Edeka-Tengelmann-Deal Das lange Warten auf Sigmar Gabriel

Dass Edeka die Supermarktkette Kaiser’s Tengelmann übernehmen darf, bleibt unwahrscheinlich. Doch eine endgültige Entscheidung von Wirtschaftsminister Gabriel lässt weiter auf sich warten. Andere Händler melden derweil Interesse an.

Beim Ringen um die Übernahme der Supermarktkette Kaiser's Tengelmann durch Edeka ist kein rasches Ende in Sicht. Quelle: dpa

Im Verfahren um eine mögliche Sondergenehmigung der Bundesregierung für die Übernahme der Supermarktkette Kaiser's Tengelmann durch Edeka ist kein rasches Ende in Sicht.

Zwar läuft in der kommenden Woche die im Gesetz vorgesehene viermonatige Frist ab, in der Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel (SPD) eine Entscheidung treffen soll. Es handelt sich aber nicht um eine starre Frist - denn zuvor muss es noch eine mündliche öffentliche Anhörung geben. Wann das passieren soll, ist bisher nicht bekannt. Erst danach wird Gabriel sich festlegen. Das Ministerium wollte sich auf dpa-Anfrage zum Zeitplan nicht äußern.

Die größten Lebensmittelhändler Deutschlands

Deutschlands größter Einzelhändler Edeka hatte seine Pläne zum Kauf der rund 450 Filialen von Kaiser's Tengelmann bereits im Herbst 2014 angekündigt. Jedoch befürchtete das Bundeskartellamt durch den Zusammenschluss Preiserhöhungen und weniger Wettbewerb. Im Frühjahr untersagte es das Vorhaben daher.

Um das Veto auszuhebeln, beantragten die Supermarktketten eine Ministererlaubnis. Eine solche Ausnahmegenehmigung ist möglich, wenn die gesamtwirtschaftlichen Vorteile eines Fusionsvorhabens nach Auffassung des Bundeswirtschaftsministeriums deutlich schwerer wiegen als rein wettbewerbsrechtliche Kritikpunkte des Bundeskartellamts. Zuletzt hatten auch die Wettbewerbsexperten der Monopolkommission Gabriel in einem Sondergutachten empfohlen, den Antrag abzulehnen.

Wer noch Interesse an Tengelmann hat

Tengelmann-Eigentümer Karl-Erivan Haub hat allerdings angekündigt, sich definitiv von der Supermarktkette trennen zu wollen, weil sie ihm seit dem Jahr 2000 rund 532 Millionen Euro an Verlust eingebrockt hat. Deshalb haben bereits einige andere Händler Interesse an Tengelmann-Filialen angemeldet. Mal mehr und mal weniger laut.

Rewe, Edeka-Konkurrent Nummer 1, hat offensiv erklärt, alle Märkte übernehmen zu wollen. Ein Angebot, das schon aufgrund von Kartellbedenken als schwierig gilt. Wahrscheinlicher ist, dass Rewe nur einen Teil der Filialen übernehmen darf.

Für eine Auswahl aus dem Tengelmann-Portfolio interessieren sich auch das hessische Handelsunternehmen Tegut und sein Eigentümer aus der Schweiz, die Migros-Gruppe. Bislang ist der Händler mit knapp 280 eigenen Märkten in Hessen, Thüringen und Nordbayern vertreten - und könnte sein Verbreitungsgebiet mit Zukäufen einfach ausweiten.

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"Sollte es bei Kaiser's Tengelmann Bewegung geben, sind wir an den bayrischen Märkten interessiert und würden gerne in die Verhandlungen einsteigen", hatte Thomas Gutberlet, Geschäftsführer des mittelständischen Händlers zuletzt gegenüber der WirtschaftsWoche erklärt.

Auch die deutsche Coop eG, mit mehr als 200 sky- und plaza-Märkten vor allem in Schleswig-Holstein, Hamburg, Mecklenburg-Vorpommern vertreten, hat Interesse bekundet. Wachstumschancen sieht das Unternehmen durch die Übernahme einiger Tengelmann-Filialen in Berlin.

Unklar ist derweil, wer sich der Supermärkte in Nordrhein-Westfalen annehmen würde. Der Lebensmittelhandel in NRW gilt als schwierig, die Konkurrenzdruck ist hoch. Zudem müssten viele Filialen modernisiert werden.

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