Einkaufen Online-Shopper verstopfen Zollämter

Der Zoll hat immer mehr zu tun. Schuld daran sind die Online-Shopper. Sie kaufen zwar weltweit ein, nehmen es aber mit den deutschen Einfuhrbestimmungen nicht ganz so genau.

Frau wird mit 70.000 Dollar im Magen festgenommen
Geld in KapselnIn der Dominikanischen Republik hat sich eine Frau mit umgerechnet über 55.000 Euro im Magen an Flughafenbeamten vorbeistehlen wollen. Die 40-Jährige sei jedoch festgenommen worden, sagte der Sprecher der nationalen Drogenkontrollbehörde, Dario Medrano, am Freitag. Demnach war das Geld in jeweils 16 Kapseln im Bauch der Frau versteckt gewesen. Zudem hätten Beamte 69.000 Dollar in bar sichergestellt, die sie in ihrem Koffer verborgen habe. Das Geld stammt den Angaben zufolge vermutlich aus Drogengeschäften. Quelle: dpa
ElfenbeinIn einer als Cashew-Nüsse deklarierten Ladung aus Afrika hat der Zoll in Vietnam knapp 60 Elefantenstoßzähne entdeckt. Die illegale Elfenbein-Ladung wurde am Wochenende am Flughafen in Ho-Chi-Minh-City konfisziert, wie der Zoll am Montag berichtete. Seit Anfang des Jahres seien 300 Kilogramm geschmuggeltes Elfenbein im Wert von fast 650.000 Euro entdeckt worden. Der Elfenbeinhandel ist seit 1989 verboten. Der Schmuggel blüht aber, vor allem in China ist Elfenbein für Schmuck und Ornamente gefragt. Wilderer schlachten in Afrika nach Schätzungen im Jahr mehr als 20.000 Elefanten ab. Quelle: dpa
Die Zoll-Hauptstellen haben ihre Jahresbilanz gezogen. Ergebnis: Wer Drogen oder andere Dinge am Zoll vorbei schmuggeln will, lässt sich einiges einfallen. In Bezug auf Drogen haben die Fahnder festgestellt, dass im vergangenen Jahr mehr synthetische Drogen geschmuggelt wurden. Auf dem Frankfurter Flughafen beispielsweise wurden mit 963 Kilogramm rund 30 Prozent weniger Betäubungsmittel beschlagnahmt, der Anteil von neuen synthetischen Drogen war mit 21 Kilogramm aber doppelt so groß wie im Vorjahr. Geschätzter Schwarzmarktwert der Funde: 22 Millionen Euro. Quelle: dpa
AmphetamineVon der als
HeroinEin weiteres Beispiel für den Ideenreichtum der Drogendealer: in den Teppich eingewebte Heroin-Schnüre. Mit 128 Kilogramm wurden in 2013 nur knapp 32 Prozent der im Vorjahr sichergestellten Menge aus dem Verkehr gezogen. Quelle: dpa
Zigaretten147 Millionen Zigaretten wurden 2013 vom Zoll beschlagnahmt - verglichen mit rund 80 Milliarden legal verkauften Zigaretten eine eher geringe Menge. Damit hat sich im Vergleich zum Vorjahr nicht viel geändert - 2012 waren es 146 Millionen beschlagnahmte Zigaretten. Zwar wird zunehmend weniger geraucht, die Menge von konsumierten Feinschnitt ist seit den Neunzigern jedoch gestiegen. Auch hier sind Schmuggler kreativ... Quelle: dpa
Wie diese mit Tabak gefüllte Garnrolle zeigt. Quelle: dpa

Bei den Zollämtern fliegen immer wieder die Fetzen. „Das gibt manchmal richtig Ärger“, sagt die Düsseldorfer Zollbeamtin Dagmar Böttcher. 34.000 Pakete sind im dortigen Bezirk allein im vergangenen Jahr „gestrandet“ und mussten von den Empfängern abgeholt werden - oft mit happigen Nachschlägen an Zöllen und Einfuhr-Umsatzsteuer. In den vergangenen Jahren habe sich die Zahl solcher Pakete mehr als verdoppelt. „Die allermeisten waren von Online-Shoppern“, berichtet Böttcher. Bundesweite Zahlen gibt es nicht, aber hochgerechnet auf Deutschland wären das rund 1,6 Millionen Pakete.

„Wir haben da enorme Steigerungsraten“, bestätigt Wolfgang Brüggen, Leiter des Zollamtes Düsseldorf-Nord. Um den Andrang bewältigen zu können, hat man allein für Düsseldorf inzwischen eine zweite Abholstelle einrichten müssen. Bei einer Wartezeit von bis zu drei Stunden liegen dann manchmal die Nerven blank. „Das sind Dramen, die sich da abspielen“, berichtet Zollbeamtin Dorothee Klapdor. Viele sind völlig überrascht, wenn auf die Online-Order ein Zollbescheid folgt, weil die Ware von außerhalb der EU anlandet: „Sie bestellen in England, aber die Ware kommt trotzdem aus China.“

Ingrid C. kennt die Prozedur schon: „Ich komme öfter, ich bin Profi - seit meine Töchter im Internet bestellen.“ Diesmal ist es eine Jeans, die in dem Paket zum Vorschein kommt. Der Rest ist Formsache und Frau C. schnell verschwunden - samt Jeans. Doch es gibt auch die anderen Fälle: Schnäppchenjäger, die sich gar nicht mehr beruhigen können, wenn ihnen der Zoll den tatsächlichen Preis ihres Einkaufs präsentiert. Oder die merken, dass sie umsonst angestanden haben, weil ihnen die Rechnung fehlt. „Da muss trotz allen psychologischen Geschicks schon mal Verstärkung hinzukommen.“

Was auf die einzelnen Warenarten an Zoll erhoben wird, füllt eine ganze Datenbank, und über die Zuordnung lässt sich trefflich streiten. „Lebensmittel sind teuer - 25 Prozent, Notebooks dagegen null Prozent.“ Außerdem kommt für Waren aus Nicht-EU-Ländern die Mehrwertsteuer hinzu, die beim Zoll Einfuhrumsatzsteuer heißt. Ab einem Warenwert von 22 Euro ist sie zu entrichten, Versandkosten und Zoll werden dabei mitgezählt.

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Auch die Anfahrt und Öffnungszeiten von 7.15 Uhr bis 16.15 Uhr konterkarieren das bequeme Online-Shopping. Ist keine Rechnung und keine Inhaltsangabe außen am Paket angebracht oder wird deren Richtigkeit bezweifelt, wird der Empfänger auch wegen Kleinstartikeln zum Zoll zitiert: „Ich musste schon wegen ein paar Deo-Stiften hin und wegen LED-Fahrradleuchten für fünf Euro. Da musste ich dann erklären, dass es sich nicht um gefährliche Laser-Pointer handelt“, berichtet Tobias B. aus Düsseldorf.

Aber die Zollbeamten dürfen die Pakete nicht alleine öffnen - wegen des Post-Geheimnisses und der Gefahr von Regressforderungen, sollte die Ware beschädigt werden oder etwas fehlen. Deswegen werden die Pendlerströme zu den Zollämtern wohl analog zum Online-Versandhandel weiter wachsen. Besonders ärgerlich wird es, wenn das Schreiben vom Zoll während des Urlaubs ins Haus flattert: Nach zwei Wochen gehen die Pakete zurück an den Absender.

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