Dm und Rossmann Wie Deutschlands Drogisten das Ausland erobern

Regelmäßig verkünden die Drogeriemarktketten dm und Rossmann neue Umsatzrekorde. Nicht nur in Deutschland dominieren sie das Geschäft mit Shampoo, Spüli und Schminke.

Dm-Markt in Budapest. Wachstum und Verbreitung deutscher Drogerie-Unternehmen im europäischen Ausland. Quelle: imago

Die jüngste Expansion des Karlsruher Drogerieunternehmens dm erfolgte unfreiwillig: In einem Shoppingcenter in der nordostchinesischen Stadt Shenyang tauchte im September eine dm-Filiale auf und sorgte selbst in der Unternehmensspitze in Karlsruhe für Verwunderung: "Wir betreiben keine dm-Märkte in China“, sagte dm-Chef Erich Harsch damals der WirtschaftsWoche.

Der vermeintliche Auslandsshop war schlicht eine dreiste Kopie. Der WirtschaftsWoche-Bericht über die Filialfälschung sorgte weltweit für Aufsehen – und selbst in China für Diskussionen. In der Folge gaben die chinesischen Imitatoren ihre Filialpläne wieder auf.

Doch auch ohne China-Shop lohnt ein Blick auf das Auslandsgeschäft des deutschen Drogerie-Primus' dm und seines engsten Verfolgers Rossmann. Denn ähnlich wie die Lebensmitteldiscounter Aldi und Lidl sind die beiden Drogerie-Rivalen in den vergangenen Jahren jenseits der deutschen Grenzen kräftig gewachsen. Damit trägt auch das Auslandsgeschäft dazu bei, dass der Siegeszug der Drogisten weitergeht und die Unternehmen in schöner Regelmäßigkeit neue Bilanzrekorde verkünden können.

Die größten Drogerieketten in Deutschland

Beim badischen Shampoo- und Seifenkönig dm war es diesen Donnerstag wieder so weit: dm-Chef Harsch sprach vom „bisher erfolgreichsten Geschäftsjahr“. In den 3224 dm-Märkten setzte das Unternehmen 2014/15 rund 9,1 Milliarden Euro um. Mehr als 20 Prozent zum Gesamtumsatz hat das internationale Geschäft 2014/15 beigesteuert. Erstmals konnten die Karlsruher im Ausland sogar die Marke von zwei Milliarden Euro Umsatz knacken. Damit hat sich der internationale Umsatz seit 2009/10 um exakt 500 Millionen Euro erhöht. Die Zahl der ausländischen Filialen stieg in dem Zeitraum von 1166 auf 1480.

Wachstumspotenzial

Mittlerweile ist dm neben dem deutschen Heimatmarkt in elf Ländern - vor allem in Ost- und Südosteuropa - aktiv, darunter Ungarn, Tschechien und Kroatien. Die südlichsten Filialen hat dm seit 2012 in Mazedonien eröffnet. Der wichtigste Auslandsmarkt ist zugleich auch der älteste.

Deutsche Drogeristen in Europa



Die Karte zeigt die Vebreitung der Drogeristen dm, Rossmann und Müller in Europa

Daten: Unternehmen // Stand: Anfang 2015



Seit 1976 ist dm in Österreich präsent und betreibt dort 388 Filialen. Damit gebe es in der Alpenrepublik zwar nur noch relativ wenig Potenzial für zusätzliche Filialen, räumte dm-Logistikgeschäftsführer Christian Bodi ein. Doch in anderen Ländern sehe das anders aus. Wohl auch deshalb will dm zunächst keine neuen Länder erobern, sondern das bestehende Netz verdichten und im Kernmarkt Deutschland weiter zulegen. Dort sieht Bodi trotz der Filialzuwächse in den vergangenen Jahren nach wie vor „erhebliches Wachstumspotenzial“.

Allerdings ist der Heimatmarkt hart umkämpft. Die Preisschlachten der Discounter erfassen auch die Drogisten im Inland. Einige Wettbewerber hätten den Blick der Kunden durch Sonderangebote stark auf "lockende temporäre Preissenkungen" gelenkt, sagt dm-Chef Harsch dazu. Die Folge: Auch dm setzte zuletzt den Rotstift an und verbilligte mehr als 800 Produkte. Das Signal ist klar: Die Karlsruher wollen beim Preis das Maß aller Dinge bleiben.

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