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Discounter-Expansion Aldis „America first“-Strategie

Exklusiv
Aldis US-Geschäft könnte bereits im kommenden Jahr die Umsätze im Heimatmarkt übertreffen. Quelle: imago images

Zum 100. Geburtstag des 2014 verstorbenen Aldi-Gründers Karl Albrecht schickt sich der Discounter an, die USA zu erobern. Schon im kommenden Jahr dürfte der US-Markt mehr Umsatz einspielen als das Heimatgeschäft.

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Aldis US-Geschäft könnte bereits im kommenden Jahr die Umsätze im Heimatmarkt übertreffen. Das zeigt eine Prognose des Marktforschers Edge by Ascential, die der WirtschaftsWoche vorliegt. Demnach dürften Aldi Nord und Süd in diesem Jahr Bruttoumsätze von zusammen rund 31,1 Milliarden Euro in Deutschland und umgerechnet 30,1 Milliarden Euro in den USA erzielen. 2021 dürfte dann der „Zeitpunkt erreicht“ sein, ab dem das US-Geschäft vorne liegt, sagt Boris Planer, Chefökonom von Edge by Ascential. Die Bruttoerlöse von Aldi würden seinen Daten zufolge bis dahin auf 31,5 Milliarden Euro in Deutschland und 32,4 Milliarden Euro in den USA steigen.

Der Überholmanöver zeigt, dass für das Discountimperium der Heimatmarkt zwar von zentraler Bedeutung bleibt, aber kein großer Wachstumstreiber mehr ist.

Als Karl und Theo Albrecht nach dem Zweiten Weltkrieg in Essen das elterliche Lebensmittelgeschäft übernahmen, sah das noch ganz anders aus. Theo und sein 2014 verstorbener Bruder Karl, der am 20. Februar 100 Jahre alt geworden wäre, stellten als erste Händler den Preis ins Zentrum ihrer Geschäftsidee. Damit trafen sie in den 60er Jahren den Nerv der Kundschaft. Sie zogen den damals gesetzlich erlaubten Rabatt von drei Prozent von vornherein ab. Zudem strichen sie das gesamte Warensortiment rigoros zusammen und sparten an allem, was unnötige Kosten verursachte.

Der Discount-Handel war erfunden, wurde von den Markenherstellern und etablierten Händlern aber bekämpft. Bis in die frühen 70er Jahre verteidigten sie die sogenannte Preisbindung der zweiten Hand für Lebensmittel und Getränke, die es dem Handel untersagte, seine Preise selbst festzulegen.

Aldi wurde wegen seiner Discountangebote von der Markenartikelindustrie nicht beliefert. Deshalb war das Unternehmen gezwungen, eigene Marken zu entwickeln und zu verkaufen. Als die gesetzliche Preisbindung 1974 schließlich kippte, konnten Händler auch Herstellermarken günstig verkaufen, was den Weg für den Einstieg weiterer Discounter wie Lidl und Penny ebnete.

Während sich in anderen Ländern Anbieter mit dem größten Sortiment oder dem besten Service durchsetzen konnten, etablierte sich in Deutschland eine Handelskultur, die vor allem auf Effizienz ausgerichtet ist und auf Niedrigpreise setzt.

Gerade wenn Konsumenten in wirtschaftlicher Krisensituation sparen müssen, bieten sich damit Expansionschancen für den Discountprimus. Die nutzte Aldi nach Kräften - beziehungsweise: beide Aldis. Denn 1961 teilten die beiden Albrecht-Brüder ihr Reich auf. Es entstanden die rechtlich eigenständigen Unternehmen Aldi Nord mit Theo Albrecht an der Spitze und Aldi Süd geführt von Karl Albrecht.

Aldi in den USA

Die Grenze, der sogenannte Aldi-Äquator, verläuft quer durch Hessen und Nordrhein-Westfalen und scheidet die rund 1900 Süd- und knapp 2200 Nord-Filialen in Deutschland. Auch im Ausland gingen die Aldis getrennte Wege.

1967 übernahm Karl Albrecht mit Aldi Süd in Österreich die Hofer-Kette. In den 70er Jahren folgte Theo mit Belgien und den Niederlanden. 1976 wagte Karl die Atlantikquerung und startete in den USA. 1977 war wieder Theo dran: mit Dänemark. Ein Jahr später übernahm er den US-Filialisten Trader Joe‘s und baute ihn zu einer Feinkostkette aus. Nur gemeinsam kommen Aldi Nord und Süd in den USA auf jene 30,1 Milliarden Euro, die die Marktforscher jetzt prognostizieren.

Vor allem die Expansion von Aldi Süd in den USA dürfte dazu führen, dass die Umsätze in den kommenden Jahren weiter steigen: 2022 auf 34,5 und 2024 bis auf 38,4 Milliarden Euro. Der Abstand zum Heimatmarkt dürfte dann mehr als 5 Milliarden Euro betragen.

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