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Der Preis des Sparens Warum Aldi Süd besser ist als Aldi Nord

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Aldi Nord hat viel aufzuholen

Erst Marc Heußinger, der 2011 den Chefposten bei Aldi Nord übernahm, leitete die Wende ein und ersetzte sukzessive heruntergewirtschaftete Einkaufsbunker durch modernere Läden. 2017 startete Heußinger gar das größte und teuerste Umbauprogramm der Unternehmensgeschichte. 5,2 Milliarden Euro würde man in das „Aldi Nord Instore Konzept“ – kurz: Aniko – investieren, um sämtliche Filialen im In- und Ausland frischer, farbenfroher und freundlicher zu gestalten, verkündete das Unternehmen damals. „Aniko ist eine der bedeutendsten unternehmerischen Entscheidungen in der Geschichte von Aldi Nord“, ließ sich selbst der öffentlichkeitsscheue Sohn des Unternehmensgründers, Theo Albrecht junior, angesichts der Dimensionen zitieren.

Trotzdem war lange Zeit offen, ob es grünes Licht für Aniko geben würde. Das Projekt drohte in den Machtkampf der Albrecht-Erben hineingezogen zu werden. Über drei Familienstiftungen, in denen sämtliche Aldi-Nord-Anteile gebündelt sind, kontrollieren sie die Geschicke des Discounters. Wichtige Entscheidungen müssen die Vorstände aller drei Stiftungen einstimmig treffen. Um die Kontrolle über die Stiftungen tobt seit Jahren ein erbitterter Erbstreit.

Auf der einen Seite kämpft Theo junior, auf der anderen die Kinder seines 2012 verstorbenen Bruders Berthold sowie deren Mutter Babette.

Erst mit Verzögerung stimmten sie Aniko zu. Der Streit setzte sich trotzdem fort. Jüngster Höhepunkt: Das Testament der im November 2018 verstorbenen Cäcilie „Cilly“ Albrecht fand den Weg zur „Bild am Sonntag“. Die betagte Ehefrau des verstorbenen Aldi-Nord-Patriarchen und Mutter von Theo junior sprach darin der Babette-Seite die Eignung zur Übernahme wichtiger Posten ab. Deren Kinder mit ihrem Sohn Berthold hätten sich über die Familienphilosophie hinweggesetzt und seien „ungeeignet für die Übernahme einer leitenden Verantwortung in der Markus-Stiftung“. Der Anwalt der ausgebooteten Erben erklärte, „Pietät und Anstand“ geböten, das Testament nicht öffentlich zu bewerten.

Womöglich zeichnet sich nun jedoch ein Ende des kräftezehrenden Gerangels ab, das im vergangenen Herbst sogar zum Rücktritt von Nord-Chef Heußinger führte. Vor Gericht setzte sich zuletzt Theo junior gegen die Babette-Seite durch. Der Machtkampf scheint damit entschieden.

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    Heußingers Nachfolger Torsten Hufnagel muss nun allerdings auch operativ liefern. Das Unternehmen sieht sich dabei auf Kurs: „Der Aniko-Rollout läuft aus unserer Sicht wie geplant und wird Mitte des Jahres in Deutschland spätestens abgeschlossen sein“, sagt ein Aldi-Nord-Sprecher.

    Doch klar ist auch, dass Aniko gravierende Veränderungen mit sich bringt. Das Sortiment hat sich vergrößert, der Arbeitsablauf verändert. Das treibt die Kosten.

    „Aldi Nord hat in den vergangenen Jahren im Grunde versucht, vieles von dem nachzuvollziehen, was sich im Süden bereits bewährt hat“, sagt Boris Planer vom Beratungsunternehmen Edge by Ascential. „Das bindet zunächst Kräfte und Mittel, was sich jetzt auch in den Bilanzen bemerkbar macht.“

    Soll das Comeback gelingen und der Norden wieder Anschluss an den Süden finden, steht Hufnagel vor einer gewaltigen Aufgabe: Er muss das Tempo bei der Modernisierung erhöhen, die Kosten im Griff halten und zugleich die Auslandsmärkte stärken.

    Schon seit 1967 ist Aldi im Ausland aktiv. Damals übernahm Karl Albrecht mit Aldi Süd in Österreich die Hofer-Kette. In den 70er Jahren folgt Theo mit Belgien und den Niederlanden. 1976 wagte Karl die Atlantikquerung und startete in den USA. 1977 war wieder Theo dran: mit Dänemark. Ein Jahr später übernahm er den US-Filialisten Trader Joe‘s und baute ihn zu einer Feinkostkette aus. 1980 wurde Frankreich zum Aldi-Nord-Land. Seither setzt sich die Aldisierung der Welt fort. Allerdings gibt auch dabei der Süden den Takt vor.

    In Portugal und Spanien etwa habe Aldi Nord zuletzt kaum Marktanteile gewinnen können, sagt Experte Planer. Trotz bester Discount-Voraussetzungen durch die wirtschaftlichen Probleme in den Ländern. „Auch in Frankreich blieb das Wachstum überschaubar“, so Planer. Aldi Süd dagegen sei es gelungen, im Zuge der Finanzkrise in Großbritannien durchzustarten. Vor allem aber konnte der Süden seine Stellung in den USA ausbauen. „In den Aldi-Nord-Ländern fehlen vergleichbare Erfolge“, konstatiert Planer. Dabei hätten die Nordstaatler durchaus das Potential. „Warum hat Aldi Nord beispielsweise nicht versucht, sein erfolgreiches US-Konzept Trader Joe’s nach Europa zu bringen, um den Supermarktketten etwas entgegen zu setzen?“, fragt Planer. Der Süden war schlicht „experimentierfreudiger“. Aldi Nord hat einiges aufzuholen.

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