Haizmann, Präsident des Verbands Deutscher Sportfachhandel. „Die greifen überall an“, so beschreibt Haizmann die Strategie des Mitbewerbers. Jahrelange Versuche der örtlichen Händler sich gegen die oft großräumigen Läden zu wehren seien gescheitert.

„Die Sportbranche ist sehr wettbewerbsintensiv“, berichtet auch Galeria Kaufhof-Sprecher Steffen Kern. Statt auf eigene Sporthäuser will das Warenhausunternehmen künftig verstärkt auf das Geschäft mit Outlets setzen. Vier Sporthäuser in Frankfurt, Wiesbaden, Heidelberg und Stuttgart sollen im kommenden Jahr umgewandelt werden, weitere sollen gegebenenfalls folgen. Sportartikel sollen künftig in das Sortiment des Warenhauses aufgenommen werden.

Vor allem Einzelkämpfer unter den stationären Anbietern von Sportartikeln hätten es dagegen schwer, berichtet Hansjürgen Heinick, Senior Consultant am IFH Köln. Einzelne Spezialisten können aber durchaus von angesagten Trends profitieren, wie etwa Anbieter von Spezialartikeln wie Longboards, so der Handelsexperte.

Heinick beziffert den Gesamtmarkt für Sportartikel in Deutschland im vergangenen Jahr im engeren Sinne auf 6,3 rund sechs Milliarden Euro. Wenn etwa Zubehör wie Mützen, Schals, Badebekleidung oder Wäsche mit einbezogen werde, könne sich auch ein deutlich höherer Wert ergeben. Mit einem Plus um 5,7 Prozent habe das Wachstum des Sportartikelmarkts im vergangenen Jahr zudem deutlich über den Zuwächsen im Schuh- und Textilhandel gelegen. Besonders gefragt seien Sportschuhe gewesen.

„Es wird jedoch nicht wahnsinnig mehr Sport betrieben“, so der Experte. Hintergrund sei vielmehr eine „Casualisierung des Alltags“. Sportmode werde etwa öfter im Büro getragen. Vor allem der Onlinehandel habe 2015 wieder stark von dem Trend profitieren können.

Bei den Kunden von Sportartikeln sei in Deutschland die Orientierung an großen Marken immer noch ziemlich stark ausgeprägt. Wenn es dann jedoch um das Sporttreiben im Alltag gehe, spiele die Marke dann doch nicht immer mehr die große Rolle, sagt Heinick. Dann könne die Funktionsbekleidung auch vom Discounter oder von anderen Anbietern kommen.

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