Drogeriekette Rossmann ist mit der Entwicklung sehr zufrieden

Die Drogeriekette Rossmann eilt von Rekord zu Rekord. Doch ein neuer Wettbewerber will in der Schlacht um das Erbe von Schlecker mitmischen und dm und Rossmann künftig Marktanteile abknöpfen.

Die Drogeriemarktkette Rossmann will das rasante Wachtumstempo aus dem Rekordjahr 2012 beibehalten. Quelle: AP

Drogerieunternehmer Dirk Roßmann gibt sich gelassen: "Salopp gesagt habe ich davor überhaupt keine Angst", sagte Roßmann, als er am Rande der Bilanzpressekonferenz auf den möglichen Markteintritt eines neuen Konkurrenten angesprochen wurde. Denn derzeit macht sich der österreichische Investor Rudolf Haberleitner mit seinem Dayli getauften Nahversorgungskonzept bereit, den etablierten Drogisten Paroli zu bieten. Roßmann sagte, er wolle niemanden unterschätzen. "Aber die Krux im Handel ist: Jeder braucht sehr hohe Umsätze, um relativ niedrige Kosten zu haben."

Schleckers Rivalen im Kampf um die Kunden
In Deutschland teilen sich im Wesentlichen vier große Ketten den Drogeriemarkt. Hinter jeder steht eine starke Unternehmerpersönlichkeit. Anstoß für die Gründung der Drogerieketten war die Aufhebung der Preisbindung für Drogerieprodukte 1973. Die wichtigsten Daten und Fakten zu den Marktführern.
Das Unternehmen Müller ist mit 2,265 Mrd. Euro Jahresumsatz die kleinste unter den vier größten Drogeriemarktketten. In bundesweit fast 500 Geschäften bietet Müller - anders als seine drei größeren Konkurrenten - auch Schreib- und Spielwaren sowie Haushaltsartikel an. Der Durchschnittsumsatz pro Filiale ist mit 4,86 Mio. Euro der höchste unter den großen Vier. Der Umsatz pro Quadratmeter Verkaufsfläche liegt bei Müller bei fast 4.000 Euro.
Insgesamt hat Müller fast rund 150.000 Artikel im Sortiment. Kleinkaufhäuser galten eigentlich seit den 70er-Jahren als unrentabel. Und das Konzept hat nicht nur in Deutschland Erfolg, sondern auch im Ausland: Dort ist die Kette in sechs Staaten mit über 120 Filialen aktiv.
Erwin Müller ist Gründer und Geschäftsführer der Drogeriemarktkette Müller, die aus der Keimzelle eines Friseur-Geschäfts hervorging. Die erste Filiale öffnete 1973. Er ist Arbeitgeber von 25.000 Beschäftigten.
Rossmann konnte seine Erlöse im Jahr 2011 um 10,5 Prozent auf 5,12 Milliarden Euro steigern. Für das Jahr 2012 wird ein Gesamtumsatz von 5,6 Milliarden Euro erwartet. Der Durchschnittsumsatz pro Filiale liegt bei über zwei Millionen Euro.
Zentraler Logistik-Standort ist Landsberg bei Halle/Saale. Nach Polen, Tschechien, Ungarn und Albanien hat sich Rossmann mit der Türkei in den fünften ausländischen Staat vorgewagt. In dem Land mit 72 Millionen Verbrauchern sieht das Unternehmen gewaltiges Potenzial. Nachdem die Milliardengrenze beim Auslandsumsatz mit 992 Millionen Euro 2009 knapp nicht überschritten werden konnte, ist das im Jahr 2010 mit 1,184 Milliarden Euro gelungen. Rossmann hat seit Anfang 2011 mehr als 820 Drogeriemärkte im Ausland.
Gründer Dirk Roßmann stammt aus einer Drogistenfamilie. Seine Ladenkette rief er 1972 ins Leben. Heute beschäftigt über 30.000 Menschen.
Mit 6,17 Milliarden Euro Umsatz im Geschäftsjahr 2010/11 ist die Dm-Gruppe seit über einem Jahr nach Umsatz die Nummer eins in Deutschland. Gelistet sind 12.500 Artikel. Die Zahl der Filialen stieg auf 1256. Gut 25.000 Menschen arbeiten in den DM-Märkten in Deutschland, insgesamt sind rund 39.000 Menschen für das Unternehmen aktiv.
Im Ausland ist Dm schon seit 1976 aktiv, als Filialen in Österreich eröffneten. Von den vier großen Ketten war sie damit die erste, die international expandierte. Heute hat das Unternehmen mehr Filialen im Ausland als im Inland, der Schwerpunkt liegt in Südosteuropa. Der internationale Umsatz, der in insgesamt zehn Ländern erwirtschaftet wurde, liegt bei mehr als 6 Milliarden Euro.
Gründer Götz Werner eröffnete seine erste Filiale 1973 in Karlsruhe. Als bekennender Anthroposoph legte Werner, der im Mai 2008 aus der Geschäftsführung ausschied, aber weiterhin Dm-Gesellschafter ist, seit den 90er-Jahren viel Wert auf die Eigenverantwortung der Mitarbeiter. Anders als seine Konkurrenten blieb Dm von harscher Gewerkschaftskritik bisher meist verschont. Seit 2002 gibt es einen Betriebsrat sowie einen mitbestimmten Aufsichtsrat. Das Unternehmen beschäftigte zuletzt insgesamt mehr als 36.000 Mitarbeiter. Quelle: AP
Nach Filialen in Deutschland gemessen war die Nummer eins unter den Drogisten mit weitem Abstand lange Schlecker. Rund 8700 Geschäfte gab es mal hierzulande. Über Umsätze und Erlöse ist nichts Sicheres bekannt. Die Kette aus Ehingen an der Donau selbst war lange Zeit sehr zugeknöpft und kommunizierte nicht mit der Öffentlichkeit. Sie büßt seit längerem Marktanteile ein und hat bei Vertrauen und Image an Boden verloren. Im Vergleich zu den Konkurrenten ist der Durchschnittsumsatz pro Filiale sehr klein und auch die Produktivität pro Quadratmeter Verkaufsfläche ist gerade mal halb so groß.
Die Expansion ins Ausland begann Schlecker 1987. Zwar ist sie seit 2004/05 auch in Polen, Tschechien und Ungarn präsent, anders als die Rivalen aber auf West- statt auf Osteuropa fokussiert. Für das Jahr 2007 gibt die Kette, die sich als "europäischer Marktführer der Drogerie-Branche" betrachtet, die Zahl ihrer Filialen mit "mehr als 14.155" an, gut 3100 davon befinden sich ihr zufolge heute im Ausland.
Anton Schlecker gründete die Kette 1975 und ist heute noch Alleineigentümer. In die vorderste Reihe des Unternehmens stehen inzwischen aber seine Kinder, Lars und Meike. Anton Schleckers Aufstieg vom jüngsten Metzgermeister der Bundesrepublik Mitte der 60er Jahre bis zum Eigentümer des Drogeriemarktimperiums ist einmalig. Als er 1965 mit 21 Jahren in das von seinem Vater gegründete Unternehmen einstieg, bestand es aus einer Fleischwarenfabrik und 17 Metzgerei-Filialen mit einem Jahresumsatz von 7,2 Mio. Euro - 34 Jahre später hat er sich vertausendfacht. An seinem Erfolg - und nur daran - will der als knallharter Geschäftsmann geltende schwäbische Unternehmer und Arbeitgeber von mittlerweile 49.200 Menschen gemessen werden. In der Öffentlichkeit tritt er kaum auf, selbst heimische Politiker und Wirtschaftsvertreter betonen: "Persönliche Kontakte zu Anton Schlecker gibt es nicht."

