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Digitalchef Stefan Winners Wie der Burda-Verlag Saturn angreifen will

Stefan Winners, der Digitalchef des Burda-Verlags, spricht im Interview über seinen Angriff auf MediaMarkt und Saturn, neue Geschäfte beim Karrierenetzwerk Xing und den Kampf gegen die Macht von Google.

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Wie viele Verlage, hat sich auch der Burda Verlag gewandelt. Heute liegt ihr Augenmerk nicht mehr auf dem Druck, sondern auf dem Internet. Quelle: Fotolia

WirtschaftsWoche: Herr Winners, einen Großteil vom Umsatz macht Hubert Burda Media heute nicht mehr im Verlagsgeschäft, sondern im E-Commerce, etwa mit dem Heimelektronikhändler Cyberport oder dem Tierbedarfshandel Zooplus. Passt das in das Profil eines Medienhauses?

Winners: Diese Beteiligungen stammen noch aus der Zeit von 1998 bis 2008, als Burda ein Corporate-Venture-Capital-Geschäft betrieben hat – und wir sind heute sehr glücklich, dass wir diese Unternehmen haben. Cyberport etwa wird 2014 mehr als eine halbe Milliarde Euro Umsatz machen, zweistellig wachsen und dabei trotz hoher Investitionen profitabel sein. Außerdem passen Medien und E-Commerce gut zusammen.

Zur Person

Weil Sie die Burda-Medien nutzen, um den eigenen E-Commerce zu beleben?

Ja. Ein Beispiel: Als unsere Beteiligung Tomorrow Focus 2006 das Hotelbewertungsportal HolidayCheck übernommen hat, gab es auf Focus Online freitags immer eine von HolidayCheck präsentierte Kolumne über die schlechtesten Hotels Deutschlands. Das war eine der am stärksten gelesenen Rubriken. So haben wir HolidayCheck den deutschsprachigen Lesern bekannt gemacht. So haben wir es auch im letzten Jahr für Marken wie Cyberport gemacht, die wir durch Print- und Online-Anzeigen sehr erfolgreich entwickelt haben. Zudem findet man die unabhängigen „Chip“-Testergebnisse auch auf Cyberport-Angebotsseiten. Content und Commerce – das funktioniert.

Sie expandieren mit Cyberport jetzt sogar in den stationären Einzelhandel. Warum?

Wir haben festgestellt, dass das Abholen online bestellter Ware für viele Menschen wichtig ist. Bei Cyberport macht das teilweise 30 Prozent vom Gesamtumsatz eines Stores aus. So gewinnen wir Leute für uns, die E-Commerce eigentlich kritisch sehen.

Werden Sie also weitere Läden eröffnen?

Ja. Cyberport hat bereits 14 Stores – etwa in Berlin, Köln, Dresden, München sowie Wien –, und wir werden in Städten mit mehr als 500 000 Einwohnern in hochfrequentierten Lagen weitere Stores aufmachen. Zunächst steht ein zweiter in Wien auf dem Programm. An weiteren Standorten sind wir auf der Suche nach geeigneten Immobilien. Die werden aber kleiner sein als die unserer Wettbewerber MediaMarkt und Saturn.

Bei Cyberport hat sich Ihr Wagniskapital offenbar ausgezahlt, trotzdem kaufen Sie bei Digitalbeteiligungen heute nur gestandene Unternehmen zu. Warum so konservativ?

Wir waren in der Vergangenheit in vielen Frühphasen-Unternehmen mit Minderheitsbeteiligungen investiert. Heute wollen wir profitable Mehrheiten, um die Unternehmen dann weiter zu entwickeln.

Selbst, wenn bei Frühphasen-Investments höhere Renditen möglich sind?

Unternehmen, die noch kein bewiesenes Geschäftsmodell haben, sind schwieriger zu entwickeln, und die Ausfallquote ist viel höher. Für uns haben sich in den letzten Jahren vor allem die Beteiligungen gelohnt, die ein etabliertes Geschäftsmodell hatten und schon profitabel oder kurz davor waren. Die konnten wir mit unserer Erfahrung, der Reichweite unserer Medien und dem technischen Know-how stark wachsen lassen. Bei Frühphasen-Investments schreibt man in Deutschland mindestens 75 Prozent der Unternehmen ab.

Erfolg bei Xing, Probleme bei HolidayCheck

Können Sie den Erfolg Ihrer Strategie mit Zahlen belegen?

Nehmen Sie das 2003 gegründete Karrierenetzwerk Xing, an dem wir 51 Prozent halten. Dessen Aktien haben wir bei der Übernahme der Mehrheit im Dezember 2012 zu einem Preis von 44 Euro gekauft. Der Xing-Vorstand hat das Wachstum in den letzten zwei Jahren erheblich beschleunigt. Das Unternehmen wächst jetzt im Umsatz wieder sehr erfreulich mit 20 Prozent gegenüber Vorjahr – und im Ergebnis sogar noch stärker. Heute steht der Kurs bei 84 Euro.

Wo kommt das Wachstum her?

Xing hat unter anderem das Premium-Abo-Modell forciert, bei dem die Nutzer für Zusatzservices zahlen. Die Community ist heute zudem besser durchsuchbar für Unternehmen und Personalberater. Personaler können dort leichter exzellente Kandidaten finden und ansprechen. Xing bietet dafür kostenpflichtig das Werkzeug Xing Talentmanager an. Außerdem gibt es einen neuen Stellenmarkt und noch bessere Möglichkeiten für Unternehmen, sich gegenüber potenziellen Kandidaten darzustellen.

