Drogeriemarktdrama Das Ende von Schlecker ist besiegelt

Jetzt hat das Drama um Schlecker ein Ende. Für das Geschäftsmodell des Drogeriediscounters gibt es keine Perspektive. Insolvenzverwalter Arndt Geiwitz hat die Zerschlagung verkündet.

Es ist vorbei. Schlecker wird zerschlagen. Quelle: dapd

"Die Angebote waren nicht akzeptabel, weil sie deutlich unter einer Zerschlagung lagen“, erläutert der Insolvenzverwalter Arndt Geiwitz. Für die Mitarbeiterinnen des Drogeriemarkts ist es ein Ende mit Schrecken. 13.200 Mitarbeiter werden im Herbst auf der Straße stehen. Nun wird Geiwitz die Verhandlungen mit dem Betriebsrat um den Abschluss eines Interessenausgleichs und Sozialplans kurzfristig aufnehmen und die Kündigungen voraussichtlich bis Ende Juni 2012 versenden. Gewerkschaftsvertreter hatten bis zuletzt auf ein Wunder gehofft. In den vergangenen Wochen hatte sich die Investorensuche zäh dahingeschleppt, immer mehr potenzielle Neubesitzer waren abgesprungen. Zuletzt blieben noch Cerberus und - kurz vor Schluss überraschend eingestiegen - Karstadt-Retter Nicolas Berggruen.

Wie es zum Schlecker-Untergang kam
Anton Schlecker Quelle: dpa
Lars und Meike Schlecker Quelle: dpa
Arndt Geiwitz Quelle: dapd
Trigema-Chef Wolfgang Grupp Quelle: dpa/dpaweb
Dirk Roßmann Quelle: dapd
Meike Schlecker Quelle: dapd
Geschlossene Schlecker-Filiale Quelle: dpa
FDP-Chef Philipp Rösler Quelle: dapd
Emirat Katar Quelle: dpa
Nicolas Berggruen Quelle: dpa

Insolvenzverwalter Arndt Geiwitz kommentierte das endgültige Aus mit den Worten: „Ich bedaure diese Entscheidung im Hinblick auf die vielen, zum Teil langjährigen Schlecker-Mitarbeiter sehr, die jetzt ihren Arbeitsplatz verlieren“. Glücklich kann Geiwitz über das Ergebnis seiner Bemühungen tatsächlich nicht sein. Die hauptsächlich weiblichen Schlecker-Angestellten werden es schwer haben, einen neue Arbeitsstelle zu finden.

Was passiert jetzt mit Schlecker?

Doch Geiwitz hatte von Anfang an deutlich gemacht, dass eine Sanierung von Schlecker nur gelingen könne, wenn alle Maßnahmen voll wirksam ineinandergreifen. „Wir haben es geschafft, den Verlust des Unternehmens von über 200 Millionen Euro auf circa 25 Millionen Euro Verlust zu reduzieren. Das ist einerseits zwar ein großer Erfolg, andererseits aber immer noch ein Verlust - und den darf ein Insolvenzverwalter auf Dauer nicht machen.“ Zudem habe die mit über 4.400 unerwartet hohe Zahl an Kündigungsschutzklagen den Investorenprozess enorm erschwert und im Endergebnis den Verkauf des Unternehmens als Ganzes unmöglich gemacht, erklärte Geiwitz.

Die Gewerkschaft Verdi hatte die Schlecker-Mitarbeiter nach dem Scheitern der Transferunion dazu aufgefordert, gegen ihre Entlassung mit Kündigungsschutzklagen vorzugehen. Obwohl die Aussichten auf einen Erfolg der Klagen von vornherein als gering eingestuft wurden, waren sehr viele ehemalige Angestellte dem Aufruf gefolgt - wohl in der Hoffnung zumindest noch eine kleine Abfindung zu bekommen. Auch auf die Forderung von Geiwitz, die Schlecker-Mitarbeiter sollten für einen begrenzten Zeitraum auf 15 Prozent des Lohns sowie Urlaubs- und Weihnachtsgeld verzichten, um Schlecker für Investoren attraktiver zu machen, reagierten die Gewerkschaften ablehnend. Erst vor zwei Tagen gingen die Arbeitnehmer-Vertreter auf den Insolvenzverwalter zu, boten an auf 10,5 Prozent Lohn zu verzichten. Zu spät.

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