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Drogerieketten-Pleite Schlecker-Mitarbeiter wollen kämpfen

Beschäftigte der insolventen Drogeriekette Schlecker wollen am Donnerstag in Bayern, Hessen und Berlin für den Erhalt ihrer Arbeitsplätze auf die Straße gehen.

Die Chronik der Schlecker-Pleite
20. Januar 2012: Die Pleite des Drogeriemarkt-Riese Schlecker wird öffentlich. Familie Schlecker - Meike, Lars und deren Vater und Firmengründer Anton Schlecker, haben den europaweit größten Drogeriekonzern kaputt gewirtschaftet. Zu diesem Zeitpunkt hat Schlecker 6000 Filialen in Deutschland und rund 30.000 Angestellte. Quelle: dapd
29. Februar 2012Insolvenzverwalter Arndt Geiwitz verkündet das Sanierungskonzept. Die Einschnitte sind hart: 2400 Filialen werden geschlossen, 11.750 Stellen gestrichen. Nur 13.500 Arbeitsplätze sollen erhalten bleiben. Quelle: dapd
Am 8. März, dem internationalen Frauentag, demonstrieren die Schlecker-Frauen auf dem Stuttgarter Schloßplatz für den Erhalt ihrer Arbeitsplätze. Gesamtbetriebsratsvorsitzende Christel Hoffmann kritisiert die Zurückhaltung der Politiker im Fall Schlecker: „Wenn man sich Fälle wie Opel anschaut, da war das ganz anders. Da bin ich jetzt mal ganz ketzerisch und sage: da ging es ja auch um Männer-Arbeitsplätze.“ Quelle: dpa
Zu diesem Zeitpunkt ist bereits die Einrichtung einer Transfergesellschaft im Gespräch. Im baden-württembergischen Wirtschaftsminister Nils Schmid finden die Schlecker-Frauen einen prominenten Unterstützer. Das Problem: Die Schlecker-Filialen sind deutschlandweit verteilt. Für eine Auffanggesellschaft mit einer so dezentralen Struktur gibt es bislang kein Vorbild. Quelle: dpa
Schlecker-Schließung Frau knibbelt Schriftzug ab Quelle: dpa
Schlecker-Filiale Reduzierungen Quelle: dpa
geschlossene Schlecker-Filiale Quelle: dapd

12.000 Angestellten von Schleckern droht demnächst die Kündigung - nachdem sowohl die Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) als auch der Bund Hilfe verweigert haben. Dagegen wollen die Schleckermitarbeiter protestieren. In Nürnberg ist ein Demonstration geplant, in Schweinfurt soll es eine Protestkundgebung vor einer Filiale in der Innenstadt geben, wie die Gewerkschaft ver.di mitteilte. Im hessischen Rüsselsheim wird es ebenfalls eine Kundgebung geben. Auch in Berlin wollen die Mitarbeiter am Nachmittag auf die Straße gehen, am Nachmittag ist dort eine Kundgebung mit Verdi-Chef Frank Bsirske geplant. Zudem sollen in mehreren Städten nichtöffentliche Betriebsversammlungen statt finden. Mit den Aktionen sollten den „Menschen die Gesichter von Schlecker“ gezeigt werden.

Ob diese Aktionen an den Schließungen etwas ändern werden, ist mehr als fraglich. Zuletzt hatte der stellvertretende CDU/CSU-Fraktionschef Michael Fuchs Finanzhilfen des Bundes für die insolvente Drogeriemarktkette Schlecker ausgeschlossen. „Es ist nicht Aufgabe des Bundes, Unternehmen zu retten“, sagte Fuchs am Donnerstag. Mittel des Bundes aus Steuergeldern könnten nicht zur Verfügung gestellt werden. Zugleich sagte der CDU-Politiker, dass der Bund den Beschäftigten aber über die Arbeitsagentur helfen könne, etwa mit dem Insolvenzgeld. Zudem werde die Agentur sicher bei der Schaffung einer Transfergesellschaft mitarbeiten, erklärte Fuchs.

Diese sind aber umstritten. In solchen TGS werden die Mitarbeiter der Pleite-Unternehmen bis zu einem Jahr lang gecoacht und weitervermittelt. In der Zeit beziehen sie Transfer-Kurzarbeitergeld. Nach einer Erhebung der DGB-eigenen Hans-Böckler-Stiftung finden aber nur rund 44 Prozent der Transfer-Teilnehmer neue Jobs.

Auch der Verein zur Rettung Schleckers dürfte wenig Chancen haben, die Mitarbeiter vor der Arbeitslosigkeit zu schützen. Das Angebot der Drogeriekonkurrenz Rossmann, 1000 Mitarbeiter zu übernehmen, ist ebenfalls nur ein Tropfen auf dem heißen Stein - übrig bleiben immer noch 11.000 Angestellte. Deren größtes Problem ist ihre Verteilung über die Republik. So ist es kaum möglich, alle Angestellten unter einen Hut zu bekommen und weiterzuqualifizieren, wie es bei großen Werksschließungen möglich wäre. Und Weiterbildungen und Coachings dürften den Mitarbeitern des Pleite-Unternehmens bei der weiteren Jobsuche sehr nützlich sein.

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