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Deutsche Post Letztes Aufgebot für den E-Brief

Der E-Brief war Hoffnungsträger der Post, der sinkende Briefumsätze auffangen sollte. Doch er floriert nicht. Jetzt startet der gelbe Riese einen neuen Versuch, das Geschäft anzukurbeln - und zwar nicht in Bonn.

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Viele Wege zum Erfolg: Die Post macht Werbung für sich. Beim E-Brief genügt das aber bisher nicht. Quelle: dpa

Düsseldorf Die Post legt beim E-Postbrief nach: Der Logistikkonzern verdoppelt den mit großen Hoffnungen, aber bisher wenig Erfolg gestarteten Geschäftsbereich und gründet eine 150 Mitarbeiter große Entwicklungsabteilung, die operativ nicht am Konzernsitz Bonn, sondern in Berlin angesiedelt sein wird. Das Unternehmen glaubt so, aufstrebende Software-Entwickler für sich begeistern und dem Projekt so zu einem Kreativschub verhelfen zu können. Entsprechende Informationen von Handelsblatt Online bestätigte ein Konzernsprecher.

Die Post ist seit dem Sommer 2010 mit dem Produkt auf dem Markt. Die Idee ist, eine Email so sicher wie einen Brief zu verschicken. Emails sind vor den Zugriffen Dritter schlecht geschützt, weswegen vertrauliche Dokumente nicht auf diesem Weg übersandt werden können. Die E-Postbrief dagegen ist verschlüsselt, nur Absender und Empfänger können ihn lesen, und er kann auf Wunsch auch per Boten zugestellt werden.

Postchef Frank Appel verbindet mit dem neuen Geschäftsmodell die Hoffnung, dass die rückläufigen Umsätze im herkömmlichen Briefgeschäft auf Dauer durch ein wachsendes E-Post-Modell aufgefangen werden können. Entsprechend aufwendig ist die Werbung für den jungen Geschäftsbereich. Ein dreistelliger Millionenbereich dürfte im Jahr dafür reserviert sein, schätzen Werber.

Entsprechend groß ist auch der Druck auf die Mitarbeiter. Regelmäßig müssen sie dafür sorgen, dass das neue Produkt noch praktischer und noch vielseitiger wird – so sollen beispielsweise noch in diesem Jahr Rechnungen sicher via E-Post beglichen werden können. Um bei neuen Entwicklungen nichts zu verpassen, hat E-Post-Chef Ralph Wiegand mit Oliver Zeiler seit November vergangenen Jahres einen neuen Chefentwickler gefunden. Er möchte, so formuliert es Zeiler selbst, den E-Post-Brief noch kundenfreundlicher entwickeln.

Das ist auch nötig. Der Hoffnungsträger entwickelt sich nämlich nicht so prächtig, wie Appel das erwartet hatte. „Wir haben uns am Anfang mehr davon versprochen“, heißt es unter den Mitarbeitern. Und Brief-Vorstand Jürgen Gerdes räumte jüngst ein, dass aus dem Plan, den E-Brief innerhalb von fünf Jahren zum erfolgreichen Produkt wachsen zu lassen, unter Umständen nichts werden wird. Zumindest sechs Jahre könnte es schon dauern.

Der Grund liegt darin, dass Kunden noch zögern und auch die Konkurrenz nicht tatenlos zusieht. Der zweite Bonner Dax-Konzern, die Telekom, setzt auf ein System, das sich De-Mail nennt und ähnliche Vorteile wie der E-Brief bietet. Die Post will sich zwar auch an diesem System beteiligen, setzt aber bislang größere Hoffnungen auf ihre Eigenentwicklung - und baut sie deswegen nun aus. Auch andere Internetunternehmen wie 1&1 setzen auf De-Mail. 1&1-Vorstandsmitglied Jan Oetjen hat den Strategiewechsel der Post in einem Interview mit der Zeitschrift „Chip“ als „Gang nach Canossa“ bezeichnet.

In Berlin fänden sich mehr Entwickler und mehr kreative Köpfe, die das Produkt voranbringen könnten, begründet ein Sprecher den Schritt in die Bundeshauptstadt zu gehen, der mit Millioneninvestitionen verbunden sei. Ein Umzug von Geschäftsbereichen sei nicht nötig, es gehe um neue Mitarbeiter, stellt er ausdrücklich fest - und entlockt damit dem Betriebsrat einen Seufzer der Erleichterung.

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