Haberleitner will im Mai die ersten Testfilialen in Bayern starten. Insgesamt sollen in Bayern, Rheinland-Pfalz und Baden-Württemberg noch in diesem Jahr 400 Filialen wiedereröffnet werden. Denn dayli soll die Nachfolge des einstigen Drogerieimperiums Schlecker antreten. 300 Mietverträge mit früheren Schlecker-Vermietern seien bereits unterzeichnet, sagte Haberleitner. Danach soll eine Expansion nach Berlin und Brandenburg erfolgen. In einer dritten Etappe sollen Läden in Sachsen-Anhalt und Thüringen hinzukommen. 2012 hatte Haberleitner schon 1.400 Schlecker-Filialen im Ausland übernommen. Ob Haberleitner mit seinem Konzept aber auch hierzulande punkten kann, ist fraglich.

Denn das deutsche Drogeriegeschäft ist hart umkämpft. Und die Platzhirsche dm und Rossmann haben bei der Schlacht um das Schlecker-Erbe bis dato alle Trümpfe auf ihrer Seite. Das zeigt sich auch an den Geschäftszahlen, die Rossmann heute vorlegte.

In Arbeit
Bitte entschuldigen Sie. Hier steht ein Element, an dem derzeit noch gearbeitet wird. Wir kümmern uns darum, alle Elemente der WirtschaftsWoche zeitnah für Sie einzubauen.

Demnach fanden 45 Millionen zusätzliche Kunden  vergangenes Jahr  den Weg in eine Rossmann-Filiale. "Wir sind mit der Entwicklung sehr sehr zufrieden", bilanzierte Roßmann. Die Drogeriemarktkette hielt ihr rasantes Wachstumstempo aus dem vergangenen Jahr auch in den ersten Monaten von 2013 bei. Von Januar bis Ende März verbuchte die Gruppe 1,54 Milliarden Euro Umsatz, was einem Plus von 16,4 Prozent Plus zum Vorjahreszeitraum entspricht. 2012 hatten die Niedersachsen 5,95 Milliarden Euro umgesetzt, ein Wachstum von 16,1 Prozent. Rossmann will die Expansion nun weiter forcieren. 280 neue Filialen seien im In- und Ausland geplant.

Der Konkurrent dm sprach jüngst davon, 2012 beim Umsatz die 7-Milliarden-Euro-Grenze geknackt zu haben.

© Handelsblatt GmbH – Alle Rechte vorbehalten. Nutzungsrechte erwerben?
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%