Discounter Aldi Nord und Süd bleiben getrennt

Bei Aldi bleibt alles wie es ist: Aldi Nord und Aldi Süd bleiben getrennte Discounter. Quelle: dpa/Montage

Eine engere Kooperation zwischen Aldi Nord und Süd im Einkauf schürt Fusionsfantasien. Doch die Unternehmen widersprechen: eine Wiedervereinigung des Doppel-Discounters steht nicht zur Debatte.

Der Aldi-Äquator ist legendär, ganze Bücher und reihenweise Zeitungsartikel wurden über jene gedachte Linie verfasst, die das Aldi-Reich in Nord- von Südhemisphäre trennt. Mitten durch Hessen und Nordrhein-Westfalen verläuft die Grenze zwischen den Hoheitsgebieten der beiden selbständig agierenden Unternehmen: Im Norden und Osten finden sich die Filialen mit dem blau-roten Logo auf weißem Grund, im Süden und Westen die mit dem blau-orangen Logo. So ist es seit der Aufspaltung 1961. Und so wird es - allen Spekulationen und Schlagzeilen zum Trotz – wohl auch in den kommenden Jahren bleiben.

In einer Stellungnahme zu einem Bericht des „Manager Magazins“ betonen Aldi Nord und Süd, dass „eine Fusion“ weder „geplant noch beabsichtigt“ sei. Das Blatt hatte zuvor über Pläne der Discounter berichtet, ihre bereits bestehende Einkaufskooperation weiter auszubauen und eine Zusammenlegung des Einkaufs und diverser anderer Abteilungen wie Logistik, Werbung, Qualitätswesen oder Corporate Responsability zu prüfen. Langfristig könnten die Discounter „zu einem Konzern verschmelzen“, so die Schlussfolgerung, die die Unternehmen nun zurückweisen.

Die Schwesterunternehmen würden „traditionell schon immer sehr eng“ zusammenarbeiten, heißt es in Mülheim und Essen. Tatsächlich sind die Unternehmen trotz rechtlicher Trennung eng verbandelt und werden als gemeinsames Billigbollwerk wahrgenommen. In den vergangenen Jahren stieg der Absprachebedarf noch - zwangsläufig.

So setzen beide Unternehmen seit 2016 auf gemeinsame Fernsehkampagne, um ihr Publikum zu erreichen. Auch bei der Beschaffung und Bewerbung von Aktionswaren im Nonfood-Geschäft gehen Nord- und Südstaatler seit Jahren gemeinsame Wege. Durch die Einlistung zahlreicher Markenartikel in den vergangenen Jahren halten die Aldi-Granden nun offenbar auch eine Kooperation in diesem Segment für sinnvoll. Jobs sollen dabei indes nicht wegfallen.

Womöglich noch wichtiger: Eine Feinabstimmung im Einkauf gilt in der Branche auch als Voraussetzung für den Aufbau eines Online-Shops für Nonfood-Artikel. Bislang verzichten sowohl Aldi Süd als auch der Norden auf einen Webshop, wie ihn etwa der Rivale Lidl anbietet. Intern werden vor allem die unterschiedlichen Sortimente als Hemmnis angeführt. Über eine Harmonisierung, die im Einkauf beginnt, ließe sich das nach und nach ändern.

Von einer Zusammenlegung blieben die Unternehmen aber auch damit weit entfernt, zumal die bei allen Reibungsverlusten in der Vergangenheit durchaus auch Vorteile brachte.

So sieht Aldi Nord bald aus
Aldi Nord Männer an der Fassade Quelle: Marcus Simaitis für WirtschaftsWoche
Aldi Nord Männer mit Paletten Quelle: Marcus Simaitis für WirtschaftsWoche
Aldi Nord Mann in der Backabteilung Quelle: Marcus Simaitis für WirtschaftsWoche
Aldi Nord Obst- und Gemüseabteilung Quelle: Marcus Simaitis für WirtschaftsWoche
Aldi Nord Quelle: Marcus Simaitis für WirtschaftsWoche
Aldi Nord Kühltheke Quelle: Marcus Simaitis für WirtschaftsWoche
Aldi Nord Einkaufswagen Quelle: Marcus Simaitis für WirtschaftsWoche

Anfang der Sechzigerjahre konnten sich die Albrecht-Brüder angeblich nicht darüber einigen, ob Zigaretten ins Sortiment gehören oder nicht. Karl schlug eine Trennung vor. Nach ein paar Tagen Bedenkzeit willigte Theo ein, Aldi wurden aufgeteilt. Wie den Heimatmarkt steckten die Brüder später auch ihre Claims weltweit ab. Die Märkte in den USA, der Schweiz und Österreich fielen an Karl. Frankreich, Spanien und Polen werden dagegen von Aldi Nord aus Essen gesteuert. Zudem betreiben die Essener in Amerika die Handelskette Trader Joe's.

Die frühe Grenzziehung tat dem Erfolg keinen Abbruch. Im Gegenteil: Die brüderlichen Unternehmen haben sich im lockeren Verbund wohl besser entwickelt, als es unter einem starren Dach je möglich gewesen wäre. Streitigkeiten, Kompetenzgerangel oder wachsweiche Kompromisse wurden vermieden, der Wettbewerb untereinander angestachelt. Schwer vorstellbar, dass das nun ohne Not geändert wird.

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