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Einzelhandel schlägt zurück "Nur mal gucken" kostet fünf Dollar

Kleidung im Internet bestellen ist günstig und bequem - doch passt die Hose, sitzt das Shirt? Vielleicht doch lieber vorher im Geschäft anprobieren und dann bestellen - das nervt Händler. Ein Geschäft verlangt jetzt Eintritt.

Kritisch betrachtet ein Kunde die Angebote in einem Kaufhaus in Leipzig. Quelle: AP

Durch die Geschäfte bummeln, Kleidung anprobieren, Handys und Fernseher testen, Lebensmittel begutachten - das ist für Verbraucher selbstverständlich. Doch dass sie dann auch etwas kaufen, ist es nicht. Immer mehr Menschen kaufen die Produkte, vor allem Bücher, Elektrogeräte und Co. dann doch lieber übers Internet, denn dort sind sie oftmals unschlagbar viel günstiger. Experten nennen dieses Phänomen "Showrooming": Das Geschäft wird genutzt, um den Artikel der Begierde zu begutachten, doch dann verlassen die potenziellen Kunden den Laden wieder, ohne etwas gekauft zu haben. Die Umsätze fehlen, die Ladenmiete zahlt sich nicht von allein, dem stationären Handel droht so die Erosion.

Die digitalen Superstars
TelekommunikationDie Telekommunikationsunternehmen spielen ihre Stärken im Mobilfunkbereich voll aus. Die Branche erreicht erreicht den höchsten Durchschnittswert bei mobilen Aktivitäten. So nutzt Vodafone zum Beispiel eine App zur direkten Kundenkommunikation. Die T-Mobile-App bietet den Kunden an, jederzeit auf ihre Datenzugreifen zu können. Auch O2 bemüht sich, den Kundenkontakt über soziale Netzwerke zu verbessern. Quelle: dpa
Sport FashionAdidas liegt bei den Unternehmen im Sport Fashion-Segment ganz vorne. Der Branchen-Primus verfolgt eine beispielhafte Mobile-Strategie und hat zudem viele serviceorientierte Apps im Angebot. Damit können User zum Beispiel persönliche Trainingsfortschritte messen oder über Outfits abstimmen. Auf ihren Webseiten nutzen die bekannten Marken bisher nur wenige interaktive Tools, um die Kundenanbindung zu stärken. Um so stärker konzentrieren sie sich auf die Social-Media-Kanäle. Quelle: dpa/dpaweb
VerbrauchsgüterindustrieDie Verbrauchsgüterindustrie kennt die Bedeutung starker Marken sehr gut. Im Digital Activity Index 2012 spielt sich diese Branchenerfahrung allerdings nicht wider. Nur wenige Unternehmen stechen positiv hervor. Darunter auch Coca Cola und Pampers. Beide Unternehmen setzen auf eine Mischung aus App-Angeboten und sind in den sozialen Netzwerken stark vertreten. Die nationalen und regionalen Player sind deutlich weniger im Internet aktiv und senken den Durchschnitt drastisch. Somit landet die Verbrauchsgüterindustrie auf dem letzten Platz des Index in der Branchensicht. Quelle: REUTERS
RetailSehr uneinheitlich ist das Bild im Retail-Bereich. Lidl erreicht im Social-Media-Segment sehr gute Werte. bei den Webseiten wiederum liegt Tchibo mit einer langen Verweildauer der Kunden auf der Seite vorne. Mobil sind vor allem Aldi, Ikea und Edeka aktiv, die solide Apps für iOS und Android anbieten. Quelle: ZB
BaugewerbeVerglichen mit den reinen Verbrauchermarken erreicht der Bau- und die Zuliefererindustrie gute Werte für ihre Webseiten. So bieten etwa Grohe und Hansgrohe Interaktionsfeatures an, die die Kundenbetreuung beschleunigen. Die Apps in dieser Branche sind vor allem Prospekt-Apps, in denen die eigenen Produkte beworben werden. Quelle: dpa
FashionDie Fashion-Unternehmen punkten vor allem mit ihren Webseiten. Einzelfälle, wie Hugo Boss oder New Yorker, tummeln sich auch im Bereich Social Media. Hugo Boss präsentiert sich vor allem mit Videos von Fashion-Shows auf der Plattform YouTube. Bei den mobilen Anwendungen liegt s.Oliver vorne. Das Unternehmen bietet eine App mit Fashion-Memory-Spiel an. Street One und Gerry Weber vernachlässigen die sozialen Netzwerke und die Möglichkeit, sich mit mobilen Anwendungen zu positionieren. Quelle: dpa
Hotels und TouristikUnter den Hotels gibt es keine "digitalen Stars", obwohl Unternehmen wie Best Western, Marriott und NH Hotels mit mobilen Anwendungen erfolgreich auf dem Markt sind. Eigene Apps zeigen an, wie viele Zimmer noch frei sind und leiten Reservierungen weiter. Die Nutzer honorieren das und bewerten gerade diese Apps als sehr nützlich. Quelle: dpa

Das ging dem Spezialitäten-Händler Celiac Supplies in Australien, der glutenfreie Lebensmittel vertreibt, so sehr auf die Nerven, dass er nun Eintritt von jenen verlangt, die sich nur umschauen wollen. Im Internet kursiert ein Foto von einem Aushang im Schaufenster des Ladens, der die Besucher darauf hinweist, dass ab sofort eine Gebühr in Höhe von fünf Dollar von jedem erhoben werde, der "nur zum gucken" das Geschäft betrete. Wenn tatsächlich etwas gekauft wird, wird das Eintrittsgeld zurückgezahlt, versichert der Betreiber.

Wie es zu dem radikalen Schritt kam, erklärt das Geschäftsmanagement ebenfalls auf dem Schild. Es habe einen hohen Ansturm von Leuten gegeben, die den Laden als Ausstellungshalle genutzt und die Produkte dann woanders gekauft hätten. Offenkundig ärgerlich setzt das Management hinzu, dass diesen Leuten wohl nicht bewusst sei, dass die Preise überall nahezu gleich seien und die Filiale zudem Produkte anbiete, die nirgendwo sonst zu haben seien.

Mit dem Ärger über das "Showrooming" ist Celiac Supplies nicht alleine. Auch der Sportartikelhersteller wie Adidas, Asics oder Nike wehren sich bereits seit langem gegen die scheinbar übermächtige Konkurrenz aus dem Internet. Im Sommer letzten Jahres wurde bekannt, dass sie Plattformen wie Ebay oder Amazon den Verkauf ihrer Produkte verbieten wollen. Damit haben sie allerdings das Kartellamt gegen sich aufgebracht. Die Beschränkungen im Online-Handel könnten gegen deutsches Wettbewerbsrecht verstoßen, hieß es damals. Bereits seit 2011 läuft ein Verfahren gegen Asics wegen seines selektiven Vertriebssystems in Europa. Im März dieses Jahres wurde dann bekannt, dass das Bundeskartellamt auch ein Verfahren gegen Adidas eröffnet hat. Dem Amt lägen mehrere Beschwerden von Händlern wegen eines Verbotes des Verkaufs über offene Drittplattformen vor.

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