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Drogeriekette Ausgeschleckert?

Sanierung in Moll: Die Rettungsmission des Schlecker-Insolvenzverwalters Arndt Geiwitz gestaltet sich zunehmend schwierig. Das Investoreninteresse ist mau, der Konzern verbrennt noch immer Geld. Beerdigen die Großgläubiger morgen das Schlecker-Abenteuer oder besteht doch noch Hoffnung für den einstigen Drogerie-Dominator?

Insolvenzverwalter Arndt Geiwitz Quelle: dapd

Das Ende klang nach Neubeginn: Als Arndt Geiwitz, am 23. Januar zum vorläufigen Insolvenzverwalter der Drogeriekette Schlecker bestellt wurde, hieß es in einer Pressemitteilung seiner Kanzlei: Angestrebt werde „das Unternehmen als Ganzes zu erhalten und somit einen großen Teil des Filialnetzes und damit auch der Arbeitsplätze“. Eine Woche später klang gar echter Optimismus durch, als es wiederum in einer Pressemitteilung hieß: „Im Unternehmen sieht der Insolvenzverwalter nach erster Bestandsaufnahme in vielerlei Hinsicht Substanz.“ Zudem schreibe der größte Teil der Verkaufsstellen in Deutschland schwarze Zahlen.  „Eine Sanierung des Unternehmens habe daher Priorität.“

Die Chronik der Schlecker-Pleite
20. Januar 2012: Die Pleite des Drogeriemarkt-Riese Schlecker wird öffentlich. Familie Schlecker - Meike, Lars und deren Vater und Firmengründer Anton Schlecker, haben den europaweit größten Drogeriekonzern kaputt gewirtschaftet. Zu diesem Zeitpunkt hat Schlecker 6000 Filialen in Deutschland und rund 30.000 Angestellte. Quelle: dapd
29. Februar 2012Insolvenzverwalter Arndt Geiwitz verkündet das Sanierungskonzept. Die Einschnitte sind hart: 2400 Filialen werden geschlossen, 11.750 Stellen gestrichen. Nur 13.500 Arbeitsplätze sollen erhalten bleiben. Quelle: dapd
Am 8. März, dem internationalen Frauentag, demonstrieren die Schlecker-Frauen auf dem Stuttgarter Schloßplatz für den Erhalt ihrer Arbeitsplätze. Gesamtbetriebsratsvorsitzende Christel Hoffmann kritisiert die Zurückhaltung der Politiker im Fall Schlecker: „Wenn man sich Fälle wie Opel anschaut, da war das ganz anders. Da bin ich jetzt mal ganz ketzerisch und sage: da ging es ja auch um Männer-Arbeitsplätze.“ Quelle: dpa
Zu diesem Zeitpunkt ist bereits die Einrichtung einer Transfergesellschaft im Gespräch. Im baden-württembergischen Wirtschaftsminister Nils Schmid finden die Schlecker-Frauen einen prominenten Unterstützer. Das Problem: Die Schlecker-Filialen sind deutschlandweit verteilt. Für eine Auffanggesellschaft mit einer so dezentralen Struktur gibt es bislang kein Vorbild. Quelle: dpa
Schlecker-Schließung Frau knibbelt Schriftzug ab Quelle: dpa
Schlecker-Filiale Reduzierungen Quelle: dpa
geschlossene Schlecker-Filiale Quelle: dapd

Vier Monate später ist der anfängliche Sanierungsoptimismus gewichen, stattdessen macht sich Panik breit. Schlecker sollte ursprünglich bis zur formellen Eröffnung des Insolvenzverfahrens aus den roten Zahlen kommen. Bis Pfingsten wollte er dann einen Investor präsentieren, den die Gläubigerversammlung dann Anfang Juni zum neuen Schlecker-Eigner küren sollte. Ob daraus noch etwas wird, ist fraglicher denn je. Schon am Freitag, wenn der Gläubigerausschuss tagt, könnte sich das Schicksal des Unternehmens entscheiden.

Ohne Investor ist es aus

Klar ist: Zaubert Geiwitz nicht überraschend noch ein Investor aus dem Hut, steht Schlecker vor dem endgültigen Aus. Aus eigener Kraft jedenfalls, wie anfangs ebenfalls in Aussicht gestellt, scheint eine Sanierung nicht möglich. Nach Medienberichten verliert der Konzern derzeit täglich einen sechsstelligen Euro-Betrag. Dass Gläubiger und Verwalter dem Mittelabfluss nicht allzu lange zuschauen, scheint absehbar.

Nach Informationen des Handelsexperten Jörg Funder, geschäftsführender Direktor des Instituts für Internationales Handels- und Distributionsmanagements (IIHD) an der Hochschule Worms, steht der Verkaufsprozess der Filialkette denn auch vor dem Scheitern. „Der Insolvenzverwalter wird in den nächsten Tagen die Abwicklung von Schlecker starten", prophezeite Funder bereits am Dienstag. Der Experte geht davon aus, dass lediglich „rund 200“ der derzeit noch 3200 Filialen erhalten bleiben und in der Folge von Wettbewerbern übernommen werden könnten. Von den rund 13.500 Arbeitsplätzen, die nach der ersten Schließungswelle übrig geblieben waren, dürfte dann nur ein Bruchteil erhalten bleiben.

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