Drogeriemarktkette Rossmann verliert im Wettbewerb

Nach 16 Jahren mit ununterbrochen zweistelligen Wachstumsraten dürfte die Drogeriemarktkette Rossmann 2014 nur einstellig zulegen. Das ist im hart umkämpften Handel aber eher ein Luxusproblem.

Diesen Händlern vertrauen die Kunden
Die Unternehmensberatung OC&C Strategy Consultants hat für ihren „Proposition Index 2013“ jüngste Trends und Entwicklungen in der Handelsbranche analysiert. Dafür wurden 30.000 Konsumenten aus neun Ländern zu 660 führenden Handelsunternehmen (darunter über 80 aus Deutschland) befragt. Die Meinung der Kunden zu Preisen, Qualität, Auswahl, Einkaufserlebnis, Service und Vertrauenswürdigkeit des Unternehmens wird in einer Index-Skala mit einem Maximalwert von 100 zusammengefasst. Quelle: dpa
Eines der Ergebnisse der Studie ist, dass die Kunden mehr Vertrauen in den traditionellen Handel haben: Fanden sich 2012 noch fünf reine Onlineformate unter den Top 20, sind es 2013 mit Amazon und Ebay nur noch zwei.
Dem stationären Handel - also dem physischen Geschäft in der Innenstadt - kommt zugute, dass die Kunden wieder mehr Wert legen auf die Vorauswahl und die Orientierung, die der klassische Handel bietet. Auch die Preisvorteile des Onlinehandels sind nicht mehr so ausgeprägt wie früher. Durch das verhältnismäßig starke Wachstum drängen einige Onlineformate zudem in den Massenmarkt. Für Onlinehändler wird es somit immer schwerer, das Produktangebot und das Leistungsversprechen optimal auf den Kunden auszurichten. Quelle: dpa
Der allgemeine Trend setzt sich im Textileinzelhandel fort: Viele stationäre Anbieter überzeugen mit ihrer Sortimentsauswahl, dem Service und der Qualität. Reinen Onlinern fällt es dagegen schwer, mit dem immer breiteren Angebot ein klares Sortimentskonzept zu entwickeln und die steigenden Anforderungen der Konsumenten zu erfüllen. So verliert beispielsweise Zalando gegen den Versandhändler Bonprix, der dank einer konsequenten Value-Strategie den ersten Platz der Textil-Rangliste belegt. Auf den weiteren Plätzen folgen Esprit und Ernsting‘s Family. Zalando (Platz 9) kämpft hingegen mit der wachsenden Breite des Sortiments und bietet zu wenig Orientierung in der Sortimentsauswahl. Quelle: dpa
In der Kategorie Unterhaltungselektronik gab der noch im Jahr 2012 so starke Online-Händler notebooksbilliger.de die Branchenführung ab und bricht um 6,7 Indexpunkte ein, während sich Media Markt und Saturn in der Kundenzufriedenheit leicht verbessern. Die Schwäche von notebooksbilliger.de liegt in der Entwicklung zum Mainstream-Anbieter begründet. Die Onlineformate gewinnen zwar immer mehr neue, aber dafür weniger treue Kunden hinzu. In der Folge sind die Kunden zwar nach wie vor zufrieden, beurteilen die Anbieter aber nicht mehr mit Höchstnoten. Bei Media Markt vollzieht sich der gegenteilige Effekt: Die leicht steigende Kundenzufriedenheit geht auf eine geringere Kundenzahl zurück. So haben nur noch 15 Prozent aller Kunden Media Markt bewertet, 5 Prozent weniger als in 2012. Quelle: dapd
Im Lebensmitteleinzelhandel bleibt Globus in der Kundenzufriedenheit die Nummer eins, dicht gefolgt von Kaufland und Aldi. Edeka verbessert sich um 1,8 Punkte und zieht fast mit Aldi gleich. Bei Netto und Penny zeigt die sorgfältige Arbeit an Format, Sortiment und Kommunikation Effekt: Beide verbessern sich in der Kundenwahrnehmung (um 2,2 bzw. 1,9 Indexpunkte). Aldi profitiert von der Ausweitung des Angebotes an Markenartikeln (+5,0 Indexpunkte) und den Investitionen in die Filialen, die sich beim Einkaufserlebnis bemerkbar machen (+5,6 Indexpunkte). Den stärksten Rückgang der Branche verspürt Metro mit -3,0 Indexpunkten. Der Händler muss vor allem Abschläge bei Sortiment und Kundenvertrauen hinnehmen. Quelle: AP
Unabhängig von der Branche hat es die Parfümerie Douglas unter die beliebtesten Händler der Kunden geschafft. Mit 81,1 Indexpunkten landet die Kette auf Platz drei. Douglas baut seine Stärke vor allem auf klassische Faktoren wie Service, Produktqualität und Einkaufserlebnis. Quelle: dpa

Die Drogeriemarktkette Rossmann steuert in diesem Jahr auf einen Rekordumsatz über der Sieben-Milliarden-Euro-Marke zu. „Im Konzern erwarten wir gut 7,2 Milliarden Euro Umsatz“, sagte Unternehmenschef Dirk Roßmann der Nachrichtenagentur dpa. Der nach dm zweitgrößte deutsche Drogeriekonzern hatte im Frühling acht Prozent Wachstum in Aussicht gestellt und erklärt, im laufenden Jahr die Sieben-Milliarden-Hürde nehmen zu wollen. 2013 waren 6,64 Milliarden Euro an Erlösen zusammengekommen - eine Steigerung um 11,6 Prozent.

Der nun anvisierte Zuwachs wäre das erste einstellige Plus, nachdem die Verbesserungsraten zuvor 16 Jahre am Stück zweistellig ausfielen. „Man sollte die acht Prozent Zuwachs nicht schlecht reden. Tatsache ist jedoch, dass der Wettbewerb härter wird“, sagte Roßmann.

Rossmann auf einen Blick


In Rossmanns größtem Auslandsmarkt Polen sollen bis zum Jahresende 1000 Filialen rund 1,5 Milliarden Euro an Umsatz beisteuern. Strategisch sieht Firmengründer Roßmann noch genug interne Aufgaben: „Dass ich jetzt nachdenke, in andere Länder zu gehen oder neue Sortimente einzuführen, ist nicht mein Arbeitsschwerpunkt.“ Weder in Tschechien noch bei Rossmann-Online sei die Gruppe profitabel.

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Verluste gebe es auch in der Türkei, „wo vieles noch nicht so umgesetzt ist, wie wir uns das vorstellen“. Das Einkaufsverhalten der Türken sei anders als das der deutschen und die Gewinnschwelle noch nicht greifbar nah. „Drei Jahre werden wir wohl noch brauchen, um erfolgreich zu werden“, räumte Roßmann ein. Auf finanzieller Seite stehe der Konzern blendend da; die Guthaben bei den Banken seien höher als die aufgenommenen Kredite. „Uns ging es noch nie so gut“, sagte der 67-Jährige. „Wir sind für mögliche Probleme der Zukunft gerüstet. Unsere Eigenkapitalquote beträgt 45 Prozent - das ist im Handel ein außergewöhnlich guter Wert.“

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