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Drogeriemarkt Die fünf Kernprobleme Schleckers

Die Sanierung von Schlecker bleibt ein Balanceakt. Der Betriebsrat fordert Staatshilfe. Doch der Pleite-Drogist steht vor dramatischen Herausforderungen. Fünf Kernprobleme lasten auf dem Konzern.

Mitarbeiter der Drogeriemarktkette Schlecker verteilen in Stuttgart Flugblätter. Die Angestellten der insolventen Drogeriekette gründeten den Verein

Seit Wochen kämpft die schwäbische Drogeriekette Schlecker ums Überleben und scheint inzwischen vom griechischen Virus infiziert zu sein: Staatshilfen sollen die Strukturproblem lösen, forderte jüngst der Betriebsrat des Handelshauses. Eine gewagte Idee - zu tief hat sich die Krise in den Konzern gefressen:

1. Das überdehnte Imperium

Lange Zeit galt der Name Schlecker als Synonym für Drogerie, die Expansionswut des Inhabers Anton Schlecker kannte keine Grenzen. 1984 hatte er seine tausendste Drogeriefiliale eröffnet. „Wenn du in den Urlaub fährst“, witzelte Handelsleute damals, „dann schließ’ die Wohnungstür gut ab, sonst sitzt der Schlecker drin, wenn du wiederkommst“.

Schlecker nahm so ziemlich alle Standorte, die er kriegen konnte – und die niemand anders wollte. Hauptsache die Miete war niedrig. Dabei profitierte er vom Sterben der kleinen, selbständigen Einzelhandelsgeschäfte und wurde zu einer Art Tante-Emma-Ersatzladen auf dem platten Land. Bald prangte der weiße Schlecker-Schriftzug auf blauem Grund in den hintersten Winkeln der Republik – oft von jugendlichen Drogerievandalen mit den Großbuchstaben AR verziert.

Dass die Wettbewerber lieber in hochfrequentierten Fußgängerzonen, Einkaufszentren und Bahnhöfen siedelten, als auf dem Dorfanger in der Provinz oder in innerstädtischen Randlagen, interessierte am Konzernsitz in Ehingen niemanden. Doch bei einem europaweiten Netz von 14.000 Filialen, auf das Schlecker vor einigen Jahren noch stolz verwies, war die Grenze des ökonomisch tragbaren überschritten.

Nun zeigt sich, dass der einstige Erfolgskreislauf auch in die andere Richtung drehen kann – noch schneller. Schlecker hatte in den vergangenen Jahren Hunderte Verlustfilialen geschlossen – doch die Kosten bleiben immer noch zu hoch. So wurden zwar Filialen geschlossen, die Beschäftigtenzahl wurde aber nicht im gleichen Umfang reduziert. „Trotz der vielen Filialschließungen ist die Flächenproduktivität bisher nicht gestiegen“, sagt Handelsexperte Thomas Roeb.

Neuer Eigentümer für Schlecker Spain
Schlecker Quelle: dapd
ÖsterreichDie Österreich-Tochter der insolventen Drogeriemarktkette Schlecker bekommt einem Zeitungsbericht zufolge einen neuen Eigentümer. Der in Wien ansässige Fonds TAP 09 übernehme rund 1340 Filialen der Kette, berichtete die österreichische Tageszeitung „Der Standard“. Das Unternehmen werde mit allen rund 5000 Mitarbeitern weitergeführt. Es werde weder Kündigungen noch Filialschließungen geben. Der neue Eigentümer wolle Schlecker umbenennen und restrukturieren. Die Gruppe solle ein „Rundum-Nahversorger“ werden, berichtete das Blatt. An der Österreich-Tochter hängt auch das Schlecker-Geschäft in Luxemburg, Belgien, Polen und Teilen von Italien. Der Fonds TAP 09 hat sich nach Angaben auf seiner Homepage auf Übernahmen von Unternehmen „mit Substanz und Restrukturierungsbedarf“ in Europa mit einem Umsatz von bis zu 500 Millionen Euro spezialisiert. TAP 09 war zunächst nicht für eine Stellungnahme zu erreichen. Quelle: dpa
PolenDie knapp 170 Filialen in Polen stehen unmittelbar vor dem Verkauf. Es gebe weit fortgeschrittene Verhandlungen mit dem polnischen Hygieneartikel-Hersteller Hygienika, bestätigte ein Sprecher des Insolvenzverwalters. Die Schlecker-Filialen in Polen mit ihren knapp 700 Mitarbeitern werden als Niederlassungen der österreichischen Schlecker-Tochter geführt, für die nun ein neuer Investor gefunden sein soll. In Polen liefen die Geschäfte zuletzt stabil. Der Brutto-Umsatz wuchs zwischen 2010 und 2011 von 82 auf 89 Millionen Euro - bei einer gleichbleibenden Filialanzahl. Erst vor acht Jahren hat Schlecker seine Expansion nach Osteuropa gestartet. Quelle: dpa
FrankreichBereits verkauft sind die französischen Schlecker-Filialen. Die Supermarktkette Systéme U hat die Tochter SNC erworben. Zu ihr zählen 139 Filialen mit 750 Mitarbeitern. Zuletzt machten die französischen Schlecker-Märkte einen Umsatz von knapp 90 Millionen Euro. Quelle: Screenshot
Luxemburg28 Schlecker-Läden gibt es im Nachbarland Luxemburg. Diese hängen an Schlecker-Österreich. Schlecker Luxemburg schrieb im Juni 2012 trotz einiger Lieferengpässe schwarze Zahlen. In den Vorjahren setzte die Tochter jeweils rund 17 Millionen Euro brutto um. Luxemburg wird von der Schlecker-Tochter IhrPlatz beliefert, für die es noch keine Investor gibt. Löhne und Arbeitsstellen in Luxemburg seien aber vorerst sicher, sagte ein Sprecher der luxemburgischen Gewerkschaft OGBL. Quelle: dapd
Italien Quelle: dapd
Belgien / Niederlande Quelle: dpa
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