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Digitale Revolution des Lesens Das Ende des Buchs, wie wir es kennen

Romane mit Soundtrack, Leser als Co-Autoren, die Weltliteratur per Flatrate – Digital-Pioniere erfinden das Schreiben und Lesen von Texten neu. Die Folge: Nie war die Vielfalt der Geschichten größer als heute. Aber brauchen wir dafür noch Händler und Verlage?

Diese Bücher lesen Deutschlands Macher
Selten haben die Verlage so viele lesenswerte Wirtschaftsbücher auf einer Frankfurter Buchmesse präsentiert wie in diesem Jahr. Wir stellen Ihnen hier die Top-Titel vor, die in den vergangenen Wochen erschienen sind. Hier eine Übersicht: Die Top-Bücher des zweiten Halbjahres Über Ernährung und Fleisch-Produktion Bücher über unser Gehirn Wirtschaftswissen Management-Ratgeber Die Comebacker Über Frauen in Führungspositionen Quelle: dpa
Die Top-BücherGeorge Packer: Die AbwicklungAuf den Bestsellerlisten Amerikas und Europas hat der Journalist kräftig für Furore gesorgt. Anhand von 14 Porträts erzählt er vom Niedergang der US-Industrie. Herz zerreißende, aber auch Mut machende Geschichte von Menschen, die sich von der Wirtschaftspolitik und Unternehmerwelt nicht treiben lassen, egal wie das Leben ihnen mitspielt. Unterm Strich setzt der Autor keine eigene These, aber man kann sie sich selbst leicht bilden: Der Kapitalismus frisst seine Kinder. Doch es gibt Hoffnung. ( S. Fischer Verlag) Quelle: AP
Jeremy Rifkin: Die Null-Grenzkosten-GesellschaftDasselbe Thema, aber mit mehr Zukunftsdrall und deutlich wissenschaftlicher: Der Soziologe mit Zukunftsforscherdrang hat ein beeindruckendes Buch vorgelegt, in dem er die Zukunft der Arbeit skizziert. Rifkin erläutert, was sich durch die Vernetzung aller Dinge quer durch sämtliche Lebensbereiche verändern wird. Dass der Industriearbeiter in 50 Jahren zu aussterbenden Spezies gehören dürfte, aber auch als was wir dann arbeiten können. ( Campus Verlag) Quelle: dpa
Peter Thiel und Blake Masters: Zero to OneDass Wettbewerb heute kein Geschenk des Himmels mehr ist, beschreibt auch der Milliardär Peter Thiel in seinem Buch. Dabei ist es eigentlich kaum mehr als die (von Blake Masters) niedergeschriebene Vorlesung, die Thiel an der Standford Universität gehalten hat, also im Herz des Silicon Valley, wo Thiel unter anderen mit Paypal und Facebook reich wurde. Thiel gibt Ratschläge für Gründer, seziert aber auch das heutige Wirtschaftssystem. Monopole sind für ihn kein Teufelszeug, sondern der wesentliche Anreiz, Neues zu schaffen. Der Wettbewerb an sich wird wegen der gegen Null sinkenden Grenzkosten (siehe Rifkin) nur zu Arbeitsplatzverlust führen. Selten stand auf 200 dünnen Seiten so viel Lesenswertes. Man muss nur mit Thiels libertärer Natur klarkommen. (Campus Verlag) Quelle: REUTERS
Christoph Keese: Silicon Valley, Eric Schmidt: Wie Google funktioniert und Dave Eggers: Der CircleDer eine hasst Google (Springer-Mann Keese), der andere verteidigt es (Google-Chairman Schmidt) – und noch ein anderer schreibt einen Roman über eine fiktive Firma, bei der alle an Google denken (Schriftsteller Eggers). Selten hat ein Konzern so viele Leser gleichzeitig in seinen Bann gezogen auf so unterschiedliche Weise. Wo Keese und Eggers – jeder auf seine Art – vor der Macht des Silicon Valley warnen, versucht Schmidt im Flausch-Modus zu beruhigen. Die Wahrheit liegt wohl in der Mitte. Quelle: dpa
Lisa Bodell: Kill the CompanyWer übrigens mit Thiel und Keese viel anfangen kann, kann gleich bei Lisa Bodell weitermachen. In ihrem Buch „ Kill the Company“ erklärt die Chefin von „Futurethink“ im Detail, wie disruptives Denken funktioniert – man also seine Firma durch intensives Hinterfragen zukunftsfähig macht. Quelle: imago
Stefan Selke: LifeloggingCloud-Computing und die Weiterentwicklung von Miniprogrammen und Apps haben eine Form des Datensammelns und -speicherns ermöglicht, die immer mehr Anhänger findet und die der Soziologe Stefan Selke unter dem Begriff „ Lifelogging“ zusammenfasst. Es ist, wie er in seinem hellsichtigen Buch darlegt, eine „verängstigte Gesellschaft“, die sich da mittels der Technik schützen will. Überfordert von den Möglichkeiten und Optimierungszwängen der Moderne, begreift das Individuum jegliche Entscheidung als problematisch. (Econ Verlag) Quelle: AP

