Dessous-Marke La Perla: Windhorst-Firma zahlt Gehälter – mit drei Wochen Verspätung
Dessous-Marke La Perla zahlt Gehälter mit Verzögerung. Das Unternehmen ist Teil des Firmengeflechts von Lars Windhorst.
Foto: imago imagesBislang hatte Stefania Prestopino schon so eine Ahnung, wie es sich anfühlt, Teil des Firmengeflechts von Lars Windhorst zu sein. Im Jahr 2018 hatte sich der deutsche Investor über die Vorgängergesellschaft seiner Beteiligungsfirma Tennor an der Edel-Dessous-Marke La Perla beteiligt – der unternehmerische Erfolg blieb bislang aus.
Stefania Prestopino ist Betriebsrätin von La Perla in Bologna, wo die Dessous-Mode entworfen und zum Teil auch gefertigt wird. Seit Monaten kämpft sie dafür, dass Windhorst endlich investiert. Es habe kein Geld für Lieferanten gegeben, so dass die Produktion nur eingeschränkt laufen konnte, kritisiert sie.
Zum Knall kam es, als die 350 Mitarbeiter am Standort Bologna am 10. August ihr Juli-Gehalt bekommen sollten. Das Geld kam: nicht. Dafür eine SMS der Geschäftsleitung: „Aufgrund der verzögerten Mittelbereitstellung durch den Investor wird sich die Gutschrift der Gehälter ab dem 10. August leicht verzögern“. Die Nachricht erreichte die meisten im Urlaub, für den das Gehalt schon fest eingeplant war. Wochen vergingen.
La Perla: Krisentreffen im Wirtschaftsministerium
Vincenzo Colla, Regionalrat für wirtschaftliche Entwicklung in der Region Emilia-Romagna, bezeichnete das Vorgehen von Windhorsts Beteiligungsfirma als „inakzeptabel“ und rief das italienische Wirtschaftsministerium zur Hilfe. Im Ministerium soll am morgigen Dienstag ein Krisentreffen mit Betriebsrat, Gewerkschaften und dem Unternehmen stattfinden.
Kurz vor dem brisanten Termin wurden nun die Gehälter überwiesen – drei Wochen verspätet.
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„Die Gehaltszahlung war eine enorme Erleichterung für uns, denn die Sorgen waren für uns alle unerträglich geworden“, sagt Betriebsrätin Stefania Prestopino. Als wichtig empfinde sie es, dass die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter „in diesen Wochen der tiefen Besorgnis“ zusammengehalten hätten.
Prestopino wird morgen in Rom beim Krisentreffen im Wirtschaftsministerium dabei sein. Sie hoffe, „dass es eine positive Wende in Bezug auf die Situation von La Perla geben wird“. Tennor müsse nicht nur verpflichtend eine Finanzierungszusage abgeben, sondern auch einen „klaren Plan, in dem die Maßnahmen zur Wiederbelebung des Unternehmens im Detail erläutert werden“.
Im Geschäftsjahr 2020 lag der Nettoverlust von La Perla bei 136 Millionen, 2021 bei 45 Millionen und im vergangenen Jahr bei 49 Millionen. Das Verlustgeschäft passt zu vielem, das derzeit aus Windhorsts Reich nach außen dringt. Bei vielen seiner großen Investments gibt es Probleme, Geldgeber warten auf Zahlungen.
La Perla hatte im August bekannt gegeben, durch eine Kapitalerhöhung bis zu 50 Millionen Euro einsammeln zu wollen, „um das weitere Wachstum des Unternehmens zu finanzieren“. Am 10. September ist das Gehalt für den Monat August fällig, sagt Betriebsrätin Stefania Prestopino: „Die Sorge um die Pünktlichkeit der nächsten Gehaltszahlung bleibt natürlich bestehen.“
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