WiWo App Jetzt gratis testen
Anzeigen

Eigentümerwechsel Karstadt kommt nicht um harte Einschnitte herum

René Benko übernimmt bei Karstadt vom einstigen Hoffnungsträger Nicolas Berggruen. Was auf die Mitarbeiter zukommt, ist noch unklar. Die Städte hoffen auf das richtige Konzept des neuen Eigentümers.

Karstadt-Filiale in Hamburg: Berichten zufolge sind 15 bis 20 Warenhäuser akut bedroht. Quelle: dpa

Die angeschlagene Warenhauskette Karstadt steht nach dem Eigentümerwechsel vor einer ungewissen Zukunft. Die rund 17 000 Mitarbeiter müssen sich auf Einschnitte gefasst machen. Bereits am kommenden Donnerstag will der Aufsichtsrat nach bisherigen Planungen über ein Sanierungskonzept beraten. Der österreichische Investor René Benko übernimmt nun die Kontrolle bei dem kriselnden Konzern vom bisherigen Eigentümer Nicolas Berggruen. Die Gewerkschaft Verdi bekräftigte am Wochenende ihre Forderung an Benko, ein Konzept zu präsentieren, das die Zukunft von Karstadt und den Beschäftigten sichere.

Viel Zeit dürfte Benko bei den anstehenden Entscheidungen nicht haben. Denn Karstadt steckt seit langem in einer Krise. Das Unternehmen kämpft mit roten Zahlen und rückläufigen Umsätzen. Mittelfristig könnten 15 bis 20 Häuser geschlossen werden, schreibt die „Süddeutsche Zeitung“ unter Berufung auf das Umfeld Benkos. Bevor dies geschehe, wolle der Österreicher aber Haus für Haus auf Rentabilität prüfen.

Karstadts Krisen-Chronik

Ein Sprecher von Benkos Signa-Holding kommentierte den Bericht auf Anfrage nicht. Den „SZ“-Informationen zufolge will Benko zehn Jahre oder mehr bleiben und in das Unternehmen investieren. Er plane, Markenhändler als zusätzliche Mieter in die meisten Karstadt-Häuser zu holen und sie zu größeren Einkaufszentren umzubauen. Die „Bild am Sonntag“ berichtete, dass Benko Karstadt in den kommenden zwölf Monaten sanieren wolle, mit Einschnitten in allen Bereichen.

Ausichtsratschef Stephan Fanderl hatte schon vor einem Monat einen harten Sanierungskurs angekündigt: Alles müsse bei Karstadt auf den Prüfstand gestellt werden. Das Unternehmen mache sich „berechtigte Sorgen um die Profitabilität“ von mehr als 20 Warenhäusern, hatte Fanderl der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ gesagt. Konkrete Schließungsbeschlüsse gebe es aber noch nicht.

Am Freitag war bekanntgegeben worden, dass der bisherige Eigentümer Nicolas Berggruen die Kette für einen Euro an Signa abgibt. Anfang der Woche soll der Österreicher die Kontrolle über die 83 Filialen übernehmen. Auch Berggruens verbliebene Anteile an den Karstadt-Premium-Kaufhäusern und Karstadt Sports sowie die Markenrechte gehen an Signa. Das Bundeskartellamt muss dem Deal noch zustimmen.

Der Geschäftsführer der Signa Retail GmbH, Wolfram Keil, hatte am Freitag mitgeteilt: Wichtigstes Ziel sei es jetzt, dass im Warenhauskonzern Ruhe einkehre und die nächsten Schritte einer tragfähigen Sanierungsstrategie zügig beraten, verabschiedet und umgesetzt würden.

Die Gewerkschaft Verdi unterstrich ihre Forderung nach einer zukunftsfähigen Strategie für Karstadt: „Wir werden sehr genau anschauen, was für ein Konzept der neue Eigentümer präsentiert“, kündigte Verdi-Sprecherin Eva Völpel am Sonntag im Gespräch mit der Nachrichtenagentur dpa an. Karstadt-Gesamtbetriebsrat und Verdi hatten den neuen Eigentümer am Freitag dazu aufgefordert, das Zukunftskonzept zu präsentieren und zu zeigen, dass er gewillt sei, ausreichend in das Unternehmen zu investieren.

Der Deutsche Städtetag hofft ebenfalls darauf, dass der neue Eigentümer ein kluges Zukunftskonzept vorlegt. „Die Städte brauchen attraktive Zentren und haben ein großes Interesse daran, dass es dem Einzelhandel vor Ort gut geht“, teilte der Hauptgeschäftsführer des Städtetags, Stephan Articus, auf dpa-Anfrage mit.

Der Deutsch-Amerikaner Berggruen hatte Karstadt 2010 für den symbolischen Preis von einem Euro aus der Insolvenz übernommen. Nun verkauft er die Kette für einen Euro an Benko. In der „Bild“ (Samstag) räumte Berggruen Fehler im Management von Karstadt ein.

Gleichzeitig wies er allerdings Vorwürfe zurück, sich am Unternehmen bereichert zu haben. „Fakt ist: Karstadt war für uns kein gutes Geschäft, nicht nur in finanzieller Hinsicht, sondern auch mit Blick auf meinen Ruf in Deutschland“, meinte er. Mit seinem Komplettausstieg wolle er den Weg für einen Neuanfang freimachen. „Alle wissen, dass es so nicht weitergehen kann“, sagte er.

© Handelsblatt GmbH – Alle Rechte vorbehalten. Nutzungsrechte erwerben?
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%