Schriftsteller, heißt es, seien einsame Menschen. Bei Robert Thier gilt das Gegenteil, er kann sich vor Zuspruch kaum retten. Woche für Woche lädt der Autor ein weiteres Kapitel von „Storm and Silence“ ins Netz, dem Historienroman, an dem er seit Monaten schreibt. Sekunden später kommentieren die Fans bereits den Fortgang der Handlung.

Eine Gemeinde aus gut 18.000 Lesern verfolgt die Entstehung seines Schmökers auf der Online-Plattform Wattpad. Heldin der Geschichte ist Lilly, eine fiktive Feministin im viktorianischen England, die sich als Mann verkleidet, um wählen zu gehen. Es geht um Freiheit, das britische Empire und eine Reise um die Welt.

Wie der deutsche Buchmarkt tickt

Thiers Leser können nicht genug davon bekommen. Sie loben jede überraschende Wendung, sie betteln um Fortsetzungen, sie leiden mit Lilly, wenn sie in der Klemme steckt. Sie finden Fehler, die Thier korrigiert. „Mir schreiben Pferdeexperten“, sagt er, „Hausfrauen, die auf dem Handy lesen, sogar Damen aus dem Seniorenheim.“

Die Wiedergeburt des Buchs

Noch verdient der 26-jährige Anglistik-Student aus Baden-Württemberg kein Geld mit seinen Texten. Doch er hofft auf eine Existenz als Schriftsteller. Andere Wattpad-Autoren stehen schließlich schon bei großen Verlagen unter Vertrag. Die werbefinanzierte Plattform selbst, 2006 von den Kanadiern Allen Lau und Ivan Yuen gegründet, ist längst ein Riesenerfolg: Mit 25 Millionen Mitgliedern ist sie der größte Schreib- und Leseclub aller Zeiten.

Geschichten wie die von Thier und Wattpad lassen sich neuerdings viele erzählen. Es sind Geschichten vom Sterben des Buches, wie wir es kennen – und von seiner Wiedergeburt in der Ära des Internets.

„Das gesamte Ökosystem vom Autor bis zum Leser entsteht neu“, sagt Rüdiger Wischenbart, Chef des Publishers’ Forum in Berlin, auf dem sich jedes Jahr die Verlagsbranche trifft. Heute schreiben Leser an Büchern mit, sie mieten Werke nur noch als E-Book auf dem Handy – oder abonnieren Hunderttausende auf einmal. Sie verschlingen Romane auf mehreren Geräten im Wechsel, kommentieren und teilen sie, wollen Film und Hörbuch gleich dazu.

Nie war es so leicht, ein Buch zu schreiben

All das verbirgt sich hinter Schlagwörtern wie Flatrates, Selfpublishing, Social Reading, die die Diskussionen auf der am Mittwoch gestarteten Frankfurter Buchmesse bestimmen werden. Nie war es so leicht, an das literarische Weltwissen zu gelangen, und nie so leicht, selbst ein Buch zu schreiben.

Absatz von E-Books in Deutschland. (zum Vergrößern bitte anklicken)

„Wir sehen eine Explosion der Vielfalt und der Verfügbarkeit von Lesestoff“, sagt Wischenbart, „wie zuletzt im 18. Jahrhundert, als die Schulpflicht eingeführt wurde.“

Gerade mal sieben Jahre ist es her, da begann Amazon, den digitalen Büchern mit der ersten Version seines Lesegeräts Kindle den Weg in den Alltag zu ebnen (siehe Grafik). Zehn Jahre später, im Jahr 2017, werden E-Books bereits ein Sechstel der Belletristik-Umsätze in Deutschland einbringen, schätzen die Berater der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft PwC – und in den USA sogar mehr als die Hälfte.

Wozu aber brauchen wir noch Verlage, wenn jeder im Internet Bücher schreiben und publizieren kann? Wo kaufen wir sie? Wie verändert die digitale Technik die Literatur? Und lesen wir künftig überhaupt noch Bücher? Antworten auf diese Fragen gibt eine Expedition zu den Büchermachern der Digital-Ära.

Die Autoren: Indies übernehmen etablierte Verlage

Als Theresa Ragan mit dem Schreiben begann, war sie 33 und zum vierten Mal schwanger. Sie schrieb morgens, wenn die Kinder noch im Bett waren, mittags, wenn sie im Auto vor der Schule wartete, und abends, wenn die Kleinen wieder schliefen. Mehr als ein halbes Dutzend Bücher verfasste sie in ihrem Vorstadthaus in der kalifornischen Hauptstadt Sacramento. Geschichten, die niemand las.

