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Dinosaurier des Jahres 2011 Nabu vergibt Schmähpreis an Aida und Tui

Schwarze Brise, Fenster zu, das Traumschiff kommt: Für ihre "luftverpestenden Schiffe" ehrt der Naturschutzbund Deutschland die Kreuzfahrtkonzerne Aida und Tui Cruises mit dem peinlichsten Umweltpreis des Landes.

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Von wegen Traumschiff: Der Negativpreis

Düsseldorf Der Naturschutzbund Deutschland (Nabu) hat Deutschlands peinlichsten Umweltpreis in diesem Jahr an die Kreuzfahrtunternehmen Aida und Tui Cruises verlieren. "Ihre angeblich 'Weißen Flotten' sind in Wahrheit dreckige Rußschleudern, denn die Kreuzfahrtschiffe fahren auf hoher See immer noch mit giftigem Schweröl", erklärte Nabu-Präsident Olaf Tschimpke am Mittwoch. "Damit stößt ein einziger Ozeanriese auf einer Kreuzfahrt so viele Schadstoffe aus wie fünf Millionen Pkw auf der gleichen Strecke. Die Gefahren für die Umwelt und die Gesundheit der Menschen ließen sich leicht vermeiden, aber aus Profitgier verweigern die deutschen Reeder bislang die Verwendung von Schiffsdiesel und den Einbau von Abgastechnik wie etwa Rußpartikelfilter."

Stellvertretend für die gesamte Hochseeschifffahrt verleiht die Organisation den "Dinosaurier des Jahres 2011" an Michael Thamm, Präsident Aida Cruises, und Richard J. Vogel, Vorsitzender Tui Cruises. "Sie sind die Speerspitze der überaus lukrativen deutschen Kreuzschifffahrt. Sie dekorieren ihre Schiffe mit schönen Schlagworten wie Wohlfühlen, Fahrtwind und Seeluft - aber aus den Schornsteinen ihrer Luxusliner kämen enorme Mengen giftiger Schadstoffe. Von wegen Seeluft und Traumschiff! Für Küsten- und Hafenbewohner und die Umwelt sind sie der reinste Albtraum", betonte Tschimpke.

Die prominentesten "Dinosaurier des Jahres"
2012: Ilse AignerDie äußerst zweifelshafte Ehre, zum "Dinosaurier des Jahres 2012" ernannt zu werden, wurde Bundeslandwirtschaftsministerin Ilse Aigner zuteil. Die Ministerin widerspreche mit ihrer rückwärtsgewandten Klientelpolitik einer nachhaltigen und zukunftsfähigen Politikgestaltung. "Dies betrifft insbesondere ihr Festhalten an einer umweltschädlichen Agrarpolitik und ihr enttäuschendes Engagement für ein besseres Tierschutzgesetz", sagte NABU-Präsident Olaf Tschimpke. Auch in puncto Jagdrecht und Fischerei habe Aigner versagt. Tschimpke kritisierte, dass jedes Jahr rund 57 Milliarden Euro gießkannenartig in die europäische Landwirtschaft fließen und damit immer noch Betriebe gefördert werden, die durch großflächigen Maisanbau, Pestizideinsatz und Massentierhaltung der Umwelt schaden. "Frau Aigner muss sich endlich für einen Kurswechsel in der Agrarpolitik einsetzen. Es reicht nicht aus, dass die Landwirte nur Nahrungsmittel erzeugen, sie müssen dabei auf die Wasserqualität und den Klimaschutz achten und die Artenvielfalt erhalten. Steuergelder müssen an konkrete Leistungen im Natur- und Umweltschutz geknüpft werden", so der NABU-Präsident. Quelle: Presse
NABU-Präsident Olaf Tschimpke vergibt den Dinosaurier des Jahre 2011 an AIDA und TUI Quelle: dapd
RWE-Chef Jürgen Großmann Quelle: dpa
Ifo-Chef Prof. Hans-Werner Sinn Quelle: AP
Der ehemalige Bundeswirtschaftsminister Michael Glos Quelle: dpa
Der ehemaliger Air Berlin-Chef Joachim Hunold Quelle: dpa
Harry Roels Quelle: AP

Tatsächlich ließen sich laut Naturschutzbund die bedrohlichen Emissionen eines Schiffs sehr leicht durch die Umstellung von Schweröl auf schwefelarmen Schiffsdiesel und eine geringere Fahrtgeschwindigkeit verbessern: "So lassen sich Schwefeldioxid und Feinstaub um bis zu 90 Prozent reduzieren, und der Ausstoß von klimaschädlichen Rußpartikeln verringert sich um mehr als 40 Prozent", erläuterte Dietmar Oeliger, Leiter der Nabu-Verkehrspolitik. "Aida und Tui übertrumpfen sich mit aufwendigster Unterhaltung an Bord, nichts ist zu teuer für Restaurants, Wellness und Casinos - aber für einen Rußpartikelfilter ist angeblich kein Geld da.. Das ist Heuchelei!", kritisierte Tschimpke.

Mit der Kampagne "Mir stinkt's! Kreuzfahrtschiffe sauber machen!", will der Nabu Kreuzfahrt-Kunden aufklären und die Reeder zur Einhaltung von Umweltstandards verpflichten. Im vergangenen Jahr wurde RWE-Chef Jürgen Großmann ausgezeichnet, weil dieser sich vehement für eine Laufzeitverlängerung der Kernkraftwerke eingesetzt hatte.

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