Einzelhandel Plastiktüten könnten schon bald 20 Cent kosten

Laut Medienberichten müssen Kunden ab April 2016 überall mindestens 20 Cent pro Plastiktüte zahlen. Der Handelsverband will das nicht bestätigen. Er verhandelt mit der Regierung über eine freiwillige Vereinbarung.

Plastiktüten Quelle: dpa

Wenn Kunden im kommenden Jahr einkaufen, müssen sie ab April überall mindestens 20 Cent pro Plastiktüte bezahlen. Das soll aus einem Entwurf hervorgehen, den der Deutsche Handelsverband (HDE) beim Bundesumweltministerium eingereicht hat, wie die Süddeutsche Zeitung berichtet. Ausgenommen von der Abgabe sollen laut Medienberichten sogenannte Hemdbeutelchen für Obst und Gemüse in Supermärkten sein. Auf Anfrage von WirtschaftsWoche Online hat HDE-Geschäftsführer Kai Falk den verbindlichen Plastiktütenpreis nicht bestätigt.

Der Handelsverband führe derzeit Gespräche mit dem Bundesumweltministerium über die Ausgestaltung einer freiwilligen Vereinbarung über kostenpflichtige Tragetaschen. "Durch die freiwillige Initiative des Handels soll eine gesetzliche Regelung vermieden werden", sagt Falk.

Der Kampf gegen die Plastiktüten

Der Entwurf sehe lediglich einen "angemessenen Beitrag" vor. Ob es sich dabei um 20 Cent pro Plastiktüte oder um einen anderen Mindestbetrag handeln soll – dazu wollte sich der HDE-Geschäftsführer nicht äußern. "Eine einheitliche Gebühr in Höhe von 20 Cent sieht die Vereinbarung nicht vor", versichert Falk.

Anlass für den Entwurf ist die EU-Plastiktütenrichtlinie vom April 2015, wonach sich die Mitgliedstaaten dazu verpflichten, ihren jährlichen Verbrauch ab 2020 auf 90 Plastiktüten pro Einwohner zu reduzieren. Ab 2026 soll jeder Bürger dann nur noch 40 Tüten verbrauchen. Der Pro-Kopf-Verbrauch in Deutschland beträgt derzeit 71 Tüten pro Jahr. Damit erfüllt die Bundesrepublik schon jetzt die Zielvorgabe für das Jahr 2020 und liegt deutlich unter dem derzeitigen EU-Durchschnitt, der bei 198 Tüten pro Kopf im Jahr liegt.

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Indem die Kunden für die Tragetaschen zahlen, soll der Verbrauch reduziert werden. Die Tüten werden kritisiert, weil sie sich nicht zersetzen und unter anderem Meerestiere daran verenden. Grund dafür ist der Kunststoff Polyethylen. 

Falk ist zuversichtlich, dass Deutschland problemlos die Zielvorgabe für das Jahr 2026 erfüllen wird. Vor allem dann, wenn das Umweltministerium keine freiwillige Vereinbarung akzeptiert und eine verbindliche Abgabe für Plastiktüten eingeführt werden sollte. Denn: "Deutsche Konsumenten sind sehr preissensibel." Bereits in den Lebensmittel-Geschäften hätte sich gezeigt, dass die Konsumenten weniger Plastiktüten verbrauchen, wenn sie dafür Geld ausgeben müssen.

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