Zwei Agenten versuchten, Ragans Werke bei Verlagen unterzubringen. Doch keiner griff zu. 2009 war die Autorin so frustriert, dass sie einen Krimi schrieb, in dem alle Hauptpersonen ermordet wurden – „aus Selbsttherapie“, wie sie heute sagt. Dann erfuhr sie in einem Blog von Amazons Autorendienst. Auf der Selfpublishing-Seite des Internet-Händlers kann seit 2007 jeder eigene Bücher digital veröffentlichen. Ragan stellte eines ihrer alten Werke ins Netz. „Ich rechnete mit 10 oder 20 Lesern“, erinnert sie sich. Schon in der ersten Woche waren es Tausende.

Klassische Verlage werden überflüssig

Seitdem reißt ihre Popularität nicht mehr ab. Ragan hat in den vergangenen drei Jahren rund eine Million Bücher verkauft – Thriller wie „A Dark Mind“ und Romanzen wie „A Knight in Central Park“. Mehr als 1,5 Millionen Dollar hat sie eingenommen – damit zählt sie weltweit zu den Top-Verdienern im schreibenden Gewerbe.

Fakten zu E-Books in Deutschland

Ragans Geschichte ist mehr als eine typisch amerikanische Erfolgsstory. Sie ist so etwas wie die Blaupause für eine Welt, in der klassische Verlage überflüssig werden. Die heute 53-Jährige ist längst Vorbild der Indie-Szene unabhängiger Autoren in den USA.

Schätzungen zufolge stammt jeder dritte der 120.000 meistverkauften E-Book-Titel bei Amazon von Selbstverlegern. Die erwirtschaften dort mit digitalen Büchern schon mehr als die Autoren der fünf größten US-Verlagshäuser zusammen. Sie vermarkten ihre Werke über soziale Netzwerke und holen sich Vorschüsse auf Crowdfunding-Plattformen. Lohn der Mühe ist die Garantie, dass das Buch auch wirklich erscheint. Und ein höheres Honorar: Leiten Verlage meist nur gut zehn Prozent der Erlöse an die Autoren weiter, so sind es bei Amazon bis zu 70 Prozent.

Leser entscheiden über Qualität

Was einen Autor ausmacht, wird völlig neu definiert. Jeder kann jetzt Bücher verfassen. Wie gut das Geschriebene ist, entscheiden die Leser – indem sie die Werke kaufen oder eben auch nicht, sie auf Händlerseiten bewerten und in sozialen Literaturnetzwerken wie Goodreads weiterempfehlen.

E-Book-Reader im Vergleich
Der OffeneTolino VisionVertrieb: Buchhandel Preis: 129 Euro Displaygröße: 15 cm Auflösung: 210 ppi Gewicht: 178 g Größe: 16,3 cm x 11,4 cm x 0,81 cm Speicher: 2 GB Info: Erweiterbar über Micro-SD-Karte Tolino Vision Quelle: Presse
Der GünstigeKindleVertrieb: Amazon Preis: 59 Euro Displaygröße: 15 cm Auflösung: 167 ppi Gewicht: 191 g Größe: 16,9 cm x 11,9 cm x 10,2 cm Speicher: 4 GB Info: Keine Beleuchtung, keine epub-Bücher, Werbeeinblendung im Ruhemodus Kindle Quelle: Presse
Der EleganteKindle VoyageVertrieb: Amazon Preis: 249 Euro Displaygröße: 15 cm Auflösung: 300 ppi Gewicht: 188 g Größe: 16,2 cm x 11,5 cm x 0,76 cm Speicher: 4 GB Info: Zusätzlich Mobilfunk, keine Bücher im offenen epub-Format Kindle Voyage Quelle: Presse
Der RobusteAura H2OVertrieb: Kobo Preis: 179 Euro Displaygröße: 17 cm Auflösung: 265 ppi Gewicht: 233 g Größe: 17,9 cm x 12,9 cm x 0,97 cm Speicher: 4 GB Info: Wasserdicht, erweiterbar über Micro-SD-Karte Aura H2O Quelle: Presse
Der BunteColor LuxVertrieb: Pocketbook Preis: 249 Euro Displaygröße: 20 cm Auflösung: 125 ppi Gewicht: 300 g Größe: 17,0 cm x 20,2 cm x 0,9 cm Speicher: 4 GB Info: E-Ink-Display mit 2048 Farben Color Lux Quelle: Presse

Auch das Schreiben, oft als einsame Hirnarbeit in der Dachkammer idealisiert, wird in sozialen Netzwerken wie Wattpad oder Fidus Writer zum Gemeinschaftsprojekt. Autoren helfen sich gegenseitig mit dem Redigieren, Formatieren und korrekten Zitieren. Die Leser der kalifornischen Plattform Coliloquy bestimmen gar mit, wie der Autor Storys weiterentwickelt.

