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Druckerpatronen & Co. Alles Abzocke?

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Verwirrung im Regal

Beim Staubsauger gilt das Gleiche wie beim Drucker. Das Produkt selbst ist teuer. Nur die Verbrauchsware kostet viel. Aber was bedeutet

Beispiel 3: Staubsaugerbeutel

PH 36, Y05 oder doch der S67: Verwirrung pur vor dem Staubsaugerbeutel-Regal. Für jedes Gerät gibt es einen eigenen Beutel. In Deutschland ist die Zahl besonders hoch. In anderen Länder ist die Zahl der Beutelsysteme geringer und die Produkte sind zudem günstiger. Warum funktioniert dort, was hierzulande nicht geht? Die Hersteller weigern sich schlicht, eine Norm für Staubsaugerbeutel zu akzeptieren und führen dazu eine ganze Reihe mehr oder weniger nachvollziehbarer Argumente an. „Eine nationale Norm funktioniert in einem internationalen Unternehmen nicht“; „Nur die von uns vorgesehenen Beutel sind für den Sauger ideal“, „Ein Miele-Beutel gehört nicht in einen Siemens-Sauger“.

Solche und ähnliche Argumente bekam Karin Both, Geschäftsführerin des Instituts für Normung (DIN), zu hören. Der Verbraucherrat hatte 1996 bei der Deutschen Kommission Elektrotechnik DKE einen Antrag gestellt, nach dem Beutelgröße, -Form und –Bezeichnung vereinheitlicht werden sollten. „Die Kunden sollten nicht mehr frustriert im Laden stehen und doch die Falschen kaufen“, sagte Both kürzlich gegenüber "Focus Online". Bisher haben die Vorstöße nicht gefruchtet.

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Warum sollten die Hersteller auch darauf eingehen? Das Prinzip Druckpatrone gilt auch hier. Der Staubsauger ist meist günstig, die Verbrauchsware teuer. Wenn der Hersteller mit dem Gerät selbst nicht verdient, dann eben mit dem Beutel. „Die Fertigungskosten für einen fünflagigen Beutel liegen bei etwa 20 Cent“, rechnete ein namentlich nicht genannter Konkurrent gegenüber der "Welt am Sonntag" vor. Die Hersteller schweigen zu den Angaben. Sie verweisen lediglich auf die hohe Qualität, die die Markenprodukte böten. Außerdem gewähren die meisten Hersteller nur dann Garantie, wenn auch die Originalprodukte verwendet werden. Abzocke? Oder einfach nur nervig?

Für Prestigeobjekte wie ein Smartphone sind wir bereit viel zu bezahlen – wohl wissend, dass die Summe der Teile das nicht wert ist. In unserem Preisgefühl sind wir schizophren. Martin Fassnacht: „Eine starke Marke ist nie everybody’s darling.“ Daher kann sie es sich auch erlauben, dass ein Teil der Konsumenten sie als Abzocker bezeichnet, während die anderen gerne für den Stempel „Premium“ bezahlen.

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