Edeka und Kaiser’s Tengelmann Die Gewinner der Übernahmeschlacht

Schon vor der öffentlichen Anhörung zur Ministererlaubnis in Berlin steht fest, wer von dem Gezerre um die Kaiser’s-Tengelmann-Supermärkte auf jeden Fall profitiert – und das ist keines der beteiligten Unternehmen.

Einkaufstüten von Kaiser's, Tengelmann und Edeka Quelle: dpa

Die Bühne für den Schlagabtausch ist bereitet: Im stuckverzierten Eichensaal des Bundeswirtschaftsministeriums in Berlin werden am Montag ab 13 Uhr die Kontrahenten in der seit Jahren größten Übernahmeschlacht im deutschen Lebensmittelhandel aufeinander treffen. Auf der einen Seite Edeka-Chef Markus Mosa und Tengelmann-Eigentümer Karl-Erivan Haub. Sie werden für eine Sondergenehmigung von Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel (SPD) werben, um die Übernahme der Kaiser’s-Tengelmann-Läden durch Edeka zu retten. Den Deal hatte das Bundeskartellamt im April untersagt. Nur die Ministererlaubnis kann das Übernahmeverbot noch aushebeln.

Auf der anderen Seite wollen die Gegner der Deals den geplanten Zusammenschluss torpedieren. Darunter Alain Caparros, Chef von Edekas Erzrivalen Rewe sowie Vertreter von Kaufland, Coop, Markant und Norma sowie Verbands- und Gewerkschaftsvertreter. Offiziell ist in dem Verfahren noch keine Entscheidung gefallen, auch wenn in Medienberichten zuletzt bereits über die Erteilung eine Ministererlaubnis spekuliert wurde. Trotzdem steht jetzt schon fest, wer in jedem Fall profitiert: die beteiligten Juristen.

Die größten Lebensmittelhändler Deutschlands

Denn das Übernahmeverfahren beziehungsweise dessen Abwehr hat sich zum wahren Eldorado für Wettbewerbsrechtler entwickelt. Denn jeder der Beteiligten hat sich der Dienste von Profis versichert, darunter die Top-Kartellrechtler der Republik. Und so dürfte der Showdown in Berlin auch zur juristischen Leistungsschau werden. 

Juristischer Showdown

Edeka vertraut in dem Verfahren auf die Stammkanzlei White & Case. Tengelmann hat die Wettbewerbsspezialisten von Hermanns Wagner Brück verpflichtet. Der Hauptgegner Rewe steigt mit Freshfields Bruckhaus Deringer in den Ring. Der Kartellrechts-Partner Michael Esser und der Associate Jan Christoph Höft sind dort die Herren des Verfahrens. Der Markenverband setzt auf Michael Bauer von CMS Hasche Sigle. Für Coop wirkt Christofer Eggers von Wilmer Hale. Kaufland  hat Fabian Badtke von Noerr verpflichtet. Das Handelskontor Markant hat den Stuttgarter Gleiss-Lutz-Partner Matthias Karl verpflichtet. Und der fränkische Rechtsgelehrte Thomas Fries von Fries Rechtsanwälte wahrt die Interessen von Norma.

Diese Händler dominieren den Lebensmittelhandel
Platz 5: MetroMit weitem Abstand auf die vier Großen folgt die Metro-Gruppe, zu der die Real-Märkte gehören. Auch wenn die Gruppe laut Kartellamt den Anschluss an die Spitzengruppe verliert, liegt sie in ihrer Bedeutung weit vor den regionale Ketten wie Kaisers Tengelmann oder Tegut, Coop oder Globus, die jeweils weniger als drei Prozent Anteil am Markt haben. Umsatz: unter 10 Milliarden Euro Umsatzanteil am Gesamtmarkt: 5-10 Prozent Verkaufsfläche: 2-3 Millionen Quadratmeter Standorte: 300-400 Quelle: dpa
Platz 4: AldiDie Aldi Gruppe ist mit mehr als 4.000 betriebenen Standorten die führende Discounter-Größe in Deutschland. Bei Handelsmarken nimmt das Unternehmen eine herausragende Stellung ein. Hersteller dieser Produkte sind auf das Unternehmen angewiesen. Umsatz: 15-20 Milliarden Euro Umsatzanteil am Gesamtmarkt: 15-20 Prozent Verkaufsfläche: 3-4 Millionen Quadratmeter Standorte: 4.000-5.000 Quelle: dpa
Platz 3: Rewe/Rewe DortmundZur Gruppe gehört neben den Rewe-Märkten auch der Discounter Penny. Insbesondere bei den Herstellermarken hat Rewe eine starke Position inne. Umsatz: 20-25 Milliarden Euro Umsatzanteil am Gesamtmarkt: 15-20 Prozent Verkaufsfläche: 4-5 Millionen Quadratmeter Standorte: 6.000-7.000 Quelle: dpa
Platz 2: Schwarz Gruppe (Lidl und Kaufland)Die Schwarz Gruppe besteht aus den beiden Stiftungen Kaufland und Lidl, deren Kapital bei der Dachgesellschaft Schwarz Beteiligung GmbH liegt. Zusammen kommen die beiden Ketten auf ganz erhebliche Marktanteile. Umsatz: 25-30 Milliarden Euro Umsatzanteil am Gesamtmarkt: 20-25 Prozent Verkaufsfläche: 5-6 Millionen Quadratmeter Standorte: 3.500-4.650 Quelle: dpa
Platz 1: Edeka GruppeObwohl die Umsätze von Edeka vorwiegend von den selbständigen Einzelhändlern erzielt werden und zur Gruppe auch der Filialist Netto Marken-Discount gehört, betrachtet das Kartellamt die Gruppe als Ganzes. Besonders Markenhersteller sind auf Edeka aber auch Rewe und die Schwarz-Gruppe angewiesen. Diese Drei werden vom Kartellamt als „Nadelöhr für die deutschlandweite Verbreitung“ von Marken-Produkten bezeichnet und haben besonders viel Macht. Umsatz: Edeka 30-35 Milliarden Euro Umsatzanteil am Gesamtmarkt: 25-30 Prozent Verkaufsfläche: 9-10 Millionen Quadratmeter Standorte: 11.000–12.000 Quelle: Bundeskartellamt // Bezugsjahr: 2010 Quelle: dpa

Auch die beigeladenen Arbeitnehmervertreter werden juristisch umhegt. So tritt Michael Huber von Huber-Mücke-Helm für den streitbaren Tengelmann-Betriebsrat Süd an. Dessen interner Gegenspieler, der Gesamtbetriebsrat, wird von Dieter Hummel von dka Rechtsanwälte vertreten. Der Gesamtbetriebsrat der Firma Birkenhof lässt sich von Maximilian Bachmann von Rechtanwälte Grawert unterstützen. Selbst der Betriebsrat der kleinen Tengelmann-Einheit Nieder-Olm baut auf juristischen Sachverstand – in Person von Stefan Chatziparaskewas von Vieker und Chatziparaskewas.

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Angesichts des juristischen Großaufgebots und der rechtlichen Vorbereitung der Unternehmenschef, die im Eichensaal auftreten werden, bleibt eigentlich nur eine Frage offen: Wie lange wird die Anhörung dauern? Aus dem Wirtschaftsministerium wollte im Vorfeld niemand eine Prognose wagen.

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