Manches Verlagshaus passt sich bereits an. So wie der Hamburger Kinder- und Jugendbuchverlag Oetinger, die deutsche Heimat von Pippi Langstrumpf und dem Sams. Bei ihm werkeln ganze Teams im Internet zusammen: 200 Autoren, Illustratoren und Lektoren leben in der virtuellen Schreibwerkstatt namens Oetinger34 ihre Kreativität aus. Jeder kann die Arbeit der anderen kommentieren: Passt die Zeichnung zum Charakter des Helden? Stimmen die Farben? Lässt sich der Text durch ein Bild ersetzen, das die Aussage besser trifft? Gemeinsam sollen so bessere, schlauere Bücher entstehen.

Die Bücher: Knisterndes Kaminfeuer für Sherlock Holmes

Viele Romane, die rein digital erscheinen, haben mit dem üblichen 250-Seiten-Werk aus Papier nur noch wenig gemein.

Enhanced E-Books – erweiterte Bücher – nennt Sherisse Hawkins, woran die Unternehmerin aus dem US-Bundesstaat Colorado mit ihrem Start-up Beneath the Ink (deutsch: Jenseits der Tinte) derzeit arbeitet. Es sind Texte, die mit vertiefenden Informationen angereichert sind: Tippt der Leser auf seinem E-Reader einen Ortsnamen an, erscheint die Landkarte dazu, tippt er auf den Namen einer Kirche, erscheint ihr Foto. Die Neugierde der Leser, glaubt Hawkins, werde so viel besser befriedigt als mit herkömmlichen Texten.

Die besten E-Book-Anbieter im Überblick
E-InkPanels mit der Pearl-Technik von E-Ink kommen bei vielen E-Book-Readern zum Einsatz. Die Displays mit 16 Graustufen verbinden sehr gute Lesbarkeit mit niedrigem Energieverbrauch. Quelle: Presse
HugendubelDie Buchhandelskette Hugendubel beteiligt sich auch am E-Book-Reader-Projekt Tolino und bietet auf ihrer Website mehr als 500.000 Bücher als E-Book an. Quelle: dpa
ThaliaDie Buchhandelskette Thalia hat auch den Tolino Shine im Angebot. Thalia hat ein umfangreiches Sortiment an Belletristik und Fachbüchern. Aber auch Literatur-Klassiker wie Brecht, Dante oder Goethe gibt es als E-Book. Quelle: dpa
ReadboxDas Unternehmen Readbox hat sich auf "Lösungen für die Herstellung, Auslieferung und Vermarktung von E-Books" spezialisiert. So gibt es beispielsweise eine "Comic Creator", eine Software, mit der Comics für das Lesegerät aufbereitet werden können. Allerdings ist dazu eine Erweiterung des EPUB-Standards nötig. Das Angebot zielt in erster Linie auf Amazons Kindle und Apples iPad. Auf der Frankfurter Buchmesse zeigt Readbox die E-Book-Verlagssoftware "meine.readbox.net". Quelle: dpa
Feedbooks Feedbooks gehört zu den Anbietern, die man ansteuert, wenn man ein Lesegerät mit dem gängigen EPUB-Format nutzt. Sitz des Anbieters ist in Frankreich. Quelle: Presse
Project Gutenberg Das Project Gutenberg hat nach eigenen Angaben etwa 42.000 Titel als E-Book im Angebot. Alle Werke, zumeist Klassiker der Weltliteratur sind kostenlos. Neben dem EPUB-Format wird bei vielen Titeln auch Amazons Kindle-Format unterstützt. Quelle: Presse
IDPFDas International Digital Publishing Forum ist zuständig für die Pflege und Weiterentwicklung des E-Book-Standards EPUB. Quelle: Presse

Der Neuseeländer Paul Cameron wiederum hat eine Tonspur für Bücher erfunden. Auf seiner Seite Booktrack bietet er Werke mit einem eigens produzierten Soundtrack an, darunter Klassiker wie Sherlock Holmes. An passenden Stellen knistert Kaminfeuer, wiehern Pferde, läuten Kirchenglocken. Spannende Passagen sind mit dramatischer Musik unterlegt. Mit akustischer Untermalung, glaubt Cameron, werde das Lesen emotionaler.

