Edeka hat sich verzockt Alle Beteiligten stehen blamiert da

Sigmar Gabriel hat sich im Fall Kaiser‘s Tengelmann bis auf die Knochen blamiert. Er ist nicht der einzige. Die Beteiligten hätten es besser wissen müssen.

Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel (SPD) Quelle: dpa

Ein Wirtschaftsminister blamiert, die seit Jahren größte Übernahme im deutschen Lebensmittelhandel vor dem Aus, 16.000 Mitarbeiter der Supermarktkette Kaiser‘s Tengelmann, die jetzt nicht bei Edeka landen, sondern um ihre Zukunft bangen. Und was sagt derjenige dazu, der den Deal mit eingefädelt hat? Nichts.

Auf der Homepage des Handelskonzerns Edeka prangt ein Bild von Vorstandschef Markus Mosa, Seit‘ an Seit‘ mit dem Sänger Peter Maffay und dem grünen Stoffdrachen Tabaluga. Pressemitteilungen künden vom „Projekt Wildblumenwiesen“ und einer „bärenstarken Nachhaltigkeitskampagne“. Nur auf eine Stellungnahme zur jüngsten Entscheidung des Oberlandesgerichts Düsseldorf verzichtet Edeka.

Dabei wiegen die Vorwürfe schwer: Das Gericht hat die Sondergenehmigung von Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel zur Übernahme von Kaiser‘s Tengelmann durch Edeka in der Luft zerrissen, weil es den Minister für befangen hält. In einer entscheidenden Phase des Erlaubnisverfahrens habe er geheime Gespräche mit Mosa und Tengelmann-Patron Karl-Erivan Haub geführt.

Ministererlaubnis

Nicht nur für Gabriel ist das ein miserables Zeugnis. Auch Haub und Mosa haben gepatzt. Beraten von einer Armada von Juristen hätte sie wissen müssen, dass Hinterzimmerrunden in einem solchen Verfahren die denkbar schlechteste Idee sind. Allein, das Trio infernale traf sich trotzdem.

Derlei Hybris zieht durch den gesamten Übernahmeprozess. Haub legte sich früh auf Edeka als Käufer fest und schmetterte alle Angebote von alternativen Interessenten wie Rewe ab. Dabei hatte das Bundeskartellamt von Anfang an klar gestellt, dass es die Übernahme nicht als Routinefall durchwinken würde.

Die Wettbewerbshüter deuteten aber an, womöglich einer Teillösung zuzustimmen. Edeka hätte bei einer Einigung mit dem Amt bis zu 200 der 451 Kaiser‘s Tengelmann-Filialen übernehmen können und die Standorte wären inzwischen wohl längst integriert.

Welcher Supermarkt die besten Eigenmarken hat
Platz 8: Real "Selection", "Bio", "Quality" und "Tip" heißen die Eigenmarken, mit denen Real Kunden überzeugen will. Wie seine Konkurrenten verspricht die Handelskette der Metro-Gruppe Marken-Qualität zum kleinen Preis. In den Tests der Stiftung Warentest der vergangenen fünf Jahre unterlag Real mit seinen Angeboten allerdings häufig den Mitbewerbern. Die Produkte erhielten die Durchschnittsnote 2,99. Quelle: Das Vergleichsportal Vergleich.org hat aus 65 Testberichten der Stiftung Wartentest im Zeitraum von 2011 bis 2015 die besten Eigenmarken deutscher Supermärkte ermittelt. Quelle: dpa
Netto Quelle: dpa
Platz 6: Aldi SüdDie Billigheimer von Aldi sind auch mit Eigenmarken wie Alpenmark, rio d'oro und Knusperone groß geworden. Mit einer Durchschnittsnote von 2,78 landet Aldi Süd im Qualitätsranking aber nur auf dem 6. Platz. Quelle: dpa
Platz 5: EdekaNicht nur die Discounter werben offensiv mit Eigenmarken. Auch Edeka vetreibt offensiv Marken wie "gut&günstig". Die Produkte des Lebensmittelhändlers erhielten im Durchschnitt die Note 2,66. Quelle: dpa
Platz 4: PennyIm Penny-Porfolio finden sich Marken wie "Naturgut", "San Fabio", "Bäckerkrönung" und "Penny Bunte Basics". Durchschnittsnote: 2,62. Quelle: dpa
Platz 3: ReweDie Supermarktkette Rewe landet mit ihren Eigenmarken - darunter "Beste Wahl", "Rewe Bio" und "ja!" - und einer Durchschnittsnote von 2,61auf Rang zwei. Quelle: dpa
Platz 2: Aldi NordAldi-Nord kommt mit einer Durchschnittsnote von 2,56 auf den zweiten Platz. Die No-Name-Artikel der Supermärkte stammen übrigens selten von ihnen selbst. Fast immer lagern die Händler die Produktion an Hersteller aus - häufig sogar an jene, deren eigene Markenartikel nebenan im Regal stehen. Hinter Aldis " Van Botta Keksen" etwa versteckt sich der "Leibniz"-Keks. Quelle: AP
Lidl-Logo Quelle: AP

Doch daraus wurde nichts. Mosa schaltete lieber auf Angriff und beklagte sich in Briefen an Bundestagsabgeordnete über den aus seiner Sicht allzu ruppigen Umgang des Bundeskartellamts. Nur verhandeln wollte er nicht und verblüffte damit selbst Andreas Mundt, den Präsidenten des Kartellamtes.

„In schwierigen Fällen bemühen sich die Beteiligten normalerweise schon in intensiven Vorgesprächen darum, einen Kompromiss auszuloten und wettbewerbsrechtliche Bedenken auszuräumen“, sagte Mundt vor einigen Monaten. „In diesem Fall hat es keine ausführlichen Gespräche gegeben.“ Entsprechend legten die Wettbewerbshüter ihr Veto gegen die Übernahme ein.

Haub und Mosa zogen ihren vermeintlichen Joker, setzten alles auf die Ministererlaubnis – und sind damit nun krachend gescheitert.

© Handelsblatt GmbH – Alle Rechte vorbehalten. Nutzungsrechte erwerben?
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%