Discount-Riese Aldi Süd führt nach Misshandlungsvorwürfen Ombudsmann ein

Der Discount-Riese Aldi Süd hat nach dem Auffliegen eines Missbrauchskandals einen Ombudsmann eingesetzt. Ein „Vertrauensanwalt“ hat seine Arbeit Anfang Oktober im Zentrallager in Mahlberg aufgenommen.

Wer hinter No-Name-Produkten steckt
Ostmann-GewürzeMartina Schneider, Autorin des Buches "Welche Marke steckt dahinter?", schreibt, dass sich die Billig-Klone der Markenprodukte für die Unternehmen lohnen: Sie können ihre Produktionskapazitäten voll ausschöpfen und haben ein zweites Standbein. Allerdings sind die Billigmarken, oft auch vertrieben durch Tochterunternehmen, nicht das Lieblingsthema der Unternehmen. Die Gefahr, dass die Kunden statt auf das Original auf die billige Kopie zurückgreifen, ist zu hoch. So spart ein Kunde, der Kräuter oder Gewürze der Marke Basta kauft, 80 Prozent gegenüber den Ostmann-Gewürzen. Dabei kommen die Würzmischungen aus dem gleichen Haus. Einziger Unterschied: Verpackung und Preis. Basta-Gewürze werden übrigens bei der Supermarktkette Norma vertrieben. Quelle: Screenshot
Gallo Cabernet SauvignonÄhnlich hoch ist die Ersparnis für Kunden, die statt dem "Gallo Cabernet Sauvignon" auf den Wein der Marke "Burlwood Cabernet Sauvignon" bei Aldi kaufen. Der Wein stammt vom selben Familienunternehmen in Californien, kostet bei Aldi aber rund 70 Prozent weniger.
ZentisDer Marmeladen- und Konfitürenhersteller Zentis produziert auch für die Rewe-Marke "Ja!". Kunden, die zur Ja!-Marmelade oder Schokocreme greifen, bezahlen für das gleiche Markenprodukt also deutlich weniger. Der Grund für die krassen Preisunterschiede ist die starke Marktposition der Discounter gegenüber den Herstellern. Aldi, Rewe und Co können Unternehmen wie Zentis zwar nicht den Preis für die hauseigenen Marken, wohl aber den Preis für die Billigmarmelade vorschreiben. Quelle: dpa/dpaweb
ToastSo kostet das Label Golden Toast von Lieken rund 59 Prozent mehr als das Lidl-Produkt "Grafschafter Butter Toast" der Firma Kornmark - dabei ist Kornmark eine Tochterfirma von Lieken. Es handelt sich also um dasselbe Weißbrot. Unter dem Namen "Mühlengold Buttertoast" verkauft die Firma Lieken ihren Toast übrigens auch beim Discounter Aldi. Quelle: Screenshot
Dickmann'sAuch das Unternehmen Storck produziert seine "Super Dickmann's" und "Schokostrolche" nicht nur unter dem eigenen Label. Das Aldi-Produkt "Scholetta Mini Schokoküsse" kommt aus der gleichen Fabrik wie alle anderen Storck-Süßigkeiten. Zu denen gehören neben Dickmann's übrigens auch Nimm2, Werther's Echte und Storck Riesen. Quelle: Screenshot
Leibniz-Kekse & CoAuch die Firma Bahlsen produziert zweigleisig: Hinter Aldis "Van Botta Keksen" versteckt sich der "Leibniz"-Keks, die "Bahlsen Waffeletten" tarnen sich beim Discounter als "Favorini Zartes Waffelgebäck" und auch die billigen Schoko-Waffelröllchen der Firma Choco Bistro stammen aus dem Hause Bahlsen. Quelle: dpa
Müller MilchreisGleiches gilt für den Milchreis der Firma Müller, der getarnt als "Gut und Günstig" bei Kaufland im Regal steht. Und auch bei Aldi gibts den Original Müller Milchreis unter anderem Namen zu kaufen - zum halben Preis. Quelle: Screenshot

Vor einem Monat war der Vorwurf gegen Aldi-Mitarbeiter erhoben worden, sie hätten in Mahlberg missliebige Nachwuchskräfte mit Frischhaltefolie an Pfosten gefesselt und im Gesicht mit Filzstiften beschmiert. Das Unternehmen hatte die Vorwürfe im Wesentlichen bestätigt. Die Staatsanwaltschaft Freiburg ermittelt wegen des Verdachts der Körperverletzung, Freiheitsberaubung und Nötigung.
Mitarbeiter hätten nun die Möglichkeit, „bei Unstimmigkeiten oder Problemen“ den Ombudsmann zu kontaktieren, zitierte das Magazin Aldi Süd. So könne es für die Angestellten sinnvoll sein, „bei vermuteten Verstößen gegen Arbeitssicherheitsrichtlinien, bei Fehlverhalten von Vorgesetzten, Mobbing, Diebstahl oder Unterschlagung mit dem Vertrauensanwalt Kontakt aufzunehmen“. Betriebsräte gebe es nicht.

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Der Vertrauensanwalt biete als neutrale Kontaktstelle einen „rechtlich geschützten Raum.“ Dem „Spiegel“ zufolge bestreitet Aldi allerdings einen Zusammenhang zwischen dem Ombudsmann und den Vorkommnissen in Mahlberg.
Aldi hatte nach Bekanntwerden der Vorwürfe erklärt: „Zu unserer Bestürzung hat sich durch interne Recherchen gezeigt, dass das beschriebene Geschehen in seiner Kernaussage der Wahrheit entspricht.“ Die leitenden Verantwortlichen und die aktiv Tatbeteiligten seien zur Rechenschaft gezogen worden. Der Fall hatte auch bei der Gewerkschaft Verdi für Empörung gesorgt.

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