Eine neue Ära für Leser

Für Leser bricht eine neue Ära an. Bücher werden so spannend, interessant und zugänglich wie nie: Lehrbücher in Apples iBooks-Store zeigen 360-Grad-Animationen von Planeten oder Molekülen. Kochbücher wie die des Hamburger Start-ups Caramelized führen in Videos vor, wie der Hobbykoch Gemüse blanchiert. Auf US-Plattformen wie Atavist und Byliner oder in Apps wie Snippy erleben Kurzgeschichten eine neue Blüte – angereichert mit Animationen, Videos und Bildergalerien.

Das Smartphone, auf dem 59 Prozent der E-Book-Leser zumindest zwischendurch lesen, fördert die Entstehung knapper, griffiger Literatur. „Kürzere Texte sind ideal für die Bahnfahrt oder das Wartezimmer“, sagt Leander Wattig, Blogger und Verlagsberater aus Berlin. „Und sie decken den Bedarf nach günstiger Lektüre.“

Das große Geschäft mit kurzen Geschichten

Schon immer haben Produktionsbedingungen und Vertriebsstrukturen den Inhalt von Büchern beeinflusst. Alexandre Dumas erhielt von seinem Verleger Zeilengeld – darum führen die „Drei Musketiere“ in seinem Roman ewige Stakkato-Dialoge. Charles Dickens verkaufte Fortsetzungsromane an Zeitungen – darum sind seine Geschichten voller Cliffhanger, die den Leser bei der Stange halten.

Nun wittern die ersten Investoren bereits das große Geschäft mit kurzen, schnellen Geschichten. So finanziert etwa das Venture-Capital-Unternehmen Andreessen Horowitz aus dem Silicon Valley, das unter anderem an Facebook beteiligt ist, die Plattform Atavist. Geldgeber wie die Kalifornier glauben fest an die neuen Büchermacher. Anders als manche aus der Verlagsbranche, die noch in der Welt von Druckfahnen und Buchrücken leben.

Die Verleger: Immer montags ein neues Buch

Über Jahrhunderte bestimmte eine Literaturelite, wer Bücher schrieb, wie sie aussahen und was sie kosteten. Diese Selbstgewissheit der Verleger ist dahin. Um in der Ära der Infoflut Geld zu verdienen und zu überleben, muss die in Deutschland 9,5 Milliarden Euro schwere Branche ihr Geschäftsmodell radikal umbauen.

So verwandeln sich die ersten Verlage, die alten Papierbetriebe, in Medienhäuser. Als Vorreiter in Deutschland gilt das Traditionsunternehmen Bastei Lübbe, Herausgeber von Bestsellern wie Ken Folletts „Säulen der Erde“. Der börsennotierte Verlag hat inzwischen eine Fernsehproduktionsfirma und produziert Bücher, Computerspiele, E-Books und Apps. „Die Industrien vermischen sich“, sagt Katja Splichal, Vorstand bei Log.os, einem Berliner Literaturnetzwerk.

Das sind die zehn beliebtesten Bücher auf Facebook
Platz 10: Die Chroniken von Narnia (Clive Staples Lewis)Bereits über 100 Millionen Mal griffen Menschen zu den zwischen 1939 und 1954 veröffentlichten Fantasyromanen der siebenteiligen "Chroniken von Narnia". Die Abenteuer verschiedener Kinder und Erwachsener in der fiktiven Welt Narnia wurden bislang in 47 Sprachen übersetzt. Quelle: dpa
Platz 9: Der Fänger im Roggen (J.D. Salinger)Schon zehn Jahre nach der Erstveröffentlichung des "Fängers im Roggen" galt der Roman in den USA als "moderner Klassiker". Er erzählt die Geschichte des Schülers Holden Caulfield, der nach Problemen in der Schule von Zuhause wegrennt und drei Tage durch Manhattan irrt. Heute verkauft sich die Pflichtlektüre an zahlreichen US-Schulen jährlich etwa 250.000 Mal. Insgesamt ging Salingers Werk über 65 Millionen Mal über die Ladentheke. Quelle: AP
Platz 8: Die Tribute von Panem (Suzanne Collins)Die düstere Zukunftsvision  von Autorin Suzanne Collins ist ein Kassenschlager: Seitdem 2008 der erste Teil der Trilogie veröffentlicht wurde, haben sich ihre Bücher allein in den USA 65 Millionen Mal verkauft. Insgesamt wurden die "Tribute von Panem" in 51 Sprachen übersetzt. Bei diesem Erfolg griff Hollywood zu und verfilmte die Reihe. Im November wird der erste Teil der Filmversion des dritten Buches "Flammender Zorn" in den USA veröffentlicht, der zweite folgt ein Jahr später. Quelle: dapd
Platz 7: Per Anhalter durch die Galaxis (Douglas Adams)Obwohl offiziell eine Trilogie, schrieb Douglas Adams zwischen 1979 und 1992 vier Teile von "Per Anhalter durch die Galaxis". Der Erfolg der Reihe, die sich rund um die „Ultimative Frage des Lebens, des Universums und dem ganzen Rest“ dreht, motivierte Hollywood, 1981 eine Fernsehserie und 2005 einen Kinofilm herauszubringen. 2009 erschien mit Erlaubnis von Adams' Witwe die Fortsetzung "Und übrigens noch was..." von Eoin Colfer. Quelle: dpa
Platz 6: Die BibelDas schafft kein einzelnes Buch: Die jährliche Auflage der Bibel beträgt 29 Millionen, sie wurde komplett in 511 Sprachen übersetzt und zumindest teilweise in 2.650 Sprachen. Quelle: dpa
Platz 5: Stolz und Vorurteil (Jane Austen)In einer Umfrage der BBC erklärten die Briten "Stolz und Vorteil" zum beliebtesten Buch des vereinigten Königreichs. Der 1813 erstmals erschienene Liebes- und Gesellschaftsroman verkaufte sich weltweit bereits etwa 20 Millionen Mal und wurde zehn Mal verfilmt - zuletzt 2005 mit Keira Knightley. Quelle: AP
Platz 4: Der Hobbit (J.R.R. Tolkien)1937 veröffentlichte J.R.R. Tolkien erstmals die Vorgeschichte zur "Herr der Ringe"-Trilogie, die nach den Verfilmungen durch Regisseur Peter Jackson in den vergangenen Jahren hohe Popularität erlangte. Quelle: AP

