WiWo App 1 Monat für nur 0,99 €
Anzeigen

Douglas Der Firmenjäger und sein Wild

Ein Börsenrückzug von Douglas ist derzeit so wahrscheinlich wie ein Wahlsieg der FDP. Trotzdem wird das Thema die heutige Hauptversammlung des Konzerns beherrschen – und dürfte vor allem Douglas-Großaktionär und Hobbyjäger Erwin Müller in Wallung bringen.

  • Artikel teilen per:
  • Artikel teilen per:
Die Douglas-Welt in Zahlen
Die Douglas-Bilanz 2011 Quelle: Pressebild
Parfümerie Douglas Quelle: Pressebild
Buchhändler Thalia Quelle: Pressebild
Juwelier Christ Quelle: Pressebild
Modehaus Appelrath-Cüpper Quelle: Pressebild
Confiserie Hussel Quelle: Pressebild
Über 100 Jahre Geschichte bei Douglas Quelle: dpa

Als der Drogerie-Unternehmer Erwin Müller am 12. Januar die ad-hoc-Mitteilung der Douglas-Holding las, dürfte sich die Begeisterung in Grenzen gehalten haben. Das Unternehmen bestätigte darin „Gespräche zwischen der Gesellschaft, an der Gesellschaft nicht unerheblich beteiligten Mitgliedern des Vorstands und des Aufsichtsrats der Douglas Holding AG und verschiedenen Finanzinvestoren“.

Im Klartext: Der Kreke-Clan um Douglas-Chef Henning Kreke sprach mit Finanzinvestoren „über den möglichen Erwerb einer wesentlichen Beteiligung“. Kurz zuvor waren Gerüchte aufgetaucht, die Krekes wollten im Verbund mit Investoren den Konzern von der Börse nehmen. Kaum waren Spekulationen und ad-hoc-Mitteilung in der Welt, schoss die Aktie des Konzerns nach oben.

Müller, der über zehn Prozent der Douglas-Aktien besitzt, konnte sich indes weniger über das kräftige Kursplus freuen. Denn der Wertzuwachs entwickelt sich für ihn zum Problem: Müller hat sich Optionen über weitere 15 Prozent an Douglas gesichert. Übt er sie aus, kontrolliert er mehr als 25 Prozent der Stimmrechte und hätte damit eine Sperrminorität.

Allein, der Kursanstieg der vergangenen Wochen könnte die Optionsgeschäfte, die teils schon im April auslaufen, empfindlich verteuert haben. Details dazu sind allerdings nicht bekannt.

Preis für Komplettübernahme wäre hoch

Und so ranken sich in Finanzkreisen bereits sinistere Legenden um Müllers Pläne, aber auch um die ad-hoc-Mitteilung von Januar. Kein Wunder: Im Normalfall bemühen sich Eigner, möglichst geräuschlos vorzugehen, um Aktien preiswert einzusammeln. Das ist bei Douglas offenkundig nicht der Fall. Ohnehin scheint ein Delisting inzwischen in etwa so wahrscheinlich wie ein Wahlsieg der FDP.

Der Preis für eine Komplettübernahme wäre enorm hoch und dürfte kaum die gravierenden Probleme etwa bei der Buchhandelstochter Thalia widerspiegeln. Dass sich ein Börsenrückzug durch anschließende Spartenverkäufe refinanzieren ließe, ist beim aktuellen Kursniveau kaum vorstellbar. Und mögliche Einsparungen bei den Berichterstattungspflichten sind marginal.

Zudem könnte ein Minderheitsaktionär – wie Müller – ein Herausdrängen aus dem Aktionärskreis letztlich schon heute verhindern. Erst wenn ein Aktionär mindestens 95 Prozent einer AG hält, ist das auch gegen Widerstände möglich – der Anteil wäre aber selbst bei einem Übernahmeangebot kaum zu erreichen.

Schillernd und Schweigsam

Zwei Jäger Quelle: REUTERS

Umso spannender wird nun das Verhalten von Müller sein. Ob es bei heutigen Hauptversammlung bereits Hinweise über den Fortgang der Fehde zwischen den Krekes und Müller geben wird, bleibt abzuwarten. Dass Müller überhaupt vor Ort sein wird, bezweifeln Branchenkenner. Der  79-jährige Patriarch gilt als ebenso schillernde wie schweigsame Figur.

Der gelernte Friseur schuf aus dem Nichts ein Handelsimperium und wird gerne als „Drogerie-König“ bezeichnet, obgleich seine Märkte  eher Kleinkaufhäuser sind. Das Sortiment umfasst rund 145 000 Artikel, darunter nicht nur Klopapier und Deoroller, sondern auch CDs und Holzspielzeug. Zudem legt Müller Wert auf das Interieur seiner Geschäfte.

Der Schwabe, der in Jugendjahren Architekt werden wollte, lässt seine bis zu 4000 Quadratmeter großen Filialen beispielsweise mit 1000 Lux illuminieren, um Kunden anzulocken. Die Idee, die Beleuchtung aufzudrehen, hat er sich von einem mallorquinischen Fleischverkäufer abgeschaut.

Droge Drogerie

Auf dem Mittelmeer-Eiland, seiner zweiten Heimat, nennt er neben einem Golfplatz und einer Finca auch ein paar Läden sein Eigen. Insgesamt ziert das Kleeblatt-Logo seiner Kette knapp 600 Filialen in Europa. Der Selfmademan von der Donau kommt nicht los von der Droge Drogerie. "Ich kann die Firma nicht allein stehen lassen", sagte er 2009 der WirtschaftsWoche.

Jeden Morgen gegen halb acht schlug er damals in der Ulmer Zentrale auf. Um ins Büro in der dritten Etage zu kommen, nimmt er grundsätzlich - und zum Wohlgefallen seiner Ärzte - die Treppe statt den Fahrstuhl. Und solange ihn „der liebe Gott jeden Tag aufstehen lässt", werde sich daran nichts ändern. "Ich wüsste nicht, was ich daheim tun sollte”, bekannte der Veteran.

In Arbeit
Bitte entschuldigen Sie. Dieses Element gibt es nicht mehr.

Im Büro angekommen, kümmerte sich Müller ums Tagesgeschäft. Allein Ehefrau Anita sowie der Dackel-Pekinesen-Mischling Gordi und dessen Gefährte Tabsi scheinen das unumschränkte Vertrauen des Patrons zu genießen. Mit Gordi ging Müller auch mal zur Jagd nach Tirol. Anschließend gab es Hirschkalb in der Betriebskantine. Als Firmenjäger scheint Müller zur Zeit weniger Glück zu haben.

© Handelsblatt GmbH – Alle Rechte vorbehalten. Nutzungsrechte erwerben?
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%