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Documenta Konzeptlose Kunst in Kassel

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Startschuss für große Karrieren

Doch einige wenige werden von der Documenta 13 profitieren, so wie andere Künstler vor ihnen für immer mit bestimmten Documenta-Ausstellungen assoziiert werden und ihren Weltruf hier begründeten und zementierten. Etwa Joseph Beuys, der mit sieben Berufungen so oft auf der Documenta vertreten war wie außer ihm nur Malerstar Gerhard Richter. Beuys wird dem Publikum auf ewig in Erinnerung bleiben – als Pflanzer von 7000 Eichen, als öffentlicher Diskutant in Fliege und Filzhut, als Boxer mit Jeans und Glatze.

Wer von der Documenta-Teilnahme 2012 profitiert Quelle: Art Report

Oder jüngst Ai Weiwei, der chinesische Universalkünstler, der 2007 1000 Landsleute nach Kassel lotste und allein ihre Anwesenheit zur Kunst deklarierte. Ebenso wie seine riesige Installation aus Türen alter Abbruchhäuser, die wenige Tage nach der Eröffnung im Sturm spektakulär zusammenkrachte. Ais wachsender Popularität tat’s keinen Abbruch – der Aufstieg des Regimekritikers in den Kunst-Olymp nahm seitdem unaufhaltsam seinen Lauf.

Bedeutendste Ausstellung

„Die Documenta ist weiterhin die bedeutendste, von einem Kurator verantwortete und mit einer spezifischen Perspektive aus einem Guss entwickelte Überblicksausstellung“, sagt Max Hollein, Direktor der drei Frankfurter Museen Schirn, Städel und Liebighaus.

Wer von der Documenta-Teilnahme 2007 profitierte Quelle: Art Report

Dass die Teilnahme an diesem 100-Tage-Museum trotz mittlerweile großer Konkurrenz durch Biennalen und große Museumsausstellungen für den einen oder anderen Künstler noch immer der Startschuss für eine große Karriere sein kann, zeigt ein Blick auf den aktuellen Art Report, den Art Logistics exklusiv regelmäßig für die WirtschaftsWoche erstellt: Ai Weiwei verbesserte sich durch seinen spektakulären Documenta-Auftritt um mehr als 1000 Plätze und ist schon nach wenigen Jahren Aufmerksamkeit auf dem Sprung in die 100 erfolgreichsten Künstler aller Zeiten. Der argentinische Bildhauer Villar Rojas machte allein seit 2011 gar mehr als 1500 Plätze gut. Und Ais Landsmann Song Dong kletterte in den vergangenen zwölf Monaten immerhin um knapp 200 Plätze.

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Große Hoffnungen

Sprünge, die auch Roman Ondák anpeilt: Der Slowake nimmt zum ersten Mal an einer Documenta teil. Und ist, von der Deutschen Bank frisch dekoriert zum Künstler des Jahres 2012, schon in aller Munde. Ob als Zeichnung auf Papier, dreidimensionales Objekt an der Wand oder raumgreifende Installation: Der 46-Jährige beschäftigt sich in seinem Werk mit den Grenzen zwischen Kunst und Alltag, verstört den Betrachter durch kleine Eingriffe, die Sehgewohnheiten infrage stellen.

Etwa, wie derzeit in der Berliner Dependance des Guggenheim Museums zu sehen, mit dem Geländer einer Treppe ohne Stufen, einer Türklinke, die er direkt an die Wand montiert. Oder dem Originalflügel einer Boeing 737–500, den er zu einer begehbaren Brücke zwischen zwei Räumen umfunktioniert. Und den Besucher damit zum Zeugen seines eigenen Tabubruchs macht – indem er ihn über den Standard-Schriftzug eines jeden Flugzeugflügels schickt: „Do not walk outside this area.“

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