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Der neue Nestlé-Chef Wie ein deutscher Pharmamanager den Konzern aufmischen soll

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Nestlé verliert Marktanteile

So ist es dem Noch-Nestlé-Chef Bulcke in seiner achtjährigen Amtszeit nur selten gelungen, die selbst gesetzten Ziele – organisches Wachstum zwischen fünf und sechs Prozent pro Jahr – zu erreichen. 2016 dürfte der größte Nahrungsmittelkonzern mit seinen 335 000 Mitarbeitern mehr als 80 Milliarden Euro umsetzen. Mit voraussichtlich 3,5 Prozent plus bleibt Bulcke zum vierten Mal in Folge unter der Zielmarke. Der Konzern verliere – Übernahmen ausgeklammert – seit zehn Jahren Marktanteile, kritisiert Andrew Wood, Analyst bei Bernstein Research.

Das liegt vor allem daran, dass nicht nur in Europa die Lust auf industrielle Fertignahrung sinkt. Im wichtigen Kaffeegeschäft mit Nescafé und Nespresso rückt dem Branchenprimus die deutsche Familie Reimann auf die Pelle, die gerade mit milliardenschweren Zukäufen ein neues Kaffeeimperium geschmiedet hat und den Schweizern Umsatz und Marktanteile abjagen will.

Dass es anderen Schwergewichten der Branche wie Unilever, Mondelez oder Danone kaum besser geht, ist da nur ein schwacher Trost. Als der Konzern im Oktober bekannt gab, dass er erneut sein Umsatzziel deutlich verfehlen wird, schien die Geduld vieler Anleger am Ende. Seit Ende August, die europäischen Börsen sind seither gestiegen, rutschte der Nestlé-Aktienkurs von 73 Euro auf heute kaum noch 65 Euro.


Essen als Medizin

Um mit Nestlé wieder nachhaltig wachsen zu können und so Investoren zufriedenzustellen, muss Schneider zeitgleich zum üblichen Effizienzprogramm einen Strategieschwenk hinlegen: Nestlé muss sich wandeln, salopp formuliert: vom Kalorienbomber zum Gesundheitsapostel.

Fett- und zuckerhaltige Produkte haben Nestlé groß und stark gemacht, sie bleiben auch weiter gefragt, auch wenn sich gesundheitsbewusste Ernährung zunehmend durchsetzt. Mehr zu verdienen aber ist mit Lebensmitteln, die gesund sind; und noch mehr mit solchen, die gegen Zivilisationskrankheiten wirken, gegen Allergien, Diabetes und Fettleibigkeit. Essen und Trinken, so die Vision, soll die Basis für eine neue Art der personalisierten Medikation sein.

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