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Einigung mit Haribo Jetzt hat der Goldbär kein Hausverbot mehr bei Lidl

Gummibärchen fallen aus einer Poliermaschine. Quelle: dpa

Im vergangenen Sommer verbannte der Discounter Lidl alle Produkte des Süßwarenherstellers Haribo aus seinen Regalen. Nun gibt es eine Lösung im Fruchtgummi-Streit.

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Fast ein Jahr hatte der Goldbär Hausverbot in den Lidl-Filialen. Seit Sommer 2020 stritten der Süßwarenhersteller Haribo und der Discounter über die Konditionen. Haribo wollte seine Gummibärchen teurer verkaufen, Lidl die Preiserhöhung nicht hinnehmen und verhängte einen Lieferstopp. Doch nun wurde der Regalbann aufgehoben: Lidl verkauft Haribo-Bestseller wie Goldbären und Tropifrutti wieder und bietet nicht mehr nur Konkurrenzprodukte der Marke Katjes an. 

Ein Haribo-Sprecher erklärte, das Unternehmen freue sich, dass Lidl-Kunden „ihre Lieblingsprodukte von Haribo“ wieder kaufen könnten und bestätigte damit einen Bericht der „Lebensmittelzeitung“, die zuerst über die Wiedereinlistung berichtet hatte. Artikel des Herstellers seien nun „wieder in allen deutschen Supermarktregalen vertreten“, heißt es bei Haribo. Und: „Wir sind zuversichtlich, dass Lidl-Kunden zeitnah wieder die übliche Auswahl an Haribo-Produkten vorfinden werden.“ 

Vorangegangen war eine harte Auseinandersetzung zwischen dem Markenhersteller und dem Händler, mit spürbaren Folgen für beide Seiten: Lidl verprellte Haribo-Fans in der Kundschaft, Haribo musste auf einen der wichtigsten Verkaufskanäle verzichten und büßte entsprechend Umsatz ein.

Dennoch sind weder Dauer noch Härtegrad der Auseinandersetzung ungewöhnlich. Immer wieder kommt es zum Schlagabtausch zwischen Handel und Industrie. Neben Haribo erwischtes es im vergangenen Jahr beispielsweise Produkte des Pastariesen Barilla, die von Rewe ausgelistet wurden. Doch schnell wurde der Streit wieder beigelegt. Auch Edeka konnte sich mit Coca-Cola vergleichsweise rasch einigen. Nachdem der Getränkekonzern Preiserhöhungen für seine Produkte angekündigt hatte, stoppte Edeka im Sommer 2020 nur für kurze Zeit Bestellungen für Produkte wie Sprite, Fanta oder Cola Light.

Eiszeit zwischen Handel und Markenherstellern

Als eine der längsten Eiszeiten zwischen Handel und Hersteller überhaupt gilt dagegen die Verbannung von Krombacher-Bier aus den Getränkeabteilungen bei Kaufland. Dem Vernehmen nach forderte die Lidl-Schwester im Sommer 2012 einen kräftigen Nachschlag bei den sogenannten Werbekostenzuschüssen, kurz WKZ genannt. Die Brauerei aus dem Siegerland, für die Brauerei-Chef Bernhard Schadeberg höchstpersönlich als Verhandler in den Ring stieg, wollte den Aufschlag aber nicht akzeptieren. Nach neun Verhandlungsrunden brach Schadeberg die Gespräche mit Kaufland ab. Statt immer mehr zu zahlen, verzichtete Krombacher auf den Umsatz mit Kaufland. Erst im Sommer 2018 kehrte Krombacher mit seinem Pils, der Bitter-Limo Schweppes und Vitamalz in die Kaufland-Regale zurück.

Für Aufsehen sorgte 2016 auch ein Streit zwischen Kaufland und dem Tiefkühlkosthersteller Iglo, bekannt für seine Fischstäbchen, Rahmspinat und Schlemmerfilets. Natürlich blieben die Tiefkühltruhen  bei Kaufland nicht leer. Sie wurden notdürftig mit Kaufland-Eigenmarken und Produkten des Iglo-Hauptwettbewerbers Frosta gefüllt. Ähnlich trostlos war die Lage zweitweise in Kauflands Süßwarenabteilungen, jedenfalls für die, die nach Riegeln des Süßwarenkonzerns Mars suchten. Mars, Snickers, Bounty, Twix, M&M’s oder Milky Way – Kunden fanden allenfalls noch Reste, Nachschub gab es keinen mehr.

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Zwischen Kaufland und Iglo waren die Meinungsverschiedenheiten derart eskaliert, dass Iglo die Belieferung von Kaufland einstellte. „Iglo und Kaufland konnten sich bis jetzt nicht über die strategische Ausrichtung und Ausgestaltung der weiteren Zusammenarbeit einigen“, hieß es von Iglo-Seite. Eine Kaufland-Sprecherin sagte hingegen, Iglo habe eigenständig und ohne Angaben von Gründen die Belieferung an Kaufland eingestellt. Wenige Monate später kam es dann doch zu einer Einigung. „Wir verstehen uns heute wieder prima. Es war eine sehr gute Diskussion, die wir hatten,“ sagte Iglo-Chefin Antje Schubert im Herbst 2018. Ganz ähnlich klingt es nun auch bei Haribo.

Mehr zum Thema: Liest man die „crazy“ „Balla-Balla“-Namen auf den vielen Haribo-Tüten im Supermarktregal, könnte man meinen, in der Zentrale in Bonn herrsche die blanke Panik. Oft steht nun auch „Veggie“ mit drauf. Kaufen wir Haribo den Schwenk ab?

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