Die digitalen Geschäfte von Hubert Burda Media und ausgewählte Beteiligungen

So gut läuft’s bei Ihrer Web-Tochter Tomorrow Focus nicht. Es hakt bei HolidayCheck und dem Partnervermittler ElitePartner.

Bei HolidayCheck gab es ein schwaches erstes Halbjahr wegen der Fußball-WM. Der Reisemarkt war insgesamt schwächer als geplant, das hat HolidayCheck gespürt. Aber jetzt im zweiten Halbjahr setzt das Unternehmen zu einer Jahresendrallye an, der Vorstand ist optimistisch, was die Geschäftsentwicklung bis Jahresende angeht. Und ElitePartner bewegt sich in einem extrem wettbewerbsintensiven Markt, in dem die Unternehmen im Kampf um die Kunden Millionen Euro für Werbung ausgeben.

Heißt das, Sie werden sich in absehbarer Zeit von ElitePartner trennen?

Solche Entscheidungen trifft grundsätzlich der Vorstand von Tomorrow Focus.

Burda hat kürzlich seine Anteile an der erfolgreichen Internet-Zoohandlung Zooplus auf 33,8 Prozent reduziert. Warum?

Wir sind dort seit 15 Jahren investiert. Zooplus ist ein ausgezeichnetes Unternehmen, und das Team hat es in vielen Ländern Europas sehr erfolgreich entwickelt, was man auch an der sehr erfreulichen Aktienkursentwicklung sehen kann. Wir haben aber festgestellt, dass das Geschäft von Zooplus kaum noch Bezug zu unserem sonstigen Business hat. Daher haben wir entschieden, unsere Anteile zu reduzieren, bleiben aber trotzdem weiter investiert.

Vor einem Jahr haben Sie die US-Internet-Zeitung „Huffington Post“ nach Deutschland gebracht. Wie läuft das?

Sie hat es in kürzester Zeit unter die Top-20-Nachrichtenseiten Deutschlands geschafft, auch durch eine intelligente Vernetzung mit Focus Online. Beide Portale verweisen etwa auf die Inhalte des anderen. Ob die „Huffington Post“ Deutschland nachhaltig profitabel ist, soll in zwei Jahren beantwortet werden. Im Moment sieht alles positiv aus.

Was haben Sie in den zwei Jahren als Digitalvorstand von Burda verändert?

Wir haben das Portfolio einem Check-up unterzogen und uns dabei auf die Profitabilität unserer Geschäfte konzentriert. Dazu gehörte es auch, einzelne zu schließen oder umzubauen, die keine Aussicht auf Profit haben. So haben wir etwa in Köln das Unternehmen Sevenload geschlossen, das eine Nischen-Alternative zu YouTube werden sollte. Dort haben wir über Jahre investiert, aber inzwischen war klar, das klappt nicht. In unserem Geschäft kommt man nur weiter, wenn Fehler kein Tabu sind. Man muss aus ihnen schnell lernen und Konsequenzen ziehen. Dieser Fokus auf Profitabilität führt dazu, dass sich das operative Ergebnis im Digitalbereich 2014 deutlich verbessert.

Burda im Kampf gegen Google

Ihr Umsatz schrumpft dadurch nicht?

Nein, der Digitalbereich ist in den ersten sechs Monaten um fast 15 Prozent gewachsen. Klar ist aber auch, dass wir aufgrund der Anteilsreduzierung bei Zooplus im digitalen Bereich im zweiten Halbjahr eher langsamer als 2013 wachsen werden.

Wann muss eine Beteiligung profitabel sein?

Bei den meisten Beteiligungen sehen Sie nach drei bis vier Jahren, ob sie erfolgreich werden. Dann sollte man auch erkennen, wann die Gewinnschwelle erreicht wird, wie nachhaltig das Geschäftsmodell ist und wie robust gegen Angreifer.

Wo kaufen Sie zurzeit zu?

Wir scannen den Markt kontinuierlich nach neuen Beteiligungsmöglichkeiten. Dieses Jahr haben wir uns über 150 Unternehmen angeschaut. Uns geht es um Unternehmen, die eine Chance haben, einen Umsatz in hoher zweistelliger Millionenhöhe zu erzielen und nachhaltig profitabel zu sein. Vergleichsportale und E-Commerce stehen besonders in unserem Fokus.

Handel



Sie kämpfen seit Jahren für eine kritischere Haltung der europäischen Politik gegen Google. Wie sehen Sie das heute?

Wir sind hier gut vorangekommen. Vor drei Jahren hatte in Deutschland kaum einer verstanden, was US-Konzerne mit ihrer Marktmacht anstellen. Heute zeigen die Debatten über Datenschutz, Kartellrecht und Steuerharmonisierung: Allen ist klar, dass es um knallharte Marktinteressen in dieser Zukunftsindustrie geht. Es ist gut, dass die EU das Kartellverfahren gegen Google nicht voreilig beendet hat, sondern Googles Bevorzugung eigener Angebote in den Suchergebnissen weiter untersucht und vielleicht sogar ein zusätzliches Verfahren mit Blick auf Googles Betriebssystem Android einleitet. Wir brauchen gleiche Rahmenbedingungen und Spielregeln für alle.

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