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dm-Drogeriemarkt Die 5 Stärken des Drogerieimperiums - und seine Schwäche

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Wo es bei dm Probleme gibt

Angesichts solcher Zuschreibungen, die im Bewusstsein zahlreicher Kunden fest verankert sind, dürfte das Unternehmen wohl auch in den kommenden Jahren auf Erfolgskurs bleiben. Tatsächlich jedoch gibt es eine Schwachstelle in der dm-Strategie.

Zu wenig Online-Engagement

So erfolgreich dm im stationären Geschäft ist, so sehr hielt sich das Unternehmen lange Zeit online zurück. Erst vor zwei Jahren hat das Unternehmen einen Online-Shop gestartet. „Wir werden das Onlinegeschäft nicht über das stationäre Geschäft subventionieren“, lautet seither die interne Devise.

Die Folge: Artikel können zwar kostenfrei in die nächstgelegene Filiale bestellt werden, für den Versand nach Hause verlangt dm aber eine Liefergebühr von 4,95 Euro. Wer es wagt, Produkte zu bestellen, die insgesamt mehr als 25 Kilo wiegen oder ein Volumen von 136 Litern sprengen, dem werden weitere 4,95 Euro in Rechnung gestellt. Schließlich wird dann „ein weiteres Paket benötigt“, heißt es auf der Homepage. Mehr bestellen, mehr für den Versand bezahlen?

Bei der Konkurrenz läuft das bereits deutlich kundenfreundlicher. So hat dm-Wettbewerber Rossmann vor wenigen Wochen einen Pakt mit dem US-Versandgiganten Amazon geschlossen. Deos, Duschgel und rund 5000 weitere Artikel aus dem Rossmann-Sortiment können Kunden in Berlin nun über Amazons Schnelllieferdienst Prime Now ordern. Sukzessive könnte die Kooperation ausgebaut werden. Bei dm wird das neue Bündnis zwischen Rossmann und Amazon „sehr interessiert und aufmerksam“ beobachtet, sagte Christoph Werner jüngst der WirtschaftsWoche.

Trotzdem sieht er dm nicht unter Zugzwang. Kooperationen mit großen Marktplätzen wie Amazon seien in Deutschland und Europa derzeit nicht geplant, sagt Werner. Der dm-eigene Onlineshop würde sich „sehr positiv“ entwickeln. Doch ob das auf Dauer ausreicht, scheint fraglich.

Neben Amazon entdecken gerade auch andere Online-Player den Kosmetik- und Drogeriebereich als neues Spielfeld, auch die großen Marken drängen ins Netz. So will der Online-Händler Zalando ab kommenden Frühjahr neben Mode auch Schönheitsprodukte verkaufen: "Der Einstieg in den Beauty-Markt ist für uns der nächste logische Schritt und spiegelt die Wünsche unserer Kunden wider", sagte Co-Vorstandschef Rubin Ritter bei der Vorlage der Geschäftszahlen zum dritten Quartal. Zunächst soll es das Angebot in Deutschland geben, weitere Länder sollen folgen.

Das Online-Geschäft stecke in diesem Marktsegment noch in den Kinderschuhen, sagte Ritter. Das Geschäft mit Schönheitsartikeln sei größtenteils noch stationär, es gebe keinen dominanten Online-Händler. "Daher gibt es viel Entwicklungspotenzial".

Auch der Versandhändler Otto.de will in diese Lücke vorstoßen und verkündete zeitgleich zu Zalando den Ausbau seines Beauty-Sortiments und eine Kooperation mit dem Hersteller L'Oréal. Ziel sei es, „künftig mehr Drogerie- und Kosmetikartikel“ anzubieten, „auch um die Einkaufsfrequenz unserer Kunden zu steigern“, sagte Otto-Konzernchef Alexander Birken im Interview mit der WirtschaftsWoche. „Eine Schrankwand oder ein Sofa kauft man alle paar Jahre, Duschgel und Waschpulver alle paar Wochen“, so Birken.

Für dm heißt das: Neue, finanz- und technologiestarke Wettbewerber betreten die Bühne. Vielleicht ist die Situation ein wenig mit den Siebziger Jahren vergleichbar, als die Drogeriepioniere Werner und Dirk Roßmann damit begannen, den Markt aufzurollen.

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