Zunehmend verstehen sich Verlage als Rundum-Dienstleister für bestimmte Themen, beobachtet Berater Wattig. Sie verlegen nicht nur passende Bücher, sondern bieten auch Blogs, Veranstaltungen, Beratungen und Jobbörsen an – die ihnen Zusatzgeschäfte bescheren sollen. Und im Netz entstehen Plattformen, auf denen Leser diskutieren, Notizen hinterlassen, Geschichten weiterschreiben, kurz: Wissen teilen. Social Reading heißt das im Jargon.

Lernvideos ergänzen Schulbücher

Eine Verlagsmanagerin, die genau das jetzt umsetzt, ist Christine Hauck. Die 47-jährige Geisteswissenschaftlerin leitet beim Berliner Schulbuchverlag Cornelsen das Projekt Scook. Auf dieser Online-Plattform veröffentlicht ihr Haus seit Beginn des Schuljahres alle Lehrbücher parallel zur gedruckten Version.

„Lehrer, die ein passendes YouTube-Video zu ihrem Lehrstoff finden, teilen den Link über das Online-Portal mit ihren Schülern“, sagt Hauck. Die ihrerseits stellen sich dort gegenseitig interessante Studien, Berichte oder Bildmaterial für Hausarbeiten oder Referate bereit.

Parallel dazu erweitert Cornelsen selbst das multimediale Angebot der Plattform: Kürzlich erst kaufte sich das Unternehmen mit einer Minderheitsbeteiligung beim Berliner Bildungs-Start-up Sofatutor ein. Dessen unkonventionelle Lernvideos tauchen künftig neben traditionellem Lehrstoff bei Scook auf, genauso wie die vom staatlichen FWU Institut für Film und Bild.

Am Ende, so die Vision, entsteht ein Wissensnetz, für das der Verlag das inhaltliche und technische Gerüst liefert – und mit dem er Schulen enger an sich bindet.

Bücher entstehen heute so schnell wie nie

Aber auch das Tempo, in dem Bücher heute entstehen, nimmt zu. Seit Anfang des Monats erscheint beim traditionsreichen Hanser-Verlag jeden Montag ein E-Book im Mini-Format: meist nur 40 Seiten lang, schon ab 1,99 Euro zu haben.

Es sind Erzählungen, Essays, kürzere Sachbücher und ausführliche Reportagen renommierter Autoren wie T.C. Boyle, Philipp Blom, Henning Mankell. Ein fertiger Text steht nach nur drei Wochen im Shop – dadurch kann sich der Verlag auch in aktuelle Diskussionen wie das transatlantische Freihandelsabkommen einmischen.

Streitpunkte beim TTIP

Die Kunst besteht darin, auch mit solchen kurzen Publikationen genügend Gewinn einzufahren. Eine, der das gelingt, ist Beate Kuckertz. In der Münchner Max-Joseph-Straße, nur Steinwürfe entfernt von Königs- und Promenadenplatz, führt die Gründerin den hierzulande wohl erfolgreichsten reinen E-Book-Verlag.

Bücher schon ab 99 Cent

Vor gerade zwei Jahren gegründet, hat Dotbooks heute mehr als 800 elektronische Titel von mehr als 400 Autoren im Angebot, darunter bekannte Namen wie Wolfgang Hohlbein mit seinen Fantasy-Geschichten und Hera Lind mit ihren Frauenromanen. Vor Kurzem hat Kuckertz ihr Personal auf zehn fest angestellte Mitarbeiter verdoppelt. Und sie will weiter expandieren. Im vergangenen November erreichte das Start-Up die Gewinnzone.

Das Erfolgsrezept der Münchner: geringe Kosten, schnelle Entscheidungen – und kleine Preise. Bücher gibt’s ab 99 Cent; bei einer mehrteiligen Thriller-Serie wie „Tödliche Distanz“ von Jochen Frech verschenkt Kuckertz aber auch schon mal Teil eins als Köder.

Im Schnitt zahlen die Kunden 5,99 Euro für den Download eines 300-Seiten-Romans – und damit weniger als für ein gedrucktes Taschenbuch. „Die Taschenbuch-Umsätze sind in den USA in den vergangenen Jahren um fast 60 Prozent eingebrochen“, erzählt Kuckertz. Für sie ist es nur eine Frage der Zeit, bis „dieser Trend auch den deutschen Markt erreicht“.

Das könnte schnell kommen. Denn auch der Verkauf von Büchern verändert sich massiv. Daran arbeitet gerade ein Start-Up in Düsseldorf.

Der Handel: All you can read - per Flatrate in den Leserausch

Der Mann, der den Konsum von Literatur neu erfinden will, hat nicht ein einziges Buch auf dem Schreibtisch; Papierstapel häuft er nur an, um damit seinen Bildschirm aufzubocken: Frank Großklaus, 44, drahtige Figur, wirkt nicht wie einer, der beruflich viel mit Literatur zu tun hat. Und doch will er bald zu den großen Buchhändlern in Deutschland aufsteigen.

Ende September hat sein Start-up Readfy einen digitalen Buchladen eröffnet. Der ist so radikal anders, dass es altgediente Vertreter des Gewerbes grausen muss: Großklaus verkauft Bücher nicht an seine Kunden, er leiht sie ihnen. „Wir überlassen Ihnen einen Katalog im Wert von Hunderttausenden Euro“, sagt Großklaus, „und zwar kostenlos.“

Die Smartphone-App von Readfy enthält 25.000 Titel – Romane und Sachbücher, Schmonzetten und Krimis. Nur wenige Bestseller sind darunter, aber die Düsseldorfer bauen den Bestand aus. Zahlen muss der Leser am Ende doch – mit Aufmerksamkeit: Hin und wieder blendet die App Werbung ein. Wer die nicht sehen will, kann bald auch ein Abo abschließen. „Wir sind wie Spotify, die Musik-Flatrate“, sagt Großklaus, „aber jetzt mit Büchern.“

Illegale Tauschbörsen für Bücher boomen

Das Unterfangen der Düsseldorfer zeigt, wie radikal einfach es die Digitalisierung macht, Bücher zu vertreiben: Die Kosten für Apps und Online-Speicher sind minimal im Vergleich zu Bänden aus Papier. Längst zirkulieren Millionen Werke in illegalen Tauschbörsen.

Damit steht die Literaturindustrie vor dem gleichen Problem wie die Musikbranche vor einem Jahrzehnt – bis sie die Digitalisierung ihrer Angebote startete. Mit Erfolg. Schon in fünf Jahren dürften 70 Prozent der Einkünfte der Musikindustrie aus digitalen Streamingangeboten stammen, prognostiziert der britische Marktforscher Mark Mulligan.

Klappt das auch mit Büchern? Eine ganze Reihe von Start-ups ist davon überzeugt. Sie bieten E-Books per Flatrate an, darunter Scribd, Oyster und 24symbols. Der größte Abodienst weltweit ist Amazons Kindle Unlimited – mit mehr als 700.000 Titeln in den USA, die es für 9,99 Dollar pro Monat gibt. Ausgedruckt würde diese Menge Bücher sieben Jumbo-Lkws füllen. In Deutschland führt Skoobe mit 65.000 Titeln.

„Wir glauben, mit Flatrates neue Kunden erreichen zu können“, sagt Frank Sambeth, Chef von Random House Deutschland, einem der Investoren von Skoobe. Er denke dabei an Nutzer von Bibliotheken oder Techies, die per Smartphone zum ersten Mal mit Literatur in Kontakt kommen. Auch mancher Buchpirat könnte von Raubkopien auf günstige legale Angebote umsteigen.

Das Ende des gedruckten Buches?

„Dienste wie Netflix und Spotify zeigen, dass es einen Bedarf an solchen Modellen gibt“, sagt Branchenkenner Wattig. Readfy-Chef Großklaus rechnet gar damit, dass schon in fünf Jahren mehr als die Hälfte der Umsätze mit E-Books über Flatrates generiert werden. „Die Idee, Inhalte zu besitzen, könnte bald schon als ein Relikt einer Ära erscheinen, in der Informationen knapp waren“, prophezeiten unlängst die Experten des US-Marktforschers Book Industry Study Group in einer Studie.

Ob Autoren und Verlage davon auch leben können, wird eine Frage der Preisverhandlungen sein. Für kleine Verlage und wenig bekannte Autoren, so die Marktforscher, könnten Bücherabos bald der einzige Weg sein, noch ihre Leser zu finden.

Die Leser: Vermessung des Bildungsbürgers

Eines ist sicher: Die Digitalisierung macht uns nicht zu Analphabeten. Wenn jedes geschriebene Buch nur einen Mausklick entfernt ist, könnte das die Leselust sogar steigern. Wer will, kann mal eben ein Kapitel aus Max Schelers „Die Stellung des Menschen im Kosmos“ studieren. „Das Risiko fällt weg, viel Geld für ein Buch auszugeben, das nicht gefällt“, sagt Verlagsberater Wattig. Der Flatrate-Anbieter Skoobe hat gerade seine Kunden befragt, wie das Abo ihr Lektüreverhalten ändert: 84 Prozent der Leser probieren neue Autoren aus, 75 Prozent vergraben sich in Bücher, die sie sich sonst nicht gekauft hätten.

Der Mainzer Buchwissenschaftler Stephan Füssel hat sogar herausgefunden, dass Menschen auf Tablets schneller lesen können als auf dem Papier. „Die Display-Beleuchtung macht die Schrift besser erkennbar“, erklärt er. Trotzdem merkten sich seine Probanden genauso viele Fakten aus den Texten.

Angst vor Überwachung wächst

Die Infoflut weckt aber auch Ängste. Mit der multimedialen Informationsverdichtung, warnt der New Yorker Medientheoretiker Douglas Rushkoff, wachse die Gefahr der Überforderung, der Fixierung auf die Gegenwart. Wir würden unbegrenzten Zugang zu Informationen haben, aber nicht mehr im Gespräch mit Autoren, Büchern und Texten der Vergangenheit sein.

Die meisten Leser seines Werkes, schreibt Rushkoff in seinem Buch „Present Shock“, werden es allenfalls quer oder auszugsweise lesen, vielleicht auch seine Hauptaussage zur Kenntnis nehmen, sich aber schnell wieder anderen Unterhaltungsquellen zuwenden.

Auch die Sorge vor Überwachung wächst. Amazon, Barnes&Noble, Google oder Apple wissen über die jeweiligen Kundenkonten nicht bloß, wie viele digitale Bücher der Käufer besitzt, aus welchen Genres diese Werke stammen, wie oft er nachkauft oder welche Autoren er besonders mag. Die Konzerne können über die Apps auf den Kindles, Nooks, iPads oder Smartphones auch nachverfolgen, ob die Leser die Werke tatsächlich konsumieren, wann sie das tun, auf welchem Gerät, ob sie Passagen digital angestrichen und die Bücher auch zu Ende gelesen haben. Beim Schmökern sind wir nicht mehr allein.

"Buchdruck in den Ruhestand schicken"

Autoren können daraus schließen, wie sie ihre Bücher verfassen müssen, um Erfolg zu haben. Werbeagenturen können Leser derweil mit maßgeschneiderten Anzeigen versorgen.

Der Bildungsbürger der Zukunft, so viel lässt sich erahnen, wird nicht mehr vor gut gefüllten Wohnzimmerregalen stehen, um den stillen Applaus der Gäste für seine erlesene Buchsammlung entgegenzunehmen. Er wird sich eher mit seinen Freunden über Ranglisten von Amazon und Co. messen, auf denen verzeichnet ist, welche Bücher er wie lange und bis zu welcher Stelle gelesen hat.

In Arbeit
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Wattpad-Gründer Lau sieht das gelassen. Für ihn bricht das Zeitalter des massenhaften digitalen Literaturkonsums an. Johannes Gutenbergs Erfindung des Buchdrucks mit beweglichen Lettern sei bereits 500 Jahr alt, konstatiert Lau. Es sei jetzt Zeit, sie in den Ruhestand zu schicken.

Bedeutet das nun das Ende des gedruckten Buches? Dagegen spricht: Noch immer werden Schallplatten produziert, hat das Fernsehen nicht das Radio abgelöst. Genauso wird es auch künftig prächtig ausgestattete Bildbände oder liebevoll gestaltete Gedichteditionen geben.

Aber das Internet senkt die Hürden, Bücher zu schreiben, zu verlegen – und zu etwas noch nie Gekanntem